Irland übernimmt EU-Vorsitz: vbw fordert Wirtschafts-Turbo für Europa

300 Milliarden Euro weg! Bayerns Wirtschaft fordert jetzt den EU-Kapitalmarkt-Turbo

Europa-Fahnen

Zum Start der irischen EU-Ratspräsidentschaft fordert die vbw Tempo bei Kapitalmarktunion, Bürokratieabbau und Binnenmarkt. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt warnt: Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter Druck – und jedes Jahr fließen Milliarden an europäischem Kapital in die USA und andere Regionen.   

Anlässlich des Starts der irischen EU-Ratspräsidentschaft am 01. Juli 2026 setzt die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. auf die zügige Vollendung der Wirtschafts– und Bürokratiewende auf EU-Ebene. „Die zypriotische Ratspräsidentschaft konnte in den letzten sechs Monaten an wichtigen Fortschritten mitwirken, insbesondere an der Entscheidung, sowohl mit der Ukraine als auch mit Moldau die Beitrittsverhandlungen für eine EU-Mitgliedschaft zu beginnen. Dafür gebührt ihr Respekt“, erklärt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Von der irischen EU-Ratspräsidentschaft erwartet die bayerische Wirtschaft nun, die Stärkung der Wirtschaft an vorderste Stelle zu setzen. „Europas Wettbewerbsfähigkeit ist weiter in Gefahr: Neben geopolitischen Krisen und der Konkurrenz gegenüber den USA und China lähmen vor allem überbordende Bürokratie und schwierige Standortbedingungen die europäische Wirtschaft. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, so Brossardt.

Insbesondere in der Vollendung der Kapitalmarktunion sieht die vbw einen entscheidenden Hebel, um Wachstum, Investitionen und damit letztendlich Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. „Die jüngst vorgelegte gemeinsame Position der sechs wirtschaftsstärksten EU-Staaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen und Spanien – zum Marktintegrations- und Aufsichtspaket sendet ein ermutigendes Signal. Sie ebnet hoffentlich den Weg für europaweit harmonisierte, einfachere und damit marktfördernde Regeln und Aufsichtsstrukturen im Wertpapierhandel. Fakt ist: Der europäische Kapitalmarkt ist bislang zu fragmentiert, die Regeln sind zu national ausgerichtet. Das stellt europäische Investoren schlechter als die internationale Konkurrenz und schränkt den Zugang von Industrie, Mittelstand und Start-ups zu europäischem Kapital ein“, erklärt Brossardt. Ohne Reformen wandern laut Bundesfinanzministerium jedes Jahr mehr als 300 Milliarden Euro europäischer Ersparnisse in die USA und andere Regionen, anstatt in Länder vor Ort. Vor allem sehr stark wachsende Unternehmen finden Wachstumskapital in anderen Teilen der Welt. „Die fehlende Europäisierung des Kapitalmarkts ist ein massiver Wettbewerbsnachteil“, so Brossardt.

Insgesamt setzt die vbw auf einen Dreiklang aus Maßnahmen, um die Attraktivität des Standorts Europa wieder herzustellen. Erstens gilt es, die verbleibenden Barrieren im europäischen Binnenmarkt weiter abzubauen, unter anderem beim grenzüberschreitenden Personaleinsatz. Zweitens fordert die bayerische Wirtschaft die Fortsetzung eines entschiedenen Bürokratieabbaus in Brüssel. Und drittens braucht es weitere Handelsabkommen und Rohstoffpartnerschaften, wie die jüngsten Vereinbarungen mit Indien und Australien. „Die kommenden Monate werden mit darüber entscheiden, ob Europa auch in Zukunft noch ein starker wirtschaftlicher Kontinent bleibt. Daher ist es umso wichtiger, die wirklich zentralen Herausforderungen – wie die Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit – auf die Tagesordnung zu setzen. Genau hier liegt die große Aufgabe für die irische Ratspräsidentschaft. Es geht letztendlich um Europas Zukunft und weltweiten Einfluss“, erklärt Brossardt weiter.