Das Kabinett hat die EEG-Novelle 2027 beschlossen. Für neue Photovoltaikanlagen soll sich damit einiges ändern: kleine Dachanlagen sollen stärker in den Markt, die Einspeisung wird begrenzt, Speicher werden wichtiger. Wer gerade eine Anlage plant, sollte die Reform im Blick behalten.
Die Solaranlage auf dem Eigenheim war für viele Jahre ein leicht verständliches Modell: Strom auf dem Dach erzeugen, möglichst viel selbst verbrauchen und den Überschuss gegen eine festgelegte Vergütung ins Netz schicken. Die Bundesregierung will dieses System nun umbauen.
Am 29. Juli hat das Bundeskabinett die EEG-Novelle 2027 und ein Netzanschlusspaket beschlossen. Die Stoßrichtung ist klar: Erneuerbare Energien sollen stärker auf Marktpreise und die tatsächliche Belastbarkeit der Stromnetze reagieren. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht von einem Paradigmenwechsel. Eine ausführliche Einordnung der beschlossenen Änderungen und ihrer Folgen für Haushalte bietet die Tagesschau.
Für private Hausbesitzer steckt die vielleicht wichtigste Passage in den Regeln für kleine Photovoltaikanlagen. Nach Darstellung der Bundesregierung sind Anlagen unter 25 Kilowatt heute vielfach auch ohne dauerhafte Förderung wirtschaftlich. Solche Anlagen sollen deshalb stärker in die Direktvermarktung wechseln. Vorgesehen ist als Einstiegshilfe ein vierjähriger Direktvermarktungsbonus.
Nur noch 50 Prozent Einspeiseleistung
Eine zweite Änderung trifft die typische Dachanlage unmittelbar. Die Einspeiseleistung kleiner und mittlerer PV-Anlagen soll auf 50 Prozent begrenzt werden. Dahinter steckt ein Problem, das an sonnigen Tagen immer häufiger auftritt: Sehr viele Anlagen liefern gleichzeitig zur Mittagszeit besonders viel Strom. In Regionen mit hoher Solardichte geraten Netze dann an Grenzen.
Die Begrenzung bedeutet nicht, dass die Hälfte der erzeugten Energie zwangsläufig verloren geht. Wer den Strom im eigenen Haus nutzt, in einen Batteriespeicher schiebt oder etwa ein Elektroauto lädt, kann ihn weiterhin verwenden. Genau das ist politisch gewollt: Mehr Eigenverbrauch, mehr Speicher, weniger unkontrollierte Einspeisespitzen.
Für neue Anlagen verschiebt sich damit die Rechnung. Nicht nur der Jahresertrag der Module zählt. Wichtiger wird, was im eigenen Haushalt ausgerechnet dann mit dem Strom geschieht, wenn die Sonne besonders kräftig scheint.
Die feste Vergütung verliert ihren alten Stellenwert
Neue Anlagen sollen nach den Plänen grundsätzlich mit intelligenten Messsystemen und Steuerungstechnik stärker an den Markt angebunden werden. Die Bundesregierung spricht ausdrücklich von einem schrittweisen Übergang weg von der festen Einspeisevergütung.
Politisch ist das ein Einschnitt. Die garantierte Vergütung gehörte über Jahre zu den bekanntesten Instrumenten der deutschen Solarförderung. Sie gab Hausbesitzern Planungssicherheit und machte die Wirtschaftlichkeit einer Anlage weniger abhängig von kurzfristigen Marktpreisen.
Aus Sicht der Bundesregierung hat sich die Lage verändert: Solarstrom ist deutlich günstiger geworden, kleine Anlagen können sich häufig auch ohne klassische Dauersubvention rechnen, und mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien muss das Stromsystem flexibler reagieren.
Beschlossen heißt noch nicht endgültig
Wer jetzt bereits Angebote auf dem Tisch hat, sollte dennoch nicht vorschnell handeln. Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen. Bundestag und weitere Verfahrensschritte stehen noch aus, Details können sich also ändern.
Die Richtung des Entwurfs ist dennoch erkennbar. Künftig soll weniger gefördert werden, wenn Solarstrom unabhängig von Bedarf und Netzlage eingespeist wird. Speicher, Eigenverbrauch und flexible Vermarktung gewinnen dadurch an Gewicht.
Einfacher wird die Kalkulation für Hausbesitzer dadurch nicht. Wer künftig eine Photovoltaikanlage plant, muss neben Modulpreis und Dachfläche stärker auf Speichergröße, eigenen Stromverbrauch, intelligente Zähler und mögliche Direktvermarktung achten.
