Warum die AfD Deniz Yücel lieben müsste

AfD, Foto. Stefan Groß

Die 600 Kommentare zur Özdemirs Rede gegen die AfD zeigen ziemlich deutlich, wie weit verbreitet die Auffassung ist, Deniz Yücel sei ein Deutschlandhasser. Sehr viele nehmen seine Kolumne in der taz aus dem Jahr 2011 für bare Münze und bestreiten, dass es sich um Satire handelt. Wer verstehen will, warum es Satire sein muss, findet in dem Link unten ganz gute Argumente. Ich habe noch eines: Der Text endet mit dem Satz: „Etwas besseres als Deutschland findet sich allemal“: Das ist eine Anspielung auf das Zitat des Esels aus den Bremer Stadtmusikanten: „Etwas besseres als den Tod findest du überall“. Zugegeben, Yücel setzt große Kenntnis des deutschen Kulturguts voraus, aber man kann das eindeutig als Satire erkennen. Er hat dafür auch den wichtigsten Satiriker-Preis, nämlich den nach Kurt Tucholsky benannten, erhalten. Man kann mit guten Gründen sagen, das Yücels Text geniale Satire ist, man kann auch sagen, er ist rattenschlecht. Ich neige zur zweiten Haltung, weil der Text wie man ja sieht nur Unheil angerichtet hat und von Hochmut geprägt ist. Was man aber sicher nicht sagen kann: Dass darin Deutschlandhass zum Ausdruck kommt oder irgendetwas, dass der deutsche Bundestag missbilligen könnte. Und darum geht es jetzt, nachdem die AfD genau das beantragt hat: Wollen wir ein Land sein, indem der Bundestag Meinungen und Satire billigt oder missbilligt? Die AfD-Anhänger beklagen sich oft darüber, dass es in Deutschland angeblich Zensur gebe. Wer für sein Recht auf eigene Meinung kämpft, der muss sie auch anderen zugestehen. Yücel müsste eigentlich ein Held der AfD sein, denn er hat sein Recht auf Meinungsfreiheit maximal ausgereizt, ja er hat sogar die Grenzen des Zulässigen manchmal überschritten, z.B. als er Thilo Sarrazin satirisch den Tod wünschte. Würde die AfD den Kampf für Presse- Meinungsfreiheit ernste nehmen, musste Sie Yücel also feiern und nicht missbilligen. Leider missverstehen aber viele die Meinungsfreiheit so, dass nur das gesagt werden soll, was der eigenen Meinung entspricht. Diesen Fehler gibt es ganz links, wie man sieht aber auch ganz rechts, bei der AfD. Und darin unterscheidet sich die AfD dann leider gar nicht von Erdogan. Meinungsfreiheit verteidigt man am besten, indem man eine Meinung verteidigt, die einem ganz und gar nicht passt.

 

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