Russland will Treffen von Putin und Xi mit Trump

Juri Uschakow, der Berater des russischen Präsidenten Putin (Foto: TASS)

Ein trilaterales Treffen von Putin und Xi mit US-Präsident Trump wird in Russland vorbereitet. Dies entspricht einem Konzept des Politologen Karaganow. Es sollte eine neue Weltordnung vereinbart werden. Doch ist in Moskau ein Kampf um die ideologische Führung erkennbar. Europa wird Stärke beweisen müssen. Von Johannes Schütz

Der chinesische Präsident Xi Jinping besucht US-Präsident Trump am 23. September für drei Tage in Washington. Doch die Bedeutung dieses Meetings muss als gering eingestuft werden. Tatsächlich bereitet die russische Führung bereits ein trilaterales Treffen vor. Putin, Xi und Trump sollen die neue Weltordnung beim Asia-Pacific Economic Cooperation Summit (APEC) im chinesischen Shenzhen am 17. und  18. November verhandeln.

Die Hoffnung auf ein solches Treffen vermittelte bereits mehrfach Juri Uschakow, der Berater des russischen Präsidenten Putin. Nach dem bilateralen Gespräch von Putin mit Xi bei der Konferenz der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) am 1. September in Bischkek betonte Uschakow den Stellenwert eines trilateralen Treffens von Putin und Xi mit Trump. Einen diesbezüglichen Einblick vermittelte das Interview mit Pawel Zarubin, er gilt auch als der bevorzugte Reporter des Präsidenten Putin, für den russischen Fernsehsender Vesti:
https://t.me/vestiru/227934#

Uschakow bemerkte, dass Gastgeber Xi bei der APEC-Konferenz in Shenzhen selbstverständlich anwesend sein wird, Putin möchte kommen und Trump wird ebenfalls erwartet, somit kann dort ein trilaterales Treffen organisiert werden. Zwar gibt es von Trump bis jetzt keine offizielle Zusage, beim APEC-Meeting in Shenzhen teilzunehmen, doch konnte die russische Führung davon ausgehen, dass der US-Präsident die hoch bewertete Konferenz, an der alle Staatsführer der Region teilnehmen sollen, nicht ignorieren kann.

Uschakow forciert trilaterales Treffen mit Trump

Umgehend brachte Iswestija die Meldung vom Plan für ein trilaterales Treffen:
„Uschakow berichtete über Gespräche zwischen Putin und Xi für ein Gipfeltreffen mit Trump“.
(„Ушаков сообщил об обсуждении Путиным и Си Цзиньпином саммита с Трампом“ [], Известия, 2. 9. 2026, https://iz.ru/2159238/2026-09-01/ushakov-soobshchil-ob-obsuzhdenii-putinym-i-si-tczinpinom-sammita-s-trampom)

Über die weiteren Ergebnisse des Gesprächs von Putin mit Xi in Bischkek zeigten die russischen Medien hingegen sich zurückhaltend. Zwar nahm am Treffen mit Xi eine russische Delegation mit Außenminister Sergej Lawrow, Berater Juri Uschakow, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexei Owertschuk,  dem Leiter des russischen Direct Investment Fund Kirill Dmitrijew, dem Minister für wirtschaftliche Entwicklung Maxim Reschetnikow, Energieminister Sergei Ziwiljow, Rosatom Generaldirektor Alexei Lichatschow und Pressesprecher Dmitri Peskow teil, doch sollte in der öffentlichen Stellungnahme offensichtlich die Bedeutung eines trilateralen Dialogs mit den USA forciert werden.

Das Nachrichtenportal rbc.ru, spezialisiert für Wirtschaftsnachrichten und einst unabhängig auftretend, brachte ebenfalls  Berichte über das mögliche Treffen mit Trump bei der APEC-Konferenz, mit erkennbarer Sympathie für diese Initiative. In einem Beitrag wurde betont, dass auch der stellvertretende Außenminister Sergei Rjabkow, er war früher auch Botschaftsrat und Gesandter in Washington und bis 2008 Direktor der Abteilung für europäische Zusammenarbeit, ein solches Treffen schätzen würde.
(Елена Чернышова, „В МИДе назвали основной вопрос для организации встречи России, КНР и США“ [Das Außenministerium nannte das Hauptthema für die Organisation eines Treffens zwischen Russland, China und den USA], РБК, 6 сентября 2026, www.rbc.ru/politics/06/09/2026/6a9d27c09c6d7f3388e171ba)

Trump signalisiert Zurückhaltung

Trump dürfte allerdings signalisieren, dass er eine Zusammenkunft mit Putin erst nach einem Friedensvertrag mit der Ukraine planen kann. Am 11. September machte die russische Nachrichtenagentur TASS das mögliche trilaterale Treffen nochmals zum Thema. Zuerst relativierte Pressesprecher Peskow die Möglichkeit des Treffens der drei Präsidenten:

„Man kann es hypothetisch nicht ausschließen, aber die Zeit wird kommen, und wenn sich die drei tatsächlich am selben Ort befinden sollten, werden über diplomatische Kanäle entsprechende Initiativen ergriffen werden. Derzeit gibt es keine derartigen Pläne.“
(„Песков: встреча Путина, Трампа и Си Цзиньпина на АТЭС не запланирована: При этом пресс-секретарь президента РФ считает ее гипотетически возможной“ [Peskow: Ein Treffen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping auf dem APEC-Gipfel ist nicht geplant. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten hält es jedoch für hypothetisch möglich], ТАСС, 11 сентября, 07:28, https://tass.ru/politika/28101607)

Es könnte Irritation bei Pressesprecher Peskow spürbar geworden sein. Eine Zusammenkunft von Trump mit Putin dürfte schwieriger sein als der Kreml annahm. Trump wollte noch keine Zusage geben, beim Treffen der APEC in Shenzhen teilzunehmen.  Uschakow, der ein solches Treffen wohl wünscht, dabei bereits sichtlich erschöpft, meldete noch am selben Tag sich diesbezüglich zu Wort:
Es ist zu einer Million Prozent sicher, dass ein Staatschef dort [bei APEC in Shenzhen] anwesend sein wird, der chinesische Staatschef„. Auch der russische Präsident Putin versprach seine Teilnahme, laut Uschakow bereiten auch offizielle Stellen in den USA einen Besuch ihres Präsidenten vor.
(„Ушаков допустил встречу Путина, Трампа и Си Цзиньпина на саммите АТЭС“ [Uschakow sagt ein Treffen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping ist möglich beim APEC-Gipfel], ТАСС, 11 сентября, 16:39, https://tass.ru/politika/28103941)

Enorme Aufregung somit im Kreml über die Möglichkeit, ein Treffen von Putin mit Xi und Trump einzuleiten. Berater Uschakow und der stellvertretende Außenminister Rjabkow wirken dabei wie Friedenstauben. Dabei ist es wohl nicht einfach, diese Position im Kreml zu vertreten,  gibt es doch auch die Falken in der Tradition der Karaganow-Doktrin, wie etwa die Statements von Dmitri Medwedew vorführen, der einen harten Kurs fahren will.  Deshalb zeigt US-Präsident Trump berechtigterweise sich noch betont vorsichtig.

Karaganow wollte trilaterales Treffen für die Neue Weltordnung

Die Idee eines trilateralen Treffens entspricht durchaus noch dem Konzept von Sergej Karaganow, des führenden Politologen in Moskau, wenn auch dieser eher die Vorstellung eines Triumvirats von Putin, Xi und Trump imaginierte. Die zentrale Idee von Karaganow ist ein „Greater Eurasia“, dominiert von Russland und China, die damit die Herrschaft über  den Kontinent bis Nordwest-Europa übernehmen sollen.

Karaganow schrieb dazu bereits 2018 in seinem Beitrag „The New Cold War“:

In the global geopolitical context, Greater Eurasia will most likely exist along with another center which can be tentatively called Greater America as the main pillars of the future world.
(Karaganow, Sergej, „The new Cold War and the emerging Greater Eurasia“, Journal of Eurasian Studies, Jg. 9, H. 2, Juli 2018, S. 85 – 93)

Das trilaterale Treffen von Putin und Xi mit Trump soll, in dieser Auffassung, eine Aufteilung der Welt vereinbaren, die Karaganow als eine „neue Weltordnung“ betrachtet. Somit könnte ein Treffen in Shenzhen zu einem neuen Jalta werden, dort wurden im Februar 1945 die Machtzonen in Europa zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den USA festgelegt, die Karaganow nochmals neu für Russland bestimmen will. Dabei erkannte Karaganow die Konferenz von APEC schon als geeigneten Raum  für solch trilaterale Zusammenkünfte:

„Greater Eurasia (…) should engage with APEC and similar forums, Atlantic structures, and the trilateral dialogue which we advise Russia, China, and the U.S. to conduct in order to discuss global issues and international strategic stability“.
(Sergej Karaganow, „The New Cold War“, ebd.)

In der Ideologie von Karaganow wird dabei Europa weitgehend ausgelöscht.  Europa soll kein Zentrum der Macht sein, wie Greater Eurasia und Greater America. Karaganow ist eher bereit, die Türkei als ein „regionales Zentrum der Macht“ anzuerkennen, wie er es formulierte. In Schriften von Karaganow werden extreme Ressentiments gegen die Europäische Union offen ausgesprochen, ja es ist sogar unreflektierter und stark emotionalisierter Hass erkennbar:

„there will hardly be an independent European center. Europe is likely to be part of the other two centers in various configurations“.
(Sergej Karaganow, „The New Cold War“, ebd.)

Europa muss Stärke beweisen

Das ist eine Warnung für die Europäische Union, die im Konzept von Karaganow zerschlagen werden soll und nicht mehr existent sein kann. Doch wird nicht hinreichend erklärt, weshalb eine geeinte Europäische Union nicht über die Kraft verfügt, mit China, Russland und den USA zu konkurrieren. Allenfalls genügen in der Europäischen Union die Rüstungsbudgets und das Arsenal an atomarer Abschreckung  nicht, um von Karaganow und seinen Proselyten ernst genommen zu werden.

Dazu kommt noch die russische Propaganda über die Schwäche der Europäischen Union, beispielsweise wenn erklärt wird, dass Deutschland bei der Umsetzung der Solarenergie  nicht über ausreichendes Potential verfüge. Oder Verspätungen im Zugverkehr als deutsches Desaster dargestellt werden, obwohl verständlicherweise aus Sicherheitsgründen, bei möglichen Sabotagen durch ausländische Agenten, Kontrollen und technische Überprüfungen erforderlich sind, die zu Verzögerungen führen.

Auch die USA können durch trilaterale Vereinbarungen mit Russland und China nicht sicher sich fühlen. Zwar wird in den Zeiten von Karaganow noch kein Angriff auf Australien, Alaska oder Kanada geplant sein, doch in fünfzig Jahren könnte bei weiterer Entwicklung auch ein solches Tabu beseitigt werden. Karaganow schwärmte bereits von der ruhmreichen russischen Flotte, die Manöver vor Hawaii durchführte, die Phantasien von einem „neuen Pearl Habor“ bewirkten.

Europa wird Stärke beweisen müssen. Eine Neuordnung der Welt darf ohne Beteiligung der Europäischen Union nicht hingenommen werden. Diese Forderung muss auch mit der Administration des US-Präsidenten deutlich abgestimmt werden. Ein quadrilaterales Treffen, also ein Vierer-Gipfel mit der Europäischen Union, darf künftig von Russland und China nicht mehr weggefegt werden.

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Über Johannes Schütz 134 Artikel
Johannes Schütz ist Medienwissenschafter und Publizist. Veröffentlichungen u. a. Tabula Rasa Magazin, The European, Huffington Post, FAZ, Der Standard (Album), Die Presse (Spectrum), Medienfachzeitschrift Extradienst. Projektleiter bei der Konzeption des Community TV Wien, das seit 2005 auf Sendung ist. Projektleiter für ein Twin-City-TV Wien-Bratislava in Kooperation mit dem Institut für Journalistik der Universität Bratislava. War Lehrbeauftragter an der Universitat Wien (Forschungsgebiete: Bibliographie, Recherchetechniken, Medienkompetenz, Community-TV). Schreibt jetzt insbesondere über die Verletzung von Grundrechten. Homepage: www.journalist.tel