Tödliche Hitze in Deutschland: Schon fast 10.000 Menschen sterben – und der Sommer ist noch nicht vorbei

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Deutschland erlebt einen Sommer, dessen Folgen längst nicht mehr nur an vertrockneten Wiesen und überfüllten Freibädern abzulesen sind. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass bis Mitte Juli bereits rund 9.800 Menschen hitzebedingt gestorben sind. Besonders betroffen sind Hochbetagte – und die nächste Hitzewelle läuft bereits.

Ein heißer Tag wirkt zunächst wie ein Wetterereignis. Zwei oder drei heiße Wochen hintereinander werden für viele Menschen dagegen zu einer körperlichen Belastungsprobe. In diesem Sommer lässt sich die Größenordnung erstmals erschreckend deutlich beziffern: Nach dem aktuellen Wochenbericht des Robert Koch-Instituts wurden bis zur Kalenderwoche 29 rund 9.800 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt. Der statistische Unsicherheitsbereich reicht von 8.700 bis 10.900 Fällen.

Die Zahl bezieht sich auf den Zeitraum bis zum 19. Juli. Sie ist also weder eine endgültige Jahresbilanz noch eine Zählung einzelner Totenscheine, auf denen als Todesursache schlicht „Hitze“ steht. In den meisten Fällen verschärfen hohe Temperaturen bestehende Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen. Das RKI berechnet deshalb, wie stark die Sterblichkeit in heißen Wochen über dem Wert liegt, der ohne die hohe Temperatur zu erwarten gewesen wäre.

Die Ältesten tragen fast die gesamte Last

Von den geschätzten 9.800 Todesfällen entfielen 5.420 auf Menschen ab 85 Jahren. Weitere 2.460 Betroffene waren zwischen 75 und 84 Jahre alt. Damit gehören rund vier von fünf Hitzetoten zur Altersgruppe ab 75 Jahren. Die Tagesschau fasst die RKI-Zahlen mit 7.880 Todesfällen in dieser Altersgruppe zusammen.

Der Körper kann sich im Alter schlechter an extreme Wärme anpassen. Das Durstgefühl lässt nach, Medikamente beeinflussen den Wasserhaushalt, chronische Erkrankungen belasten Herz und Kreislauf. Hinzu kommt, dass viele Wohnungen nachts kaum noch auskühlen. Wer in einer aufgeheizten Dachgeschosswohnung lebt oder pflegebedürftig ist, kann der Hitze nicht einfach ausweichen.

Mehr als 5.000 der diesjährigen Todesfälle führt das RKI auf die extrem heißen Tage in der zweiten Junihälfte zurück. Damals wurden in Deutschland vielerorts Temperaturen um 40 Grad gemessen. In der Woche vom 13. bis 19. Juli kamen nach der Modellrechnung noch einmal etwa 1.900 Fälle hinzu.

Warum Hitzetote oft unsichtbar bleiben

Ein Hitzschlag kann unmittelbar tödlich enden. Häufiger ist jedoch ein anderer Verlauf: Ein geschwächter Kreislauf bricht zusammen, eine Herzkrankheit verschärft sich, die Nieren versagen oder eine bestehende Atemwegserkrankung gerät außer Kontrolle. Auf dem Totenschein steht dann die medizinische Grunderkrankung. Ohne statistische Auswertung bliebe der Anteil der Hitze weitgehend verborgen.

Der RKI-Bericht weist zugleich darauf hin, dass die beobachtete Übersterblichkeit zeitweise sogar höher lag, als das reine Hitzemodell erklären konnte. Für den betrachteten Zeitraum wurde eine Übersterblichkeit von rund 16.000 Fällen geschätzt. Das bedeutet nicht, dass alle diese Todesfälle durch Hitze verursacht wurden. Es zeigt aber, wie außergewöhnlich die Sterblichkeit während der Hitzeperioden war.

Die Warnung gilt nicht erst bei 40 Grad

Für den Anstieg der Sterblichkeit ist nicht allein der Höchstwert am Nachmittag maßgeblich. Belastend sind auch schwüle Luft und Nächte, in denen die Temperatur kaum sinkt. Das RKI beobachtet einen deutlichen Effekt, sobald die bundesweite Wochenmitteltemperatur – also der Durchschnitt aus Tag und Nacht – ungefähr 20 Grad überschreitet. In Kalenderwoche 29 lag sie bei 20,9 Grad.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht Hitzewarnungen auf Landkreisebene. Sie richten sich besonders an Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Menschen, die ältere oder kranke Angehörige betreuen. Wer gefährdet ist, sollte tagsüber direkte Sonne meiden, ausreichend trinken, Medikamente nicht eigenmächtig verändern und Wohnräume möglichst früh am Morgen oder nachts lüften. Weitere Hinweise bündelt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.

Die fast 10.000 Todesfälle sind eine Zwischenbilanz. Der August hat gerade erst begonnen, neue Warnungen liegen bereits vor. Damit wird aus der scheinbar vertrauten Sommerhitze ein Gesundheitsrisiko, das Deutschland nicht mehr als Ausnahme behandeln kann.