MULTIMEDIA-PROJEKT ZU DEN 500 JAHREN VOM GHETTO VON VENEDIG

Luigi Viola: Der Himmel über dem Ghetto

GASTEIG – FOYER GLASHALLE I. STOCKWERK IM BRENNSPIEGEL DER KULTUREN

 

 

Großer Besucherandrang bei der Eröffnung des Multimedia-Projekts, das der Kulturverein Pro Arte e.V. dem 500. Jahrestag der Gründung des Ghetto von Venedig im Foyer Glashalle im I. Stockwerk vom Gasteig widmet.

Ein großes Tableau aus 20, fast ausschließlich s/w Bildern des mailändischen Fotografen Edegildo Zava katalysiert die Blicke des Publikums und zeigt Fassaden, hinter denen sich Verborgenes erahnen lässt. Überlagerte Innenansichten einiger venezianischen Synagogen, die zu den schönsten der Welt gehören, erstrahlen in fahlen Farbnuancen in all ihrem Glanz und verwandeln das Ghetto in ein magisches Viertel.

Beinah so magisch und geheimnisumwittert wie es der Schriftsteller Hugo Pratt in seinem legendären Venedig-Führer beschreibt.

Umrisse menschlicher Figuren vor dem Eingang des „Jüdischen Seniorenheims“ erinnern wie Gespenster an das traurige Kapitel der Deportation, von der auch Venedig, wo jüdische Menschen aus vielen europäischen Ländern Zuflucht fanden und über 300 Jahre harmonisch zusammenlebten, nicht verschont blieb. Auch ein Bild vom in den 80er Jahren entstandenen Shoah-Denkmal knüpft daran.

Die Realisierung der Ausstellung war für die Kuratorin Anna Zanco-Prestel – wie Sie in ihrer Einführung beteuerte .- „quasi ein Bedürfnis“.

In der Erinnerung der gebürtigen Venezianerin hatte sich das Bild eines menschenleeren Campo del Ghetto, den größten nach dem Markusplatz, mit seinen steilen Bauten festgesetzt, jenseits der Touristenströme, die die Stadt zunehmend in ihrem Würgegriff einnehmen. Ein Ort der Spiritualität, – war von ihr zu hören – wie ihn Rainer Maria Rilke in einer berühmten Erzählung aus seinen „Geschichten vom lieben Gott“ hervorgerufen hat.

 

In die obere Dimension führt der venezianische Multimedia-Künstler Luigi Viola, Professor an den Kunstakademien Brera und Venedig, der zu den Pionieren der Videokunst in Italien zählt. Dreißig spannungsbeladenen Minuten lang richtet er seine Kamera ausschliesslich in die Höhe und greift nach den Dächern des Skylines Venedigs, vom „Big Apple des XV. und XVI. Jht., die sich farbenprächtig gegen den blauen Himmel scharf abzeichnen. „Der Himmel über dem Ghetto“ heißt – in Anlehnung an Wim Wenders Meisterwerk – der von einem ausdrucksstarken Soundtrack untermalten Kurzfilm. Ausgestrahlt als Loop auf einem Großmonitor, entführt er den Betrachter in eine „andere“ Dimension, dort wo ein Storch – oder gar ein Engel – ungehindert ihren Flug antreten.

Die bewegte Geschichte vom Ghetto von Venedig beleuchten schließlich die farbenfrohen Lithografien der seit Jahren mitten im Ghetto von Venedig lebenden Malerin Michal Meron, die im Eingangsbereich des Foyers hängen.

 

Auf sieben von Marco Zanco gestalten Tafeln mit Texten der Kuratorin wird der Versuch unternommen, relevante historische Ereignisse zu fokussieren und auf Persönlichkeiten des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens hinzuweisen, die wie der berühmte Rabbiner Leone da Modena oder die Dichterin und Salonniére Sarah Copia Sullam noch im Ghetto gewohnt haben oder aus dem Ghetto nach dessen Aufhebung durch Napoleon im Jahre 1797 hervorgegangen sind. Der Volksheld Daniele Manin, auch den „allerletzten Dogen“ genannt, der gegen die österreichische Besatzer kämpfte, gehören dazu. Alle liegen im Alten Jüdischen Friedhof am Lido von Venedig begraben.

Die ersten, die sich im Ghetto von Venedig ansiedelten, waren deutschsprachige Juden auf der Flucht. Die Beziehungen zwischen dem Ghetto von Venedig und Bayern, insbesondere zu Franken, werden durch das Beispiel mancher seiner illustren Bewohner wie der Gelehrte Elias Levita aus der Nähe von Neustadt an der Aisch oder Besucher wie Johann Albrecht von Widmannstetter aus Nellingen bei Ulm, der in Venedig unter seiner Federführung Bücher von unschätzbarem Wert wie den ersten „Talmud“, den „Babylonischen Talmud“, drucken ließ, der heute zu den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek zählt.

Bewusst vermittelt wird durch die vielen Zitate ausländischer Autoren wie Thomas Coryat, Cecil Roth oder Mary Mac Carthy, die im Laufe der Jahrzehnten Zeugnis vom Ghetto von Venedig abgelegt hatten, eine Sicht von Außen, die mehrere Perspektiven eröffnet.

Die Beschreibungen beruhen auf der vorhandenen Primärliteratur über die Geschichte vom Ghetto von Venedig und auch auf neuen im Vorfeld des 500jährigen Gedenktag erschienen Publikationen. Das Projekt bietet auch ein Echo der Veranstaltungsreihe, die das Ereignis mit Vorträgen, Symposien, Tagungen und mehreren Ausstellungen u.a. im Dogenpalast seit März 2016 in Venedig begleitet haben.

 

VENICE GHETTO + 500

Rahmenprogramm:

GASTEIG

Vortragsaal der Stadtbibliothek München

 

Sonntag, den 11. Dezember 2016 – 11 Uhr  

Matinee            11:00 Uhr

Vorführung des Dokufilmes von Emanuel Rund

SEFARAD – 500 Jahre Vertreibung der Juden aus Spanien

ZDF 1992 – 15 Min.

Lesung

Geschichten, Berichte, Zeugnisse

Das Ghetto von Venedig in den Augen illustrer Besucher im Laufe der Jahrhunderte.

Es liest Rundfunksprecher und Moderator Thilo Ruf.

Anschließend nach kurzer Pause um 13.Uhr

Vorführung des Dokufilmes von Emanuela Giordano  

IL GHETTO DI VENEZIA- 500 ANNI DI VITA „ – F/I 2015 HD   –

Tangram Film – 68 Minuten –   OmeU

 

 

Sonntag, den 18.12.2016 – 18 Uhr

Vorführung des Spielfilmes von Michael Radford
DER KAUFMANN VON VENEDIG – GB/I 2004   – Regie: Micahel Radford

Historische Verfilmung des Stücks von W. Shakespeare

mit Al Pacino – Lynn Collins – Jeremy Irons

Deutsche Fassung     104 Min.

 

 

Eintritt jeweils € 7, –

Kartenvorverkauf: München Ticket Tel.: 089/54 818181 oder unter www.muenchenticket.de

Bis zum 20. Dezember 2017

VERANSTALTER: PRO ARTE e.V.

IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER STADTBIBLIOTHEK MÜNCHEN

 

www.proarte-muenchen.biz                              www.gasteig.de

 

 

Unter der Schirmherrschaft vom Italienischen Kulturinstitut in München

Gefördert vom PORSCHE ZENTRUM MÜNCHEN

In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition

 

 

 

 

 

 

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