Bayerisch-barocker Benediktinerprunk – Erstmals schlägt das BNM das erstaunliche Schatzbuch von St. Emmeram auf

Fuß des Ziboriums von Johann S. Gaap, Regensburger Goldschmied, 1710 / 1720, aus der Pfarrkirchenstiftung St. Emmeram. Foto: Hans Gärtner

Seit 1887 gehört das aus der Bibliothek des Reichsstifts St. Emmeram zu Regensburg stammende Schatzbuch dem Bayerischen Nationalmuseum (BNM). Entstanden zwischen 1745 und 1762, enthält es aquarellierte Federzeichnungen. Eine Auswahl davon in der Sonderausstellung „Das Schatzbuch von St. Emmeram“ zu zeigen, die bis zum 1. März im 1. Obergeschoss täglich außer montags von 10 bis 17 (donnerstags bis 20) Uhr geöffnet ist, wurde durch gelungene Projektion auf große Leinwand-Tafeln realisiert. Die 72 Zeichnungen sind farblich getreu wiedergegeben und mühelos zu betrachten.

Das Buch selbst liegt, eine rechte Seite davon ist aufgeschlagen, in der ersten Vitrine. Es gibt freilich nur eine Ahnung von der Fülle, der Vielfalt und dem Reichtum des altehrwürdigen benediktinischen Kirchenschatzes. Wie es vielfach üblich war, wurde dieser klugerweise in Bild und Wort dokumentiert. Was davon die Säkularisation „verschlang“, ist wenigstens im Schatzbuch erhalten geblieben. Freilich wurde ein kleiner Teil des Kirchenschatzes nicht eingeschmolzen. Wenige kostbare Stücke blieben erhalten. Beispielsweise ein teils vergoldetes silbernes Ziborium des Regensburger Goldschmieds Johann Silvester Gaap. Die katholische Pfarrkirchenstiftung St. Emmeram lieh es für die Münchner Sonderausstellung aus. Die applizierten farbigen Email-Plaketten zeigen Motive aus dem Alten und Neuen Testament und der priesterlichen Eucharistiefeier.

Zum benediktinischen Regensburger Kirchenschatz zählten auch liturgische Prunkgewänder wie das in einem eigenen großen Glaskasten gezeigte Pluviale, ein vorne offener, vermutlich 1734 in Neapel hergestellter Umgang, der bei feierlichen Amtshandlungen, Prozessionen oder Weihen, getragen wurde. Das Stück gehört der Stiftung des Fürstabts Anselm Godin de Tampezo von St. Emmeram. Er war es, der seine Kirche von den Gebrüdern  Asam hatte umgestalten lassen. Außerdem hat Anselm Godin, der von 1725 bis 1742 residierte, den Kirchenschatz immer wieder bereichert, indem er Paramente, liturgische Gerätschaften und Reliquien ankaufte.

Herausragend sind eben diese Reliquien von St. Emmeram, die in  Ostensorien und Monstranzen bewahrt wurden. Zeichnungen aus dem Schatzbuch zeigen mehrere solcher Reliquiare, die es zu bewundern gibt. So etwa eine Reliquien-Statue des heiligen Regensburger Bischofs Wolfgang (um 1740), eine Tafel mit Abtsstab und Pontifikalhandschuhen des 17./18. Jahrhunderts oder das linke Retabel-Reliquiar für den Hochaltar aus der Stiftung des Abtes Johannes Nablas, 1655 – 1659. Zahlreiche Reliquien bekannter und beliebter Heiliger werden in Kartuschen schriftlich erwähnt, von „S. Kunigund“ bis „Constantin“.

Über Hans Gärtner 540 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.