Ein Classics Konzert vom Feinsten im Münchner BMW-Park zum Auftakt der Staatsopern-Saison 26/27

Beim Duett aus Bizts „Carmen“ unter dem Dirigenten Francesco Ivan Ciampa (rechts): Sopranistin Nicole Car und Tenor Benjamin Bernheim. Text und Foto: Hans Gärtner
Beim Duett aus Bizts „Carmen“ unter dem Dirigenten Francesco Ivan Ciampa (rechts): Sopranistin Nicole Car und Tenor Benjamin Bernheim. Text und Foto: Hans Gärtner

Hat jemals in Münchens ehemaliger Rudi Sedlmayer-Halle eine Butterfly namens Cio-Cio-San ihr hartes Schicksal beklagt? Hat hier jemals ein Super-Tenor „E lucevan le stelle“ aus Puccinis „Tosca“ geschmettert? Trat hier je einmal die gute Hundertschaft des fulminanten Bayerischen Staatsorchesters auf, um zwei Stunden lang Opern-Highlights aus „Carmen“, „Eugen Onegin“, „Werther“ oder „La bohème“ zu begleiten? Nicht nur dies, sondern auch Orchester-Tableaus wie Wagners „Walkürenritt“ oder Verdis „Rigoletto“-Ouvertüre erklingen lassen? So stark, so hochkonzentriert und mitreißend befeuert von einer in München viel zu selten hervorgetretenen Dirigenten-Persönlichkeit wie der des bestens aufgelegten Italieners Francesco Ivan Ciampa?

Hochleistungs-Sport, ja, das war hier im Münchner Westen schon vor Jahrzehnten zu erleben – nun haben in der zum „BMW Park“ gewordenen Sporthalle die Sänger und Musiker die Sportler-Rollen übernommen. Mit dem BMW Classics Konzert am 16. September machte die Bayerische Staatsoper, vertreten von ihrem Intendanten Serge Dorny persönlich, ihr Versprechen, „Oper für alle“ kostenlos zu bieten, wahr. Und erntete Stürme der Begeisterung aus den Reihen derer, denen es nicht zu umständlich war, bei Gewitter in den Münchner Westen zu fahren – viele, fast zu viele per U-Bahn und 63-er Bus. 16.000 Menschen aller Alters- und Standes-Klassen waren hellauf begeistert. Teresa Vogl hätte als Abend-Führerin gar nicht so viel erzählen müssen. Alles Wichtige stand ja auf dem Gratis-Programmzettel.

Die BSO-Saison 2026/2027 wurde mit diesem Konzert grandios eröffnet. Was vor 30 Jahren – mit der ersten Live-Übertragung einer exquisiten „Carmen“ am Max-Joseph-Platz vor dem Münchner Nationaltheater begann, hat sich nun ein paar Kilometer in Richtung Sonnenuntergang verschoben – die Sonne brannte trotz Nässe aus den Wolken auf ein hoch zufriedenes, ja aufs Beste unterhaltenes Publikum herab. Dank der beiden Co-Partner Hypo-Vereinsbank-Member of UniCredit und BMW. Dass das Bayerische Staatsballett einbezogen wurde, ist nur recht und billig, Elisabeth Tonev und Jinhao Zhang tanzten den Pas de deux aus „Schwanensee“, Ksenia Shevtsova und Jakob Feyferlik denjenigen aus – man lese und staune – „Radio and Juliet“ von Edward Clug überzeugend, jugendlich und feinherb.

Bejubelt: die beiden Gesang-Stars Nicole Car und Benjamin Bernheim. Die australische Sopranistin zeigte, welche Glut (Desdemonas Lied von der Weide und Ave Maria), aber auch welche Portion Soubretten-Witz (Zugabe: Arie der Musette aus dem 2. Akt der „bohème“) in ihr stecken. In den Duetten Micaela/Don José und Mimi/Rodolfo mit Benjamin Bernheim brillierte sie nicht weniger als in ihren beiden Alleingängen. Der zurzeit angesagteste Tenor, der Franzose Benjamin Bernheim, mit 3-Tage-Bart und verwegenem Lächeln ein Burschi mit Tenor-Schmelz der Sonderklasse, den man rundweg nur bewundern konnte: mit einer stimm-akrobatischen „Werther“- und einer zurückhaltend klagenden Lenski-Arie. Sein zündender Rausschmeißer hieß „Dein ist mein ganzes Herz“, und damit dürften sich sogar auch männliche Zuhörende angesprochen fühlen.

 Man kann der Bayerischen Staatsoper nur eine ebenso erfolgreiche neue Spielzeit wünschen wie sie im BMW-Park gestartet wurde.

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Über Hans Gärtner 556 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.