Edeka will rund 200 Tegut-Märkte übernehmen. Doch das Bundeskartellamt sieht in zahlreichen Regionen Wettbewerbsprobleme. Der Deal könnte kleiner ausfallen als geplant – mit Folgen für Beschäftigte und Kunden vor allem in Hessen und Bayern.
Der große Verkauf gerät ins Stocken
Im März schien die Richtung klar: Die Schweizer Migros-Gruppe trennt sich von Tegut, Edeka übernimmt rund 200 Märkte, Logistik und weitere Betriebsteile. Nun hat das Bundeskartellamt die Euphorie gebremst. Der Suchbegriff „Tegut Übernahme Edeka“ stieg am Montag bei Google Trends stark an.
Die Behörde übermittelte den Beteiligten Ende Juli ihre vorläufige wettbewerbliche Bewertung. In 37 regionalen Markträumen sieht sie Probleme. Die offizielle Pressemitteilung des Bundeskartellamts macht deutlich, dass der Zusammenschluss in der geplanten Form nicht einfach durchgewinkt wird.
Edeka hat angeboten, auf einzelne Standorte zu verzichten. Die Prüfung läuft weiter, die Frist wurde bis zum 23. September verlängert. Eine endgültige Untersagung des gesamten Pakets ist damit noch nicht beschlossen.
Warum das Kartellamt so genau hinschaut
Der deutsche Lebensmittelhandel ist bereits stark konzentriert. Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe und Aldi kontrollieren einen großen Teil des Marktes. Übernimmt einer dieser Konzerne zusätzliche Filialen, kann sich in einzelnen Städten und Regionen die Auswahl für Verbraucher deutlich verringern.
Das Kartellamt prüft deshalb nicht nur bundesweite Marktanteile. Entscheidend ist, welche Supermärkte Kunden vor Ort tatsächlich erreichen können. In einem ländlichen Gebiet kann ein einziger Tegut-Markt für den Wettbewerb wichtiger sein als mehrere Filialen in einer Großstadt.
Die meisten problematischen Standorte liegen Berichten zufolge in Hessen und Bayern. Dort ist Tegut traditionell besonders stark vertreten. Edeka müsste möglicherweise weitere Märkte aus dem Paket herauslösen oder an andere Betreiber abgeben.
Was aus Tegut und den Arbeitsplätzen wird
Migros hatte angekündigt, die Marke Tegut aufzugeben. ZDFheute berichtete im März über die geplante Übernahme von rund 200 Filialen. Andere Standorte gehen an Rewe, Tante Enso oder weitere Interessenten. Das Bundeskartellamt gab den Erwerb von 36 Märkten durch Tante Enso bereits frei.
Für Beschäftigte ist die offene Lage belastend. Sollten bestimmte Filialen keinen Käufer finden, könnten Schließungen drohen. Berichte sprechen bei den besonders umstrittenen Märkten von rund 1.100 betroffenen Arbeitsplätzen. Diese Zahl ist keine bereits beschlossene Kündigungswelle, sondern beschreibt das Risiko, falls keine tragfähige Lösung gefunden wird.
Für Kunden dürfte Tegut nicht an einem einzigen Tag verschwinden. Der Verkauf wird in Paketen abgewickelt, einzelne Märkte können unter neuen Namen weiterlaufen. Die Frage lautet nun, wie viele davon Edeka tatsächlich bekommt – und ob die Behörden genug Konkurrenz erhalten sehen. Aus einem scheinbar abgeschlossenen Supermarktdeal ist damit ein kompliziertes Puzzle geworden.
