Eine deutliche Mehrheit (54 Prozent) glaubt, dass sich die meisten Menschen bei der Meinungsbildung von der von ihnen angenommenen Mehrheitsmeinung beeinflussen lassen. Nur 22 Prozent denken das nicht. Diese Haltung gibt es mehrheitlich über alle soziodemografischen Merkmale hinweg.
Ganz anders fällt das Ergebnis aus, wenn wir wissen wollen, ob der Befragte sich bei seiner eigenen Meinungsbildung von der von ihm angenommen Mehrheitsmeinung beeinflussen lässt. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) verneinen das. Nur 22 Prozent (kumuliert) bejahen hier, dass sie sich durch die Mehrheitsmeinung beeinflussen lassen. Etwa zwei Drittel davon, also 15 Prozent im Blick auf alle Befragten, bejahen zwar die Beeinflussung durch die Mehrheitsmeinung, meinen damit aber, dass sie dadurch der Mehrheitsmeinung eher widersprechen. Nur sieben Prozent bezogen auf alle Befragten bzw. etwa jeder Dritte, der angibt, sich von der Mehrheitsmeinung beeinflussen zu lassen, sagt, dass er der Mehrheitsmeinung folgt.
Möglicherweise sind wir aber beim Blick auf die Allgemeinheit auch ehrlicher als in der Betrachtung unserer eigenen Meinungsbildung? Wir trauen uns mehr Unabhängigkeit von der Mehrheitsmeinung zu als den anderen. Mein Vorschlag an uns alle ist, Ergebnisse der Meinungsforschung auch sehr selbstkritisch zur eigenen MeinungsERforschung zu nutzen. Könnte es nicht doch so sein, dass nicht nur der Andere, sondern jeder von uns in der Gefahr steht, der Mehrheit zu folgen? Früher hat das das Überleben unserer Spezies gesichert. Hätte man erst geschaut, ob es die Gefahr, vor der die anderen weglaufen, überhaupt gibt, wäre es vielleicht zu spät gewesen. Heute wäre es wahrschlich hilfreich, wenn wir uns tatsächlich häufiger so verhielten, wie wir uns selbst gerne sehen. Wir haben offensichtlich ein untrügliches Gefühl dafür, dass sich die Mehrheit durchaus auch irren könnte.
