Mehr Solar und Wind: Was die Stromstatistik über Versorgungssicherheit offenlässt

Panel, Solar, Energie., Quelle: StockSnap, Pixabay Lizenz, Kostenlose Nutzung unter der Inhaltslizenz Kein Bildnachweis nötig

Ende 2025 waren in Deutschland knapp 210 Gigawatt erneuerbare Erzeugungsleistung installiert. Der Ausbau ist messbar, doch installierte Leistung und jederzeit verfügbarer Strom sind nicht dieselbe Größe.

210 Gigawatt ist eine beeindruckende Zahl, solange klar ist, was sie bedeutet. Die installierte Leistung erneuerbarer Stromerzeugungsanlagen stieg in Deutschland 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur um knapp 21 Gigawatt auf insgesamt knapp 210 Gigawatt. Die Behörde veröffentlichte die Bilanz im Januar 2026; am 14. September stellte sie eine aktualisierte Statistik für August 2026 bereit. Die Zahlen dokumentieren einen Ausbau der Anlagen, nicht ihren jederzeitigen tatsächlichen Stromertrag.

Eine Photovoltaikanlage liefert nachts keinen Strom, eine Windkraftanlage bei Flaute weniger als bei günstigen Windverhältnissen. Auch bei fossilen oder anderen regelbaren Kraftwerken ist installierte Leistung nicht identisch mit dauerhaftem Betrieb. Für ein Stromsystem zählt das Zusammenspiel aus Erzeugung, Speichern, Netzen, Verbrauch und Importmöglichkeiten. Wer ausschließlich die Gigawatt-Summe betrachtet, lässt die zeitliche Dimension außer Acht.

Installierte Leistung ist noch keine Jahresproduktion

Die Bundesnetzagentur bezifferte Anfang Januar die Ende 2025 installierte Leistung von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf knapp 210 Gigawatt. Der Nettozubau betrug annähernd 21 Gigawatt, was einem Anstieg der installierten Leistung um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. In dieser Statistik geht es um Anlagenkapazität. Ein Gigawatt ist eine Einheit für Leistung und sagt nicht, wie viele Gigawattstunden eine Anlage über ein ganzes Jahr tatsächlich erzeugt. Dafür sind Betriebsstunden und die jeweilige Auslastung wichtig. Wer aus der Kapazitätszahl direkt einen Anteil an der realen Stromerzeugung berechnet, überspringt diesen Schritt.

Solarenergie trug mit einem Zubau von 16,4 Gigawatt wesentlich zum Ergebnis bei. Zum Jahresende erreichte sie insgesamt rund 117 Gigawatt. Der Zubau lag etwas unter dem Wert von 2024; die neue Kapazität verteilte sich nach der Bundesnetzagentur annähernd zur Hälfte auf Gebäudedächer und Freiflächen. Bayern verzeichnete mit 4,5 Gigawatt den höchsten Solarzubau unter den Bundesländern. Das sind Kapazitätsangaben und keine Angaben darüber, wo im jeweiligen Augenblick die meisten Kilowattstunden produziert wurden. Auch der Standort beeinflusst die Erzeugung durch Sonneneinstrahlung, Ausrichtung und die verfügbaren Netzanschlüsse.

Bei Windkraft an Land wurden 2025 rund 4,6 Gigawatt neu installiert, nach 2,6 Gigawatt im Vorjahr. Ende Dezember betrug die gesamte Leistung 68,1 Gigawatt. Auf See kamen dagegen nur 0,3 Gigawatt hinzu; dort lag die installierte Gesamtleistung bei 9,5 Gigawatt. Die Entwicklungen an Land und auf See dürfen deshalb nicht zu einer einzigen Behauptung über „die Windkraft“ verdichtet werden. Die Bundesnetzagentur verweist auch darauf, dass ihre zuerst veröffentlichten Jahreszahlen auf Registereinträgen beruhen und Dezemberwerte teilweise geschätzt waren. Spätere Aktualisierungen sind Teil der amtlichen Statistik.

Was die Ausbaubilanz zeigt

Die Bundesnetzagentur meldete für 2025 bei Solaranlagen einen Zubau von 16,4 Gigawatt. Ende des Jahres betrug die gesamte installierte Solarleistung rund 117 Gigawatt; die Windkraft an Land kam auf 68,1 Gigawatt. Die Zahl der gebauten Anlagen und ihr technisches Potenzial gehören somit zu den überprüfbaren Fortschrittsgrößen. Ob sie an einem winterlichen Abend ausreichend Strom bereitstellen, lässt sich damit allein nicht bestimmen.

Ebenso wichtig ist der räumliche Zusammenhang. Strom, der an einem Ort erzeugt wird, muss zum Verbrauchsort transportiert werden können. Fehlen Kapazitäten im Netz, verändern sich die Bedingungen für Einspeisung und Redispatch. Speicher können Unterschiede zwischen Erzeugung und Nachfrage teilweise ausgleichen, sind aber in ihrer Leistung und Energiekapazität begrenzt. Eine seriöse Diskussion über das Stromsystem trennt deshalb Erzeugungsleistung, produzierte Kilowattstunden und verlässlich verfügbare Leistung.

Der Ausbau hat verschiedene Engpässe

Die Bundesnetzagentur nannte für die Solarenergie ein Ausbauziel von 215 Gigawatt im Jahr 2030. Von der Ende 2025 erreichten Leistung ausgehend müssten demnach künftig durchschnittlich etwa 19,6 Gigawatt pro Jahr hinzukommen. Dieser Vergleich beschreibt den Ausbaupfad, nicht die sicher verfügbare Erzeugung zu jedem Zeitpunkt. Im Winter sind die Tage kürzer, nachts steht keine Solarleistung zur Verfügung. Speicher, flexible Verbraucher und andere Erzeugungsanlagen verändern, wie gut der zeitliche Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden kann. Aus der Zielzahl allein lässt sich kein Urteil über eine konkrete Versorgungsstunde gewinnen.

In der Bilanz tauchen auch rund 430.000 registrierte steckerfertige Solaranlagen auf. Ihr Anteil am gesamten Solarzubau entsprach nach der Behörde 0,5 Gigawatt beziehungsweise 3,2 Prozent der Solarleistung. Die Zahl der Geräte wirkt groß, ihre gemeinsame Leistung ist im Vergleich zu den großen Solarprojekten wesentlich geringer. Eine Debatte über Balkonkraftwerke anhand der Stückzahl und eine über Photovoltaik anhand der Gigawatt sind daher zwei unterschiedliche Perspektiven. Beide können relevant sein, müssen aber im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Die Statistik beruht auf dem Marktstammdatenregister. Netzgekoppelte Erzeugungsanlagen und Batteriespeicher sind dort zu registrieren. In die Nettozubauzahlen fließen neue Anlagen abzüglich stillgelegter Anlagen ein. Deshalb muss die Zunahme der installierten Gesamtleistung nicht exakt der Summe aller neu errichteten Anlagen entsprechen. Dieser methodische Hinweis ist gerade dann wichtig, wenn einzelne Projektankündigungen mit der Veränderung einer Bestandszahl verglichen werden. Eine Anlage, deren Bau erst geplant oder genehmigt wurde, gehört nicht automatisch zum bereits in Betrieb befindlichen Bestand.

Für Versorgungssicherheit ist die registrierte Kapazität ein wichtiger Ausgangspunkt, aber nur eine Größe neben Netzkapazität, Lastverlauf, Speichern und verfügbaren Kraftwerken. Die Bundesnetzagentur begann deshalb 2026 zusätzlich Ausschreibungen für längerfristig verfügbare Kapazitäten. Beide Meldungen beziehen sich auf dasselbe Stromsystem, messen aber verschiedene Eigenschaften. Die Ausbauquote der Erneuerbaren dokumentiert einen realen Anlagenzuwachs; die Ausschreibung reagiert auf Fragen gesicherter Leistung. Aus keiner der beiden Veröffentlichungen allein folgt die vollständige Antwort auf die künftige Stromversorgung. Die belastbare Betrachtung muss sie miteinander verbinden.

Ein für die Photovoltaik ausgewiesenes Gigawatt lässt sich nicht unmittelbar mit einem Gigawatt jederzeit verfügbarer Kraftwerksleistung gleichsetzen. Die Bundesnetzagentur dokumentiert installierte Kapazitäten und den jährlichen Zubau. Strom entsteht daraus abhängig von Sonneneinstrahlung und Windbedingungen; für die Versorgung zur passenden Stunde kommen Netze, Speicher, Nachfrage und andere Erzeuger hinzu. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, den realen Zuwachs erneuerbarer Anlagen wegen dieser Unterschiede für bedeutungslos zu erklären. Die Kennziffer ist für das Ausbautempo aussagekräftig. Zur Sicherheit des gesamten Systems braucht sie jedoch eine zweite Rechnung über den zeitlichen Verlauf von Erzeugung und Verbrauch. Eine fachliche Debatte sollte beide Ebenen getrennt benennen.

Politische Konflikte entstehen bei Ausbauflächen, Netzkosten, Strompreisen und der Finanzierung ergänzender Kapazitäten. Daraus folgt nicht, dass eine einzelne Statistik die gesamte Energiewende belegt oder widerlegt. Die Ausbauzahlen beantworten die Frage, welche Anlagen hinzugekommen sind. Versorgungssicherheit verlangt zusätzlich einen Blick auf Stunden, Orte und technische Reserven. Es handelt sich um verschiedene, miteinander verbundene Prüfgrößen.