Europa, Schande über euch – warum schweigt ihr?

Europafahne, Quelle: SGL

Gegen den Krieg Stellung zu beziehen, ist nicht nur eine politische Haltung; es ist die Verteidigung des grundlegendsten Menschenrechts: des Rechts auf Leben. Der aktuelle Krieg zwischen Iran und ausländischen Mächten, namentlich den USA und Israel, bringt weder Freiheit noch Demokratie, noch Sicherheit; vielmehr richtet er sich direkt gegen unschuldige Menschen. Die Bevölkerung Irans befindet sich nun zwischen zwei Formen von Gewalt: einerseits ein faschistisches und repressives Inlandssystem, das während der Aufstände im Dezember 2025 Tausende von Bürgerinnen und Bürgern getötet und verletzt hat, und andererseits imperialistische und zionistische Staaten, die durch Bombardements und Bedrohungen der Infrastruktur die iranische Gesellschaft an den Rand der Zerstörung bringen. Dieser Krieg dient nicht der Freiheit der Bevölkerung, sondern der Festigung der Politik ausländischer Mächte und der Sicherheit Israels in der Region.

Herr Bundeskanzler Merkel (Anmerkung: ggf. aktueller Amtsinhaber anpassen), bezeichnet die Aggression der USA und Israels gegen Iran als „humanitär“. Diese Behauptung steht im krassen Widerspruch zur täglichen Realität unschuldiger Menschen, die Raketen, Angriffen und der Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur ausgesetzt sind. Der belgische Europaabgeordnete Mark Demesmaeker (Anmerkung: Name an Original anpassen) wies seine Kollegen darauf hin, dass viele von ihnen nicht nur den Krieg Trumps und Netanjahus gegen Iran nicht verurteilen, sondern ihn sogar unterstützen – und dennoch behaupten, an der Seite der iranischen Bevölkerung zu stehen. Haben Sie den Mut, dies dem siebenjährigen Mädchen ins Gesicht zu sagen, dessen Rucksack noch neben ihrem Schreibtisch stand, als es durch eine amerikanische Rakete auf seine Schule getötet wurde?

Der deutsche Philosoph Richard David Precht, die Politikerin Sahra Wagenknecht und die erfahrene US-Senatorin Elizabeth Warren haben wiederholt gefordert, diesem reaktionären und zerstörerischen Krieg ein Ende zu setzen. Die völkerrechtswidrige und unmenschliche Aggression der USA und Israels gegen Iran dient nicht der Freiheit der Bevölkerung, sondern der Zerstörung von Infrastruktur und der Festigung reaktionärer israelischer Politik in der Region.

Die Bevölkerung Irans erhob sich im Dezember 2025 mutig gegen jahrelange Unterdrückung und Korruption, doch die Antwort des faschistischen Inlandssystems war gnadenloses Schießen und Repression. Tausende wurden getötet, weitere Tausende inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Eine ausländische militärische Aggression verschärft nur das Leid der Bevölkerung und verschlechtert ihre Lebens- und Sicherheitsbedingungen erheblich. Die Erfahrungen aus Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien zeigen, dass sogenannte „Befreiungskriege“ für die Zivilbevölkerung ausschließlich Zerstörung und massenhafte Vertreibung gebracht haben.

Die Aggression der USA und Israels gegen Iran hat keinerlei Bezug zu Freiheit oder Demokratie. Bombardierungen von Städten, medizinischen Einrichtungen, Schulen und lebenswichtiger Infrastruktur treffen unschuldige Menschen: Kinder ohne politische Verantwortung, Familien im Alltag und eine Gesellschaft, die um ihr Überleben und soziale Gerechtigkeit kämpft. Jede ausländische militärische Intervention unter welchem Vorwand auch immer ist eine Fortsetzung von Ausbeutung und Gewalt.

In diesem Kontext ist die Behauptung einer „humanitären“ Intervention rein politische Täuschung. Bomben und Raketen bringen weder Freiheit noch Gerechtigkeit; sie erzeugen Chaos, Zerstörung und Tod. Die Geschichte zeigt, dass kein äußerer Krieg echte Demokratie hervorgebracht hat; imperialistische Mächte und ihre regionalen Verbündeten haben von solchen Krisen immer profitiert und die Zivilbevölkerung geopfert.

Für ein Land wie Iran mit über achtzig Millionen Einwohnern kann jeder groß angelegte Krieg katastrophale Folgen haben. Die Zerstörung von Energieinfrastruktur, Transportnetzwerken, medizinischen und wirtschaftlichen Einrichtungen kann schnell zu einer schweren humanitären Krise führen. Die Erfahrungen aus Ländern wie Irak und Syrien zeigen, dass der Wiederaufbau solcher Zerstörungen manchmal Jahrzehnte dauert.

Letztlich ist die zentrale Frage, dass die Bevölkerung Irans nicht zwischen zwei Formen von Gewalt gefangen sein darf: einerseits interne Unterdrückung, andererseits externer Krieg. Echte Verteidigung der iranischen Bevölkerung bedeutet, gegen beide Formen der Gewalt zugleich Stellung zu beziehen. Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass Freiheit nicht mit Raketen und Bomben geschaffen wird. Demokratie wird nachhaltig, wenn sie aus der Gesellschaft selbst und durch den sozialen Kampf der Bevölkerung entsteht – nicht durch einen von außen aufgezwungenen Krieg.

Das Schweigen der Europäischen Union angesichts der gemeinsamen Militärangriffe der USA und Israels gegen Iran ist nicht nur beschämend, sondern unmenschlich. Europa, mit all seinen Ansprüchen auf Menschenrechte und Demokratie, ist faktisch Zeuge des Massakers an unschuldigen Menschen; Kinder ohne Einfluss auf regionale Politik, Frauen, die in ihren Häusern Zuflucht suchen, und Familien, die täglich in Angst vor Bomben und Raketen leben, sind die Opfer dieses Schweigens. Ist das Blut von 165 Grundschulkindern, sieben- bis achtjährig, anders als das Blut europäischer Kinder? Wo sind die wachen Gewissen? Wo ist jenes Menschenrecht, das geschützt werden sollte?

Europa ist Israels Handelspartner und setzt trotz seiner wirtschaftlichen Macht keinerlei realen Druck auf dieses kindermörderische Regime. Dieses Schweigen ist ein Verrat an der Menschlichkeit; wirtschaftliche und politische Unterstützung eines Landes, das in Gaza und nun in Iran Menschen massakriert, zeigt, dass vergangene Interessen über Moral und Gerechtigkeit gestellt werden. Europa stellt in diesem Moment weder Macht noch Ethik, sondern Eigennutz über das Recht auf Leben der Menschen – und nicht über die Regierung der Islamischen Republik Iran. Europa, das sich als Verfechter von Freiheit, Würde und Menschenrechten präsentiert, schweigt heute.

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Quellen:

Human Rights Watch – Berichte zu Menschenrechten und Unterdrückung von Protesten in Iran
Amnesty International – Dokumentation von Inhaftierungen, Toten und staatlicher Gewalt in Iran
Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) – Daten und Analysen zu militärischen Interventionen und Weltkriegen
Brown University Costs of War Project – Forschung zu den menschlichen und wirtschaftlichen Kosten der Kriege nach dem 11. September
UN Menschenrechtsrat – Berichte zu humanitären und sozialen Folgen von Krieg und bewaffneten Konflikten

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Über Hossein Zalzadeh 42 Artikel
Hossein Zalzadeh ist Ingenieur, Publizist und politisch Engagierter – ein Mann, der Baustellen in Beton ebenso kennt wie die Bruchstellen von Gesellschaften. Zalzadeh kam Anfang zwanzig zum Studium nach Deutschland, nachdem er zuvor in Teheran als Lehrer und stellvertretender Schulleiter in einer Grundschule tätig gewesen war. Er studierte Bauwesen, Sanierung und Arbeitssicherheit im Bereich Architektur sowie Tropical Water Management an mehreren technischen Hochschulen. An bedeutenden Projekten – darunter der Frankfurter Messeturm – war er maßgeblich beteiligt. Seine beruflichen Stationen führten ihn als Ingenieur auch in verschiedene afrikanische Länder, wo er die großen sozialen Gegensätze und die Armut unserer Welt ebenso kennenlernte wie ihre stillen Uhrmacher – Menschen, die im Verborgenen an einer besseren Zukunft arbeiten. Bereits während des Studiums engagierte er sich hochschulpolitisch – im AStA, im Studierendenparlament sowie auf Bundesebene in der Vereinten Deutschen Studentenschaft (VDS) – und schrieb für studentische Magazine. In diesem Rahmen führte er Gespräche mit Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Herta Däubler-Gmelin über die Lage ausländischer Studierender. Seit vielen Jahren kämpft er publizistisch gegen das iranische Regime. Geprägt ist sein Schreiben vom Schicksal seines Bruders – Jurist, Schriftsteller und Journalist –, der vom Regime ermordet wurde. Derzeit schreibt er an seinem Buch Kampf um die Menschlichkeit und Gerechtigkeit – ein Plädoyer für Freiheit, Würde und den Mut, der Unmenschlichkeit zu widersprechen.