Das Schwert des Erzengels

Ist die Lage der einzelnen Heiligtümer ein bloßer Zufall?

Eine unsichtbare Linie zieht sich durch sieben Heiligtümer von Irland im Nordwesten Europas bis nach Israel, ins Heilige Land. Sie bildet das legendere Schwert des Erzengels Michael. Mit diesem soll er der Überlieferung nach den Teufel mit einem Streich direkt in die Hölle befördert haben.

Ist die Lage der einzelnen Heiligtümer ein bloßer Zufall? Sie befinden sich in großer Entfernung voneinander, sind aber wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Oder folgen sie einer mysteriösen Energielinie, einer sogenannten Leyline? 

Ein Detail dieser mysteriösen Linie ist ebenfalls interessant. Die drei bedeutendsten Orte Mont Saint Michel in Frankreich, die Sacra de San Miguel im Val de Susa und das Heiligtum Monte Sant’Angelo in Gargano liegen in jeweils der gleichen Entfernung voneinander. Manche sagen, dies sei ein Hinweis des Erzengels. Von den Gläubigen und Gerechten wird erwartet, daß sie den geraden Pfad nehmen. Es verwundert in diesem Zusammenhang nicht mehr, daß die Heilige Linie perfekt auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende in der nördlichen Hemisphäre ausgerichtet ist.

A view from the South face from the open monastic huts of Skellig Michael looking across at the beehive stone huts of The monastic Island, Skellig Michael founded in the 7th century, for 600 years the island was a centre of monastic life for Irish Christian monks. The Celtic monastery, which is situated almost at the summit of the 230-metre-high rock became a UNESCO World Heritage Site in 1996. It is one of Europe’s better known but least accessible monasteries.Photo:Valerie O’Sullivan

Skellig Michael

Vor der Küste Kerrys erhebt sich der Skellig Michael wie eine Pyramide aus den tosenden Wellen des Atlantiks. Mehr als 700 Jahre ist es her, dass Menschen auf diesem pyramidenförmigen Felsen lebten, der jeglichen Witterungen ausgesetzt zu sein scheint. 

Der Skellig Michael ist eine von zwei nebeneinander liegenden Inseln, den sogenannten Skellig Rocks oder auch Great Skelligs. Die Kleinere der beiden, Little Skellig, ist das Zuhause Tausender Vögel, die in den Felsspalten nisten. Die Insel ist ein Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. 

Während Little Skellig nur von Weitem bestaunt werden kann, darf der Skellig Michael zu Fuß erkundet werden. Boote bringen seetaugliche Reisende regelmäßig von der Iveragh Halbinsel etwa 12 Kilometer vor die Küste, wo sich die imposanten Skelligs aus den Wellen erheben. Das Meer vor dem Ring oft Kerry ist rau. Nichtsdestotrotz lohnt sich der Besuch des Skellig Michaels allemal, denn es handelt sich hierbei um eine der bedeutsamsten Inseln Irlands.

Nicht nur die zerklüftete Insel selbst, die an eine aus dem Atlantik emporsteigende Pyramide erinnert, ist ein atemberaubender Anblick. Das Highlight des Skellig Michael ist ein Kloster, das bis auf die Spitze des Felsens hinaufführt. Bis zum 13. Jahrhundert lebte eine kleine Gruppe asketischer Mönche auf diesem von Wind und Gezeiten geprägten Stück Land. Ruinen und Bienenkorbhütten lassen darauf schließen, dass ihre erste Besiedlung zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert stattgefunden haben muss. Über Hunderte Jahre hinweg lebten die Mönche hier fernab jeglicher Zivilisation, um zu sich selbst und zu Gott zu finden. Dabei mussten sie tagtäglich 618 Stufen erklimmen, um zum Meer hinunterzugelangen – und dieselbe Anzahl an Stufen wieder hinauf.

Forscher vermuten, dass das anhaltend schlechte Wetter die Mönchsgruppe im 13. Jahrhundert dazu veranlasste, den Skellig Michael zu verlassen und sich auf dem Festland niederzulassen. Ihr früheres Zuhause blieb allerdings ein spiritueller Wallfahrtsort, der bis heute Menschen aus aller Welt in seinen Bann zieht.

2017 flimmerte die berühmte Insel weltweit über die Kinoleinwände, denn die Insel diente den Machern von Stars Wars als Kulisse. Für das Finale der siebten Episode „Das Erwachen der Macht“ verbrachte die Filmcrew mit rund 100 Personen mehrere Tage vor der Küste Kerrys, um sich diese spektakuläre Kulisse zunutze zu machen. 

Nach der Premiere des damals neuen Star Wars Films pilgerten Tausende Fans nach Irland, um den geheimnisvollen Drehort aus nächster Nähe zu betrachten. In den Souvenirshops rund um Kerry finden sich noch immer allerlei witzige Fanartikel, die zum Schmunzeln veranlassen.

St. Michaels Mount

Wie eine Insel aus dem Feenreich ragt St. Michael’s Mount vor der Küste Cornwalls auf, nicht selten von Nebelschwaden verhangen, die vom Meer aufsteigen. Bei Ebbe glitzert der Strand zwischen der vorgelagerten Insel und dem Festland und wo es diesig wird, meint man, die Grenze zu einer anderen Welt zu überschreiten. Bei Flut scheint die Insel unerreichbar, obwohl sie nur wenige hundert Meter vor der Küste des kleinen Ortes Marazion liegt und man sie bequem über einen aufgeschütteten Damm erreichen kann, sobald sich das Wasser im Gezeitenrhythmus wieder zurückgezogen hat.

St. Michael’s Mount ist das Wahrzeichen von Cornwall – und doch irgendwie ein Geheimtipp. Allzu häufig wird es mit dem Mont Saint-Michel in Frankreich verwechselt, der allerdings viel bekannter ist. Nähert man sich der Insel an einem sonnigen, leicht diesigen Tag über den Strand, kann man zunächst einmal kaum erkennen, welchem Gebäude die Insel ihre charakteristische Form verdankt. Es ist kaum auszumachen, was Stein ist und was Gebäude und die gesamte Insel wirkt uralt, verwurzelt mit den Felsen und dem Meer.

So soll St. Michael’s Mount der Schauplatz einer großen Schlacht gewesen sein, die Artus gegen einen Riesen geschlagen haben soll.

Andere Legenden nennen St. Michael’s Mount als letzten Überrest des sagenhaften Landes Lyonesse, das sich von hier bis hin zu den Isles of Scilly erstreckt haben soll. Rings um den Berg soll es einen Wald gegeben haben, dessen Überreste in Ausgrabungen unter Wasser ausgemacht werden konnten. Daher leitet sich wohl auch der alte kornische Name für den St. Michael’s Mount ab, der so viel bedeutet, wie „alter Felsen im Wald“.

Wieder andere Legenden erzählen von Joseph von Arimathia, dem Onkel von Jesus, der hier gelandet sein soll, wenn er zum Zinnhandel nach Britannien kam. Hier soll er auch an Land gegangen sein, als er den Heiligen Gral mit sich brachte. Nun dürfte es eigentlich auch niemanden mehr wundern, dass es auch eine Geschichte darüber gibt, dass hier im Jahre 495 n.Chr. der Erzengel Michael den Fischern erschienen sein soll, was zum Bau der ersten Kirche auf der Insel und zur Gründung eines keltischen Klosters führte.

Mont Saint Michel

Der Mont Saint-Michel ist eine Insel im Wattenmeer vor der Normandie. Mit ihrer Größe von gerade mal 55000 m² und einem Umfang von 830 m kann man dieses Festland sehr wohl als „klein“ bezeichnen. Berühmt wurde Mont Saint-Michel durch das Benediktinerkloster, welches die komplette Insel dominiert. Weiter besteht noch eine kleine Ortschaft mit 46 Einwohnern auf der Insel – ein Ort, der im Mittelalter von Pilger und heute vom Tourismus bevölkert wird. Ein Grund dafür ist bestimmt auch der Zusammenhang mit dem berühmten Jakobsweg. 

Angeblich soll im Jahr 708 der Erzengel Michael dem damaligen Bischof Aubert von Avranches erschienen sein. Der Erzengel gab dem Bischof den Auftrag eine Kirche auf der kleinen Insel zu errichten. Da der Bischof, nach mehrmaligem Auffordern, diese Aufgabe nicht erledigte, brannte angeblich der Erzengel mit seinen Fingern 2 Löcher in den Schädel des Bischofs – dieser Schädel mit Loch wird heute noch in der Kirche St-Gervais in Avranches aufbewahrt. 

Im Jahr 708 oder 709 errichtete dann der Bischof Aubert von Avranches ein erstes Sanktuarium zu Ehren des Erzengels Michael. Um 965 begannen dann die Benediktiner mit dem Bau eines Klosters auf dem Eiland, welches aber erst 1520 endgültig fertiggestellt werden konnte.

So vereint diese einzigartige Klosteranlage verschiedene Baustile. Am eindrucksvollsten stechen aber die gotischen Bauelemente hervor. 

Einer weiteren Sage nach, der bekannten Artussage, soll auf dieser Insel einst ein Riese gelebt haben, den Artus im Kampf erschlug. 

Ebenso wird von einigen Leuten der Heilige Gral in den Gemäuern von Mont Saint-Michel vermutet – eine Vermutung, die sich bislang allerdings nicht bestätigte. 

Als interessantes Detail am Rande sei erwähnt, dass Regisseur Peter Jackson Mont Saint Michel als Vorbild für das Aussehen und die Konstruktion seiner Stadt Minas Tirith im Film „Herr der Ringe“ heranzog.

Sacra Di San Michele

Mehr als tausend Kilometer von Mont Saint Michel entfernt, gibt es Im Piemont einen Ort, den man so dort nicht erwartet. Ein magischer und surrealer Platz, mysteriös und märchenhaft, der ins Mittelalter entführt. 

Die Gesetze der Physik und der Gravitation scheinen außer Kraft gesetzt, die Abtei San Michele wurde am Eingang des Susatals im X. Jahrhundert errichtet, und zwar am Abgrund auf dem Gipfel des Bergs Pirchiriano. Der Eindruck, den dieses antike Kloster beim Besucher hinterlässt, ist wahrlich erstaunlich. Schon von weitem erscheint das Gebäude in all seiner alleinigen Ansehnlichkeit, voller Spiritualität und faszinierend für seine tausende alte Geschichte. Das Heiligtum ist dem Erzengel Michael gewidmet, Verteidiger des christlichen Volkes, und gehört zu einem über 2000 km langen Pilgerweg, der vom Mont Saint-Michel in Frankreich bis zum Monte Sant’Angelo in Apulien führt. Seine Schaffung geht auf eine Person zurück, die nach einer eher schwierigen Vergangenheit nach Italien kam, um Erlösung zu suchen. Es war der Graf Hugo von Montboissier, ein Adliger aus der Auvergne. Er kam nach Rom, um den Papst um Nachsicht zu bitten für seine Sünden. Als Buße bekam er die Wahl zwischen einem siebenjährigen Exil und der Errichtung einer Abtei. So begannen Ende 900 die Arbeiten für den Bau des Klosters, das dann fünf Benediktinermönchen anvertraut wurde und bald eine wichtige Station für Pilger wurde, vor allem aus höheren sozialen Klassen und somit fast ein internationales kulturelles Zentrum. 

Mit seinen mittelalterlichen Mauern diente es in unserer Zeit als Vorlage für den Roman „Der Name der Rose“. Heute führen die wenigen dort noch lebenden Mönche Touristen durch Abtei, Klosterbibliothek und Kreuzgang. Die Sacra di San Michele kann getrost als das Nationalheiligtum der Piemonteser bezeichnet werden. 

Diese Benediktinerabtei wurde 983 gegründet. Sie war wichtige Etappe für die Pilger, die auf der Via Francigena, dem Frankenweg, vom Nordwesten Europas über die Alpen gen Rom und weiter nach dem Heiligen Jerusalem zogen. Das 12. Jahrhundert war die Blütezeit dieses religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums, das Künstler, Wissenschaftler und Adelige aus allen Himmelsrichtungen anzog. Zunehmende Verweltlichung führte im 15. Jahrhundert zum Niedergang der Abtei, die letztlich säkularisiert und erst 1836 durch den regionalen Orden der Rosminiani-Brüder wiederbelebt wurde.

In den vergangenen Jahren sorgten noch vier Rosminiani-Mönche und viele örtliche Helfer aus dem Susa-Tal ab 1990 für umfangreiche Restaurierungen. Sie füllten die große Abtei mit neuem Leben. So gibt es zum Beispiel Mitternachtskonzerte in dem archaisch-kahlen Gotteshaus, zu dem man über die Scalone dei Morti hinaufklettert. Die Treppe der Toten, unheimlich-heimliche Begräbnisstätte der Äbte und gläubiger Adeliger, ist teils aus dem Granitfels herausgeschlagen, teils aus dem Stein erbaut. Überdacht wird sie durch den Fußboden der darüber liegenden Kirche, der von einem 18 Meter hohen Pfeiler gestützt wird. Die Scalone endet unter dem romanischen Portale dello Zodiaco, in dem ein Meister Nicoló die Tierkreiszeichen eingemeißelt hat.

Santuario Di San Michele Archangelo

Weitere tausend Kilometer in gerader Linie nach Südosten liegt das Santuario Di San Michele Archangelo in Puglia.

Das Santuario di San Michele Arcangelo entstand in der Höhle, in welcher der Erzengel Michael im Jahr 490 n. Chr. einem Hirten erschien. Ab 650 n. Chr. fiel das Gebiet unter die Herrschaft der Langobarden. Da sie den Glauben an den Erzengel Michael besonders pflegten, wurde das Heiligtum dessen wichtigste Kultstätte im Abendland. Diese besondere Verehrung verdankte sich den kriegerischen Tugenden, die dem Erzengel zugeschrieben wurden und die ihn mit dem germanischen Gott Odin verbanden.

Während der Langobardenherrschaft und auch noch nach ihrem Fall war das Heiligtum des Erzengels Michael eine wichtige Wallfahrtsstätte, die im Laufe der Jahrhunderte von Millionen von Pilgern, von Päpsten und Herrschern besucht wurde. Das Heiligtum umschließt Bauten aus verschiedenen Epochen, die um die Höhle herum errichtet wurden, in der sich die vier Erscheinungen des Erzengels ereigneten.

Das Kloster von Panormitis auf Symi

Das Kloster befindet sich im Südwesten der griechischen Insel Symi, der ansonsten weitgehend unbewohnt ist. Es ist vom Meer aus nicht zu sehen, weil es sich am inneren Rande einer ovalen Bucht befindet, die in nordwestlicher Richtung eine nur 150 m breite Öffnung zum offenen Meer hat. 

Die Geschichte des Klosters reicht weit zurück, möglicherweise bis ins 9. Jahrhundert. Eine Entstehungslegende beschreibt (wohl vor dem Hintergrund der als Byzantinischer Bilderstreit bekannt gewordenen Streitigkeiten), dass eine Symiotin in der Bucht des heutigen Klosters unter einem Mastixstrauch eine Ikone vom Erzengel Michael fand. Sie nahm die Ikone an sich, brachte sie heimlich nach Hause und stellte die Ikone zuhause auf. Am nächsten Morgen war das Bild jedoch verschwunden. Als die Frau später wieder in der Bucht war, fand sie unter exakt demselben Strauch die Ikone wieder, nahm sie abermals an sich und stellte sie wieder zuhause auf. Am Tag darauf, war das Bild jedoch wieder verschwunden. Sie ging zurück zur Bucht und sah unter dem Mastix nach, und wieder stieß sie dort auf die Ikone. Ein drittes Mal nahm sie diese mit in ihr Haus und stellte sie auf. Aber auch am Morgen danach befand sich die Ikone nicht mehr an ihrem Platz. Die Frau des Hauses sorge sich nun ob dieser wundersamen Geschehnisse sehr. Da erschien ihr im Traum der Heilige Erzengel Michael und teilte ihr mit, dass seine Ikone in dieser Bucht bleiben solle. Die Frau organisierte sich Hilfe und es wurde eine erste kleine Kapelle gebaut, dem Heiligen Erzengel Michael geweiht, die Ikone wurde dort platziert, und nun blieb sie auch dort.

Ihre Wundertätigkeit wurde entdeckt und bekannt. Aus dieser Kapelle entwickelte sich dann das mächtige Kloster Panormitis. Die Existenz des Klosters ist im 14. Jahrhundert belegt und in einer Handschrift von 1460 wurde das Kloster erstmals urkundlich erwähnt. Diese Handschrift ist aber seit 1862 verloren. 

Das Kloster wurde immer wieder durch Sarazenen und Piraten geplündert. 1775 traf der Mönch Neophytos in der Bucht von Panormitis ein und fand das Kloster weitgehend zerstört vor. Er setzte es sich zum Ziel das Kloster wieder aufzubauen und tatsächlich wurde das Kloster erneut errichtet, 1783 die Kirche fertig gestellt, und die Anlage erhielt langsam ihre heutige Gestalt. Die geschnitzte Ikonostase wurde 1787 fertig, Fresken im Inneren der Kirche sind von 1792. 

Der Glockenturm wurde 1911 fertig. Ab 1922 beherbergte das Kloster das Gymnasium von Symi, später wurde es auch zum Altersheim umfunktioniert. Heute ist das Kloster ein regionales religiöses und kulturelles Zentrum, weit über die Region hinaus bekannt.

Das Kloster von Berg Carmel

Wichtige Ereignisse der alttestamentlichen Geschichte sind mit dem Berg Karmel verbunden. Hier stand der Prophet Gottes, Elia, vor ganz Israel und König Ahab, als er die kanaanäischen Propheten zu einem Wettstreit herausforderte und durch vom Himmel gesandtes Feuer bewies, dass „der Herr Gott ist“ (1. Könige 18,39). Hier forderte er die falsche Religion heraus und verwirrte die Baalspriester, indem er den Glauben an den Gott Israels aufrechterhielt. Es ist kein Zufall, dass der Name Elia bedeutet: „Mein Gott ist meine Festung“.

Die Geschichte seines Lebens ist im 3. und 4. Buch der Königreiche des Alten Testaments dargelegt. Aber wir wissen fast nichts über seine Eltern und seine Aktivitäten vor seiner Berufung. Der heilige Epiphanius von Zypern berichtet unter Bezugnahme auf die Kirchentradition, dass Elijahs Vater „sah, wie die Engel Gottes das Baby mit Feuer wickelten und Flammen in seinen Mund steckten“. Die Heilige Schrift nennt den Propheten Elia „einen Thesbit von den Bewohnern Gileads“ (1. Könige 17,1). Er stammte offenbar aus dem Dorf Fesvi (ein anderer Name ist Tishbe). Die genaue Lage dieses Dorfes ist noch unbekannt.

Der Prophet Gottes, Elia, wurde in seinen Dienst berufen, als das Volk Israel von den „Zauberern der Isebel“ (2. Könige 9,22) verdorben wurde. Die Tochter des Herrschers von Sidon war mit König Ahab verheiratet. Isebel verehrte die Götter der Naturelemente und der Fruchtbarkeit, Baal und Astarte. Sie überredete Ahab, seine Religion anzunehmen und befahl die Vernichtung der Propheten Gottes, indem sie sie durch die Propheten Baals ersetzte. Der Prophet Elia auf dem Berg Karmel bewies, dass Jehova der wahre Gott ist, indem er Feuer vom Himmel herabbrachte, das den Altar und das Opferkalb verbrannte, das er aus Steinen gebaut hatte. Der Legende nach geschah dies auf dem höchsten Punkt des Berges Karmel, Mukhrara genannt, was auf Arabisch „Verbrennen“ bedeutet. Die Tradition des Propheten Elia wird auch unter Muslimen bewahrt, die ihn im Koran preisen. Der Berg Karmel selbst wird von den Arabern gewöhnlich Mar Elias genannt, das heißt Sankt Elia.

Nach einer anderen Tradition heißt der Berg Keren Carmel, und sein Name wird mit „Gottes Weinberg“ und „Garten“ identifiziert. Viele Eichen und Kiefern wachsen auf seinen Wipfeln, und Oliven und Lorbeer wachsen in der Nähe der Sohlen. Mehrere Bäche fließen aus dem Berg, der größte von ihnen fließt aus der sogenannten Elia-Quelle. 

Über der Höhle des Propheten Elia bauten die Karmeliter einen Tempel in Form eines Kreuzes. Der Altar des Tempels besteht aus 12 Steinen, als würde er den Altar nachbilden, der aus 12 Steinen – entsprechend der Zahl der Stämme Israels – vom Propheten Elia auf den Berg Karmel gelegt wurde. Im Innenhof des Klosters kann man auch eine aus Stein gemeißelte Statue des Propheten sehen, der seine Hand mit einem Schwert über den Priester Baal erhebt. 

1868 errichteten die Karmelitermönche an der Stelle der „Schande der falschen Propheten“ ein kleines Heiligtum.

Zwar bezieht sich dieser Ort nicht explizit auf den Erzengel Michael, dafür aber eindeutig auf alttestamentarisches Geschehen. 

In den 1947 entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer wird Michael als „Fürst des Lichts“ bezeichnet, der die Heerscharen Gottes gegen die Mächte des Bösen unter Belial führt. Auch trägt er dort den Titel „Vizekönig des Himmels“. Als erster Engel ist Michael der älteste und stärkste Engel im Himmel und zählt auch zu den mächtigsten Wesen im Universum. Castiel beschreibt ihn als einen der wenigen, die stärker sind als Luzifer. Castiel erwähnte auch, dass Michael viel mächtiger als Raphael ist. Er ist der einzige Erzengel, der in der Bibel Erwähnung findet. Er gilt als der wichtigste Engel; als der, der Gott am nächsten steht. Der Erzengel Michael verfügt sowohl über eine weiche, sorgsame Seite als auch über eine harte, kämpferische.

Der Überlieferung zufolge war er der Engel, der Daniel vor den Löwen in der Löwengrube beschützte. Und Michael soll es auch gewesen sein, der durch den brennenden Busch mit Moses sprach. Michael gilt als Schutzengel durch und durch: Er hilft Menschen, Gefahrensituationen unbeschadet zu überstehen, und auch nach dem Tod stellt er ihr Wohlergehen sicher, indem er ihre Seelen wohlbehütet ins Jenseits führt. Doch Michael steht auch für Gerechtigkeit und die Einhaltung von Gottes Gesetzen: So ist er derjenige, der Adam und Eva aus dem Garten Eden jagte, als diese vom Baum der Erkenntnis gegessen und damit gegen eine von Gottes Regeln verstoßen hatten. Und so ist Michael auch der Anführer der Heerscharen des Himmels. Er war derjenige, der Luzifer und sein Gefolge aus dem Himmel jagte, als diese sich gegen Gott aufbäumten. Außerdem ist Michael derjenige, der über das Schicksal der Seele eines Menschen nach seinem Tod entscheidet, indem er dessen Leben und Taten nach Gut und Böse beurteilt.

Kein anderer Engel wurde in der Geschichte der Menschheit so häufig dargestellt wie der Erzengel Michael. Eines seiner wichtigsten Symbole ist das Schwert, mit dem er den Drachen der Finsternis (Luzifer) besiegte. Die Waage ist das Zeichen dafür, dass Michael nach dem Tod eines Menschen mit der Seelenwaage alle seine guten und schlechten Taten abwiegt. Das mystische Rot steht für Wärme und Feuer, aber auch für Blut – denn nicht zuletzt ist Michael auch ein mutiger Kämpfer, der voller Inbrunst die göttlichen Belange verteidigt. Und mit der Posaune wird Michael dereinst die Toten aus den Gräbern erwecken.

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Verwendete Literatur

Vitue, Doreen, Erzengel Michael – Helfer, Heiler und Beschützer, Allegria Taschenbuch, 6. Auflage, 2010

Kirby, Michael, Skelligs Calling, Lilliput Pr. Ltd., 2021

Sagar-Fenton, Michael, About St. Michaels Mount, Bossiney Books, 1999

Chauveau, G.M., Mont Saint Michel Historical Guide, Editions Albert Morance

Gaddo, Giovanni, La Sacra di San Michele, Susalibri, 2010

Rignanese, Antonio, Guida del Santuario di S. Michele Arcangelo, Monte S.Angelo, 1957

Siebenhaar, Hans-Peter, Rhodos Reiseführer, Michael Müller Verlag, 2019

Payne, Steven, Carmelite Tradition (Spirituality in History), Liturgical Press, 2011

Über Thomas Ritter 106 Artikel
Thomas Ritter, 1968 in Freital geboren, ist Autor und freier Mitarbeiter verschiedener grenzwissenschaftlicher und historischer Magazine. Thomas Ritter hat zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. Außerdem veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren Reisen auf den Spuren unserer Vorfahren zu rätselhaften Orten sowie zu den Mysterien unserer Zeit. Mit seiner Firma „Thomas Ritter Reiseservice“ hat er sich auf Kleingruppenreisen in Asien, dem Orient, Europa und Mittelamerika spezialisiert. Mehr Informationen auf: https://www.thomas-ritter-reisen.de Nach einer Ausbildung zum Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital, der Erlangung der Hochschulreife und abgeleistetem Wehrdienst, studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der TU Dresden von 1991 bis 1998. Seit 1990 unternimmt Thomas Ritter Studienreisen auf den Spuren früher Kulturen durch Europa und Asien.