Kunst über den Dächern von Köln: Sabine Liebchen verwandelt den Colonius zur ART COLOGNE in eine außergewöhnliche Galerie

Colonius, (c) Sabine Liebchen

In 166 Metern Höhe präsentiert die Düsseldorfer Künstlerin Sabine Liebchen 20 großformatige Gemälde im seit Jahrzehnten geschlossenen Kölner Fernsehturm Colonius. Während der ART COLOGNE vom 5. bis 8. November 2026 können Kunstinteressierte die Ausstellung ausschließlich über einen Livestream erleben. Fünf Kameras ermöglichen einen virtuellen Rundgang durch den ungewöhnlichen Kunstraum mit Blick über Köln.
Zur ART COLOGNE vom 5. bis 8. November wird das seit den 1990er-Jahren für die Öffentlichkeit geschlossene Panoramageschoss zum Kunstraum. 20 Gemälde sind dort aufgebaut – erleben lässt sich die Ausstellung ausschließlich im Livestream.

Während der ART COLOGNE wird ein Ort zum Schauplatz von Kunst, den die Öffentlichkeit seit den 1990er-Jahren nicht mehr betreten kann: das Panoramageschoss des Colonius. In 166 Metern Höhe hat die Künstlerin Sabine Liebchen 20 Gemälde aus einer Privatsammlung installiert, entstanden zwischen 2015 und 2026. Die Ausstellung ist inzwischen aufgebaut. Das Publikum kann sie vom 5. bis 8. November 2026 ausschließlich über einen Livestream erleben – öffentlich im Internet und auf einem Screen im VIP-Bereich der ART COLOGNE. So begegnen sich an einem ungewöhnlichen Ort zeitgenössische Malerei, die Architektur eines Kölner Wahrzeichens und der Blick über die Stadt.

Colonius, (c) Sabine Liebchen

Eine Ausstellung, die man nur auf dem Bildschirm betreten kann

Die großformatigen Arbeiten sind im Innenraum entlang der umlaufenden Fensterfassade des Turmkorbs positioniert. Die fertig aufgebaute Ausstellung zeigt, wie Gemälde, Architektur und Stadtpanorama miteinander in Beziehung treten: Die Bildtafeln stehen vor den Panoramafenstern; dahinter öffnet sich Köln. Fünf ferngesteuerte Kameras erfassen Werke, Raum und Stadtansicht. Langsame Kamerafahrten, lange Einstellungen und weiche Überblendungen bestimmen die Bildsprache. Ein automatisierter Rundgang führt die 20 Arbeiten nacheinander vor und läuft in einer Dauerschleife von rund 40 Minuten. „Meine Arbeiten beschäftigen sich mit Momenten, mit Nähe und Distanz, mit dem Sichtbaren und dem, was sich entzieht. Dass sie nun an einem Ort gezeigt werden, der selbst nicht zugänglich ist, empfinde ich deshalb als besonders stimmig“, so Sabine Liebchen.

Frauen, die ihren eigenen Weg gehen

Im Zentrum der Malerei von Sabine Liebchen stehen selbstbewusste, selbstbestimmte Frauen. Meist zeigt die Künstlerin sie von hinten oder von der Seite, ihre Gesichter bleiben verborgen. Über mehr als ein Jahrzehnt entwickelt sie dieses Thema in Diptychen und mehrteiligen Arbeiten immer wieder neu und verbindet es mit Fragen nach Zeit, Veränderung, Bewegung und Vergänglichkeit. Im Panorama des Colonius treten die Figuren in einen Dialog mit dem Ort: Blicke in die Ferne auf der Leinwand wechseln sich ab mit dem Blick über die Stadt.

Der Colonius als Ausstellungsort 

Der 1981 eröffnete Fernmeldeturm ist mit 266 Metern der höchste in Nordrhein-Westfalen. Sein Turmkorb in 166 Metern Höhe beherbergte einst Aussichtsplattform und Restaurant, ist aber seit den 1990er-Jahren für das Publikum geschlossen. Für die Ausstellung wurde das 55. Obergeschoss zum Ausstellungsraum.

Eine Außenaufnahme des Colonius vor der abendlichen Kölner Stadtsilhouette stammt vom Architekturfotografen HG Esch, der zur ART COLOGNE ebenfalls mit einer Einzelausstellung vertreten ist. Sie macht den Turm als weithin sichtbares Wahrzeichen und den ungewöhnlichen Ausstellungsort schon von außen erfahrbar.

Livestream zur ART COLOGNE

Die Übertragung ist vom 5. bis 8. November 2026 öffentlich über YouTube abrufbar. Im VIP-Club der ART COLOGNE wird die Ausstellung auf einem Screen gezeigt; Hocker laden dazu ein, den virtuellen Rundgang in Ruhe zu verfolgen.

Colonius, (c) Sabine Liebchen

Eckdaten

Künstlerin    Sabine Liebchen (*1960, arbeitet in Düsseldorf)
Werke    20 Gemälde, je 3,00 × 1,50 m, Acryl auf Leinwand, entstanden 2015–2026, aus einer Privatsammlung
Ort    Colonius, Köln: 55. Obergeschoss, 166 m Höhe; Ausstellung aufgebaut, nicht öffentlich zugänglich
Zeitraum Livestream    5.–8. November 2026, parallel zur ART COLOGNE (Koelnmesse)
Stream    Öffentlich über YouTube
VIP-Club ART COLOGNE    Präsentationsfläche 5,0 × 3,5 m mit Screen und Hockern; Messe vom 5. bis 8. November 2026, geöffnet bis 18 Uhr; Zugang nur für VIP-Gäste
Format    Automatisierter virtueller Rundgang in Dauerschleife, rund 40 Minuten pro Durchlauf, 5 Kameras
Technische Umsetzung    STREAMING FACTORY GmbH & Co. KG, Köln
Eintritt    Kein Besuch vor Ort möglich; die Ausstellung ist ausschließlich im Livestream zu sehen

Über die Künstlerin

Sabine Liebchen, geboren 1960, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sie malt großformatige Acrylarbeiten auf Leinwand, in deren Mittelpunkt weibliche Rückenfiguren stehen. Mit gemalten Körperschatten und Lichtfeldern erzeugt sie die Illusion von Wirklichkeit. Ihre Arbeiten werden von Galerien im In- und Ausland vertreten, unter anderem in Wien und auf Mallorca. 2026 sind sie in der Galerie Kovacek & Zetter, Wien (14.9.–31.10.2026), und auf der Art & Antique in der Hofburg, Wien (11.–16.11.2026), zu sehen.

Weitere Informationen: www.sabine-liebchen.de

Über die ART COLOGNE

Die ART COLOGNE gilt als älteste Kunstmesse der Welt. Sie findet vom 5. bis 8. November 2026 zum 59. Mal in der Koelnmesse statt. Rund 170 Galerien zeigen Kunst der Klassischen Moderne, nach 1945 und der Gegenwart.

Über Marc Peschke 54 Artikel
Marc Peschke, 1970 geboren, Kunsthistoriker, Texter, Kulturjournalist und Künstler, lebt in Wertheim am Main, Wiesbaden und Hamburg. Er hat in Mainz Kunstgeschichte, Komparatistik und Ethnologie studiert. Seitdem schreibt der gebürtige Offenbacher unter anderem über Bildende Kunst, Fotografie, Fotokunst und Popmusik. Gelegentlich arbeitet er auch als freier Kurator, war Mitinhaber und Mitbegründer der Fotokunst-Galerie KUNSTADAPTER in Wiesbaden und Frankfurt am Main – sowie der Kultur-Bar WAKKER in Wiesbaden. In Wertheim am Main ist er Kurator des exklusiven Kunstraum ATELIER SCHWAB. Seit 2008 zahlreiche eigene Ausstellungen im In- und Ausland. Marc Peschkes künstlerische Arbeiten entstehen zumeist auf seinen zahlreichen Reisen und sind in verschiedenen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Seit 2020 ist Marc Peschke unter dem Namen MASCHERA auch wieder als Musiker aktiv. Im Jahr 2022 wird er kuratorisch die Wiesbadener Fototage unterstützen. www.marcpeschke.de