Der Rhein schrumpft dramatisch: In Kaub droht ein neuer historischer Tiefstand

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Der Pegel bei Kaub nähert sich dem Rekord aus dem Dürrejahr 2018. Frachtschiffe können längst nicht mehr voll laden, Unternehmen spüren die Folgen. Was am Ufer nach einem ungewöhnlichen Sommerbild aussieht, wird für die Wirtschaft zunehmend teuer.

Am Mittelrhein braucht es derzeit keinen Zollstock, um zu erkennen, dass Wasser fehlt. Sandbänke treten hervor, Ufer werden breiter, Anlegestellen liegen plötzlich weit über der Wasserlinie. Besonders kritisch ist die Lage bei Kaub – jenem Pegel, der für die Binnenschifffahrt auf dem Rhein eine zentrale Rolle spielt.

Ende Juli lag der Wasserstand dort nur noch knapp über dem historischen Tiefstand von 2018. Nach Prognosen könnte die damalige Marke von 25 Zentimetern erreicht oder sogar leicht unterschritten werden. Ein Pegelwert von 25 Zentimetern bedeutet zwar nicht, dass der Rhein nur 25 Zentimeter tief ist. Für Schiffe ist die Zahl trotzdem entscheidend, weil sie bestimmt, wie viel Tiefgang und damit wie viel Ladung möglich ist. Über die aktuelle Lage am Pegel Kaub und die Nähe zum Rekordtief berichtet die Tagesschau.

Für die Schifffahrt zählt deshalb nicht, ob der Rhein noch befahrbar ist, sondern wie viel Ladung überhaupt noch mitgenommen werden kann. Genau an diesem Punkt wird Niedrigwasser teuer.

Ein Schiff fährt – aber nimmt viel weniger mit

Der Effekt des Niedrigwassers ist simpel und teuer. Je weniger Wasser unter dem Kiel steht, desto weniger Fracht kann ein Schiff laden. Schon Mitte Juli berichtete die ARD, dass manche Frachter nur noch mit ungefähr einem Drittel ihrer üblichen Last unterwegs seien.

Für Stahlwerke, Chemieunternehmen, Mineralölwirtschaft oder Baustoffhandel ist das kein Randthema. Große Mengen werden über den Rhein transportiert, weil Binnenschiffe dafür besonders geeignet sind. Muss dieselbe Tonnage auf mehr Fahrten verteilt werden, steigen die Kosten. Fehlen Schiffe oder werden Transporte zu teuer, können Lieferketten ins Stocken geraten.

Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Unternehmen mussten ihre Logistik anpassen, einzelne Betriebe meldeten Einschränkungen. In Luxemburg kam es zuletzt sogar zu Engpässen bei Kraftstofflieferungen, weil Tankschiffe wegen niedriger Pegel nur eingeschränkt beladen werden konnten.

Das Problem beginnt ungewöhnlich früh

Niedrigwasser gehört zum Sommer. Bemerkenswert ist diesmal vor allem der Zeitpunkt. Hafenvertreter und Schifffahrtsunternehmen weisen darauf hin, dass besonders kritische Pegel häufig erst im August oder September auftreten. In diesem Jahr waren die Schwierigkeiten schon Wochen früher deutlich.

Kommt in den nächsten Wochen zu wenig Regen, zieht sich die Niedrigwasserphase weiter hin. Hohe Temperaturen verschärfen die Lage zusätzlich. Kraftwerke, Industrie und Natur konkurrieren zwar nicht unmittelbar um dasselbe Wasser, spüren die knappen Mengen aber auf unterschiedliche Weise.

Auch Wasserkraftwerke können weniger leisten, wenn die Durchflussmengen sinken. In Flüssen steigt zudem bei Hitze die Wassertemperatur, während der Sauerstoffgehalt abnimmt – ein Problem für Fische und andere Wasserorganismen.

2018 hat gezeigt, wie teuer ein niedriger Rhein werden kann

Das Dürrejahr 2018 gilt in der deutschen Wirtschaft bis heute als Warnung. Damals beeinträchtigte das Niedrigwasser Produktion und Transporte über Monate. Unternehmen mussten auf Schiene und Straße ausweichen, Rohstoffe wurden knapp, Frachtraten stiegen.

Diesmal ist noch nicht klar, ob sich die Lage ähnlich zuspitzt. Entscheidend sind die Niederschläge der kommenden Wochen und die Entwicklung im gesamten Einzugsgebiet des Rheins. Der Pegel Kaub wird deshalb nicht nur von Schiffern beobachtet.

Was dort in Zentimetern gemessen wird, kann am Ende Millionen kosten. Der Rhein ist Deutschlands wichtigste Wasserstraße. Wenn er schrumpft, schrumpft auch der Spielraum vieler Unternehmen.