Gefährdete Freiheit: Jan Jekals „Paranoia in Hollywood“ und die blinden Flecken des Exils

hollywood-schild los angeles hollywood ikone, Quelle: 12019, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Gefährdete Freiheit?

Der Berliner Autor Jan Jekal zeigt in seinem Erstlingswerk, das es in die Shortlist für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2026 geschafft hat, wie deutsche Exilanten in den USA zwischen 1941 und 1953 erst gefeiert und dann verfemt worden sind – und verschweigt die damals durchaus nachvollziehbaren Gründe des Gastgeberlandes. Von Benedikt Vallendar.

Ja, wahrscheinlich sind die USA noch immer für viele Menschen ein Tor in die Freiheit. Und nein, nicht alle können sich dort so entfalten, wie sie es sich ursprünglich erhofft haben, früher wie heute und wahrscheinlich auch in keinem anderen Land der Welt. Dieses Dilemma auch der jüngsten amerikanischen Geschichte ist Gegenstand des sehr lesenswerten Buches „Paranoia in Hollywood“ (2026), worin sich der Berliner Autor Jan Jekal hintergründig auf die Spuren deutscher Exilanten in den Vereinigten Staaten begeben hat; deren Schicksale und Vorleben schildert und den oft harten Alltag in der Neuen Welt, wo in den frühen 1940er Jahren bei weitem nicht alle Künstler und Wissenschaftler an vorherige Erfolge anknüpfen konnten. Allen voran Bertolt Brecht, der Theatermacher Max Reinhardt, Fritz Lang („Metropolis“ 1927) sowie der linke Komponist Hanns Eisler, die von Jekal als Opfer einer ideologischen Hetzjagd der US-Behörden auf tatsächliche und vermeintliche Kommunisten dargestellt werden.

Doch leider verschweigt der 1993 geborene Autor auch einiges. Er, der die Zeit des Kommunismus und des Kalten Krieges nur aus den Geschichtsbüchern kennt, verkennt die damals berechtigte Angst der freien westlichen Welt vor Unterwanderung durch sowjetische und kommunistische Agenten, was oft genug geschehen ist und zu massiven, auch finanziellen Schäden geführt hat. Wie naivgläubig gegenüber dem Kommunismus die deutsche Exilgemeinde zum Teil war, zeigt sich am Beispiel des Erfolgsautors Lion Feuchtwanger, der sich 1937 vor den PR-Karren Josef Stalins hatte spannen lassen, indem er nach einem persönlichen Treffen mit dem Diktator wohlwollend über die Moskauer Schauprozesse gegen politisch Andersdenkende berichtete, was ihm schon damals harsche Kritik eingebracht hatte. Auch die Sympathie Bertolt Brechts und des linken Komponisten Hanns Eislers für die Sache des Kommunismus war in den USA ein offenes Geheimnis, wogegen sich zur Wehr zu setzen, damals wie heute zum Abwehrrepertoire einer jeden westlichen Regierung gehört.

In seinem letzten ARD-Interview aus dem Moskauer Exil zeigte übrigens auch der vom eigenen Volk geschasste DDR-Diktator Erich Honecker noch 1991 seine offene Sympathie für Eisler, der von der SED-Diktatur jahrelang mit Geld und Privilegien hofiert worden war, was zu erwähnen dem Buch durchaus gut getan hätte.

Aktuelle Literaturempfehlung:

Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten 1941–1953, Matthes & Seitz, Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-2103-2

Über Benedikt Vallendar 100 Artikel
Dr. Benedikt Vallendar wurde 1969 im Rheinland geboren. Er studierte in Bonn, Madrid und an der FU Berlin, wo er 2004 im Fach Geschichte promovierte. Vallendar ist Berichterstatter der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main und unterrichtet an einem Wirtschaftsgymnasium in Sachsen.