Zwei Sieger wollen noch einmal gewinnen – Booker-Liste elektrisiert die Literaturwelt

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Marlon James und Douglas Stuart stehen erneut auf der Longlist des Booker Prize. Daneben drängen Debütanten und eigenwillige Romane in ein Rennen, das bewusst auf literarisches Risiko setzt.

Der Booker Prize hat seine Longlist für 2026 veröffentlicht, und schon die ersten Namen versprechen ein ungewöhnliches Rennen. Mit Marlon James und Douglas Stuart sind zwei frühere Gewinner erneut nominiert. Elizabeth Strout steht zum dritten Mal auf der Liste. Gleichzeitig treten zehn Autoren erstmals auf einer Booker-Longlist an, darunter drei Debütanten. Die offizielle Seite des Booker Prize stellt die 13 Titel vor; der Guardian analysiert die auffallend experimentelle Auswahl.

Literaturpreise leben von einer Mischung aus Erwartung und Überraschung. Bekannte Namen geben dem Wettbewerb Gewicht, neue Stimmen sorgen für Bewegung. 2026 ist dieses Verhältnis besonders deutlich. Marlon James gewann 2015 mit „A Brief History of Seven Killings“, Douglas Stuart 2020 mit „Shuggie Bain“. Beide könnten zu dem kleinen Kreis von Autoren aufschließen, die den Booker zweimal erhielten.

Mary Beard sucht das Risiko

Den Vorsitz der Jury hat die Althistorikerin und Publizistin Mary Beard. Mit ihr entscheiden der Musiker und Autor Jarvis Cocker, der Dichter Raymond Antrobus, die Kritikerin Rebecca Liu und die Schriftstellerin Patricia Lockwood. Schon diese Zusammensetzung deutet an, dass der Roman nicht nach akademisch engen Kriterien beurteilt werden soll. Die Jury las 163 eingereichte Bücher und wählte 13 Titel aus. Beard sprach von Werken, die Leser an neue Orte führten und bekannte Orte aus einem anderen Winkel zeigten.

Die Liste belohnt nach Einschätzung mehrerer Kritiker formale Kühnheit. Neben realistischen Familiengeschichten stehen spekulative, groteske und postapokalyptische Texte. M John Harrison, der älteste erstmals nominierte Autor, ist ebenso vertreten wie der 28-jährige Djamel White. Die Auswahl umfasst Schriftsteller aus sieben Nationalitäten und drei Kontinenten. Sie zeigt damit keine vollständige Weltkarte, aber ein deutliches Interesse an unterschiedlichen literarischen Traditionen.

Die Rückkehr der großen Namen

Marlon James tritt mit „The Disappearers“ an, einem Roman über Homosexualität, Gewalt und Erinnerung im Jamaika der 1980er-Jahre. Douglas Stuarts „John of John“ führt in die schottischen Hebriden und verbindet Fragen des Glaubens mit verborgenen Identitäten. Elizabeth Strout ist mit „The Things We Never Say“ nominiert. Ihre Prosa lebt weniger von formaler Lautstärke als von der genauen Beobachtung kleiner Verschiebungen in Familien und Gemeinschaften.

Dass frühere Gewinner zurückkehren, erhöht den Druck auf die Neulinge. Zugleich kann der berühmte Name zum Nachteil werden. Jurys neigen nicht automatisch zur Wiederholung. Ein zweiter Sieg muss den Eindruck vermeiden, bloß eine etablierte Karriere zu bestätigen. Die Debütanten können dagegen unbelastet überraschen. Genau diese Spannung macht Longlists interessanter als spätere, stärker verdichtete Shortlists.

Was ein Preis mit Büchern macht

Der Booker Prize ist mit 50.000 Pfund dotiert. Wichtiger als das Preisgeld ist häufig die Wirkung auf den Markt. Schon eine Longlist-Nominierung kann Übersetzungen, Neuauflagen und internationale Aufmerksamkeit auslösen. Der Sieger wird nicht nur ausgezeichnet, sondern in einen globalen Kanon des gegenwärtigen englischsprachigen Romans aufgenommen. Das ist eine enorme Macht, die jede Jury verantworten muss.

Die sechs Titel der Shortlist werden am 22. September bekanntgegeben, der Sieger am 9. November. Bis dahin wird über Favoriten, Übersehene und Überraschungen gestritten. Der Booker Prize 2026 hat dafür eine gute Ausgangslage geschaffen. Er setzt nicht auf eine einzige literarische Mode. Er lässt den bekannten Meister neben dem Debütanten antreten und vertraut darauf, dass das eigentliche Argument noch immer zwischen zwei Buchdeckeln liegt.