Georg Baselitz stellte die Figuren auf den Kopf und brachte die deutsche Malerei zurück in die Gegenwart. Nach seinem Tod zeigen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München zentrale Werke aus ihrem Bestand – als Hommage an einen Künstler, der nie bequem war.
GEORG BASELITZ (1938–2026)
WERKE DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN
PINAKOTHEK DER MODERNE | SAMMLUNG MODERNE KUNST
MUSEUM BRANDHORST
AUSSTELLUNGSDAUER: 03. JULI 2026 – 08. November 2026
Mehr als fünf Jahrzehnte haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das Werk von Georg Baselitz (1938–2026) eng begleitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart erneuerte er maßgeblich die figurative Malerei nach 1945. Der Bestand der Sammlung Moderne Kunst umfasst 31 Werke – von frühen Arbeiten der 1960er Jahre über die „Remix“-Serie bis zum Spätwerk. Die aktuelle Präsentation in Erinnerung an den Künstler umfasst eine Auswahl an elf Arbeiten, welche die komplexe Entwicklung seines Schaffens nachvollziehbar macht.
Der erste Ankauf eines Werkes von Georg Baselitz erfolgte bereits 1972. Nur vier Jahre später widmete die damalige Staatsgalerie moderner Kunst im Haus der Kunst dem damals 38-jährigen Künstler eine Einzelausstellung. Diese Schau markierte einen Wendepunkt: Zeitgenössische Kunst rückte in den Fokus des Museums, und eine gegenwartsorientierte Ankaufspolitik wurde etabliert. Dank der Unterstützung von Herzog Franz von Bayern, langjähriger Wegbegleiter und früher Sammler des Künstlers, konnte die erste Ausstellung verwirklicht werden und bedeutende Werke für den Sammlungsbestand gesichert werden. Hervorzuheben ist „Der Mann am Baum“ (1969), eines der ersten Gemälde, in denen Baselitz die Figur auf den Kopf stellte. Diese Umkehrung wurde zu einem zentralen Merkmal seines Schaffens und kann zugleich als kritische Reflexion deutscher Geschichte verstanden werden.
Die 2019 erfolgte Schenkung von sechs Gemälden und einer Skulptur aus den Jahren 2008 bis 2017 zu Ehren von Herzog Franz von Bayern bildete einen weiteren Höhepunkt. Zu den herausragenden Werken des Spätwerks und dieser Schenkung zählen das Gemälde „Avignon ade“, dessen Figur in einem zeit- und grenzenlosen Raum zu schweben scheint, sowie die Skulptur „Zero Ende“, ein eindringliches Sinnbild der Vergänglichkeit.
Über Generationen von Sammlungsleiter:innen und Direktoren hinweg hat die Sammlung Moderne Kunst diesen Werkbestand kontinuierlich erweitert und die künstlerische Entwicklung Baselitz’ über Jahrzehnte begleitet. Durch das großzügige Engagement des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V., der Theo Wormland-Stiftung, der Michael & Eleonore Stoffel-Stiftung sowie durch Georg Baselitz selbst konnten wichtige Werke in den Bestand aufgenommen werden.
Seit 2009 bereichern zudem neun Baselitz-Werke der Sammlung Udo und Anette Brandhorst den Münchner Bestand. Das Sammlerehepaar verband eine tiefe Freundschaft mit dem Künstler. Die Werke im Museum Brandhorst spannen einen Bogen von frühen Werken wie „Birke“ (1970) bis zum jüngsten Ankauf im Jahr 2023 mit „Manopola – Fausthandschuh“ (2019).
Carla Schulz-Hoffmann, verantwortliche Referentin der Pinakothek der Moderne und stellvertretende Generaldirektorin bis 2011, prägte über 30 Jahre diesen Sammlungsbereich. Sie hat die erste Ausstellung verantwortet – wie auch die aktuelle Präsentation co-kuratiert.
Die Werkauswahl zeigt Baselitz‘ intensive Auseinandersetzung mit Malerei: er experimentierte mit Farbtönen, fragmentierte die Figur, trug die Farbe mit Fingern auf, bezog sich auf kunsthistorische Vorbilder, nahm eigene Motive in der „Remix“-Serie wieder auf. Er hinterfragte Malerei schonungslos; Verdrängtes wurde damit auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene zu Tage gefördert. Georg Baselitz’ Werk bleibt herausfordernd, kraftvoll und kompromisslos.
Im Museum Brandhorst wird parallel zur Baselitz-Neupräsentation in der Pinakothek der Moderne ein eindrucksvolles Werk in Gedenken an Georg Baselitz im Treppenhaus gezeigt: „Manopola – Fausthandschuh“ (2019).
Kuratiert von Verena Hein und Carla Schulz-Hoffmann, unterstützt von Lilith Bitzer
Programmhinweis:
Georg Baselitz in der musica viva-Konzertreihe des Bayerischen Rundfunks
2025 gestaltete Georg Baselitz die Marionetten für die Neuinszenierung von Igor Strawinskys „Histoire du Soldat“ im Rahmen der Salzburger Festspielen. Die einzigartige und gefeierte Produktion des Salzburger Marionettentheaters kommt zur musica viva nach München.
22. September 2026, 19.00 Uhr, Prinzregententheater, mit Dominique Horwitz, Isabelle Faust ausgewähltes All-Star-Ensemble internationaler Musiker:innen.
Informationen zum Programm finden Sie unter: www.br-musica-viva.de/konzerte/isabelle-faust-friends
Weitere Informationen www.pinakothek.de/georg-baselitz-2026 sowie www.pinakothek.de/nachruf-georg-baselitz
