Trainingszentren statt Ein-Euro-Jobs für Arbeitslose

Rechtzeitig zum Jahreswechsel wird in den Medien die Absicht der Bundesregierung verbreitet, Trainingszentren für Langzeitarbeitslose zu schaffen, um diese intensiver zu fördern und zu fordern.
Mit dieser Propaganda will man offensichtlich der Öffentlichkeit wieder suggerieren, dass es lediglich ein Problem der Langzeitarbeitslosigkeit wäre, dass die Bundesagentur mehr fördern und fordern müsse, um das Problem einer Lösung zuzuführen. Man will u. a. vertuschen, dass die sog. Ein-Euro-Jobs ein Flop waren, und zur Ausweitung, ob erwünscht oder nicht, des Leichtlohnsektors führten.
Wieder einmal wird nach dem Prinzip verfahren, was nicht sein darf, das gibt es auch nicht! Die Wahrheit dürfte jedoch mit der Tatsache begründet sein, dass viele Langzeitarbeitslose einfach für die Unternehmen ein Lebensalter erreicht haben, welche ein Hindernis für eine Einstellung darstellen. Aufgrund der staatlich ins Leben gerufenen Lohndrückerei zwecks Senkung der Lohnstückkosten wurde die sogenannte „Drehtür“ in Gang gesetzt. Diese bewirkte die Auswechselung zumeist älterer Mitarbeiter gegen jüngere und billigere Arbeitskräfte. Daß die Senkung der Lohnstückkosten lediglich den Anteilseignern der Unternehmen über höhere Gewinne zugute gekommen ist, dürfte nachweisbar sein.
Der Mangel an Arbeitsplätzen führte auch dazu, dass strenge Selektionen der Personalverantwortlichen die Einstellung von jüngeren Mitarbeitern verhindert hat, wenn diese nicht die teilweise absurden Anforderungen in Sachen Bildung erfüllten. Ein Beispiel für diese Absurdität stellt die Anforderung eines betriebwirtschaftlichen Studiums für die Besetzung einer Position als Sekretärin dar. Die Anforderungen wurden nachweislich immer weiter nach oben gezogen, um dann darüber zu klagen, daß das angebotene Personal nicht den Anforderungen entsprechen würde.
Es dürfte nachvollziehbar sein, dass sich in einem derartigen Umfeld sehr schnell eine hohe Anzahl von Langzeitarbeitslosen ergibt, welche nunmehr aufgrund dieser Tatsache, Hartz IV-Empfänger zu sein, erst recht keinen Arbeitsplatz finden. Unternehmen, die solche Arbeits- kräfte einstellen könnten, machen dann dieses von finanziellen Hilfen der Bundesagentur abhängig. Diese Hilfen werden über Aufstockungen und Lohnzuschüssen reichlich gewährt und beinhalten demnach eine Subventionierung der Lohnkosten, welche dann noch aus dem Etat der Bundesagentur entnommen werden. Wenn dann die Einnahmen über die Arbeitslosenversicherung nicht ausreichen, dann erfolgt ein Zuschuss vom Bund, welcher dann wohl auch noch als „sozialer Aufwand“ deklariert wird. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass wir in den 1960er und 1970er Jahren Vollbeschäftigung hatten. Die Arbeitslosigkeit betrug damals im Jahresdurchschnitt in etwa 600.000 Menschen. Diese Zahl wurde als die ermittelt, die dadurch entsteht, dass zwischen den Arbeitsplatzwechseln Arbeitslosengeld in Anspruch genommen wurde. Demnach dürfte klar sein, dass die bestehende Arbeitslosigkeit nichts mit der Mentalität der Menschen zu tun haben dürfte.
Es stellt sich die Frage, welche Beweise eigentlich noch erbracht werden müssen, um die Erkenntnis zu gewinnen, dass die Problematik der Massenarbeitslosigkeit in der menschenverachtenden Arbeitsmarktpolitik zu suchen ist. Als ganz besonders dreist kann es gelten, wenn man die im „Training“ befindlichen Erwerbslosen noch aus der Arbeitslosenstatistik entfernt, und diese Reduzierung noch als Erfolg verkaufen will. Die bisherigen Aktivitäten der entsprechenden Institution, welche eine Fälschung der Arbeitslosenzahlen beinhalten, dürften diesen Verdacht rechtfertigen.
Daß in dieser Situation dann noch seitens eines „Wirtschaftsweisen“ die Forderung nach einer stärkeren Zuwanderung erhoben wird, da angeblich nicht genügend qualifiziertes Menschenmaterial zur Verfügung steht, stellt den Gipfel einer menschenverachtenden Verhaltensweise dar. Mit pseudowissenschaftlichen Methoden wird offensichtlich wieder einmal versucht, die Mitbürger wieder zu verballhornen.
Daß die Politik nicht unbedingt etwas mit Moral zu tun haben muss, und diese über das sittliche und moralische Grundempfinden der Mitbürger immer wieder auf diese zurückgeführt werden muss, dürfte bekannt sein. Was aber auf diesem Sektor in der Bundesrepublik Deutschland derzeit abläuft, sprengt alles, was in dieser Republik bisher angerichtet wurde.
Auf den psychologischen Effekt, welche die offensichtlich beabsichtigten Maßnahmen der Bundesagentur auf die Betroffenen ausüben werden, wird nicht eingegangen. Dieses stellt ein weiteres Thema dar. Zusammenfassend kann behauptet werden, dass die bestehende Situation und die Maßnahmen, zu deren angeblichen Beseitigung, nicht mehr nur mit sozialer Kälte zu umschreiben sind.

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Über Westphal Rainer 94 Artikel
Rainer Westphal, geboren 1944, ist seit 2 Jahren freiberuflich auf dem Sektor „Betriebswirtschaftliche Beratung und Betreuung“ mit dem Schwerpunkt Controlling tätig. Nach Abschluss der Mittleren Reife studierte er nebenberuflich Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Arbeitsrecht. Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit im Geld- und Devisenhandel verfügt er über entsprechende interne Branchenkenntnisse.

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