Die Bank gewinnt immer: Die Legalisierung von Casinos und der Vermögenstransfer nach oben

Die Bank gewinnt immer, Quelle: Jakub Żerdzicki, https://unsplash.com/

Für alle, die sich für Maßnahmen gegen die Glücksspielindustrie interessieren, folgen die Ankündigungen stets einem bekannten Muster. Es sollen höhere Steuereinnahmen eingenommen werden, die die Regierung angeblich für die Finanzierung von Schulen oder sozialen Einrichtungen verwenden will, gefolgt von der Schaffung von mehr Arbeitsplätzen, insbesondere in strukturschwachen Gemeinden. Zu guter Letzt und vor allem soll die Legalisierung des Glücksspiels die Schattenwirtschaft eliminieren, die in der Welt der Casinos noch immer existiert, und das Glücksspiel mit diesem Maßnahmen sicherer und transparenter gemacht werden.

Auch in Deutschland wird diese Strategie verfolgt und die Legalisierung des Glücksspiels wird als öffentliches Recht und nicht als generelles Risiko angesehen. Die wirtschaftlichen Argumente werden stets überzeugend vorgetragen, insbesondere angesichts der Steuereinnahmen, die von den kommerziellen Casinos in den letzten Jahren generiert wurden.

Was diese fiskalische Logik jedoch verschweigt, ist, dass die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Casinolegalisierung weit über die Steuereinnahmen hinausgehen. Jüngste Forschungsergebnisse der WHO zeigen, dass rund 60 % der Einnahmen der Glücksspielindustrie von Spielsüchtigen generiert werden, hauptsächlich aus einkommensschwachen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Dies wirft viele wichtige Fragen auf, denn die Einnahmen sind zwar real, aber woher kommen sie und wohin fließen sie ab?

Die Politiker, die die Regeln vorgeben, tun dies nicht umsonst

Die Zahlen, die für eine Legalisierung sprechen, sind nicht frei erfunden. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Politiker fast aller Couleurs unter finanziellem Druck von diesen lukrativen Glücksspieleinnahmen förmlich angezogen werden. So erreichten beispielsweise die direkten Glücksspielsteuerzahlungen an Bundesstaaten und Kommunen in den USA im Jahr 2025 17,86 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 12,3 % gegenüber dem Vorjahr. Da sich Wähler im Gegensatz zu Haushaltsdebatten über Einkommensteuererhöhungen selten gegen Glücksspielgesetze engagieren, ist es nicht verwunderlich, dass Politiker kein Problem damit haben, in dieser Branche ordentlich mitzumischen.

In den USA spenden milliardenschwere Casinobesitzer enorme Summen für politische Zwecke und investiert enorme Summen, um die Legalisierung von Casinos in Bundesstaaten voranzutreiben, in denen diese illegal sind. Dies zeigt, dass diese Casinos in den meisten Fällen politischen Einfluss gewinnen, noch bevor es überhaupt Regulierungen gibt. Sie erzeugen somit eine faktische Notwendigkeit einer Legalisierung, was der fiskalischen Logik einer Casinoregulierung zuwiderläuft.

Ein ähnliches Szenario hat sich auf dem Weg zur Liberalisierung des Glücksspiels in Deutschland abgespielt. Kaum ein halbes Jahrzehnt ist vergangen, seitdem das Online-Glücksspiel im Jahr 2021 mittels des neuen Glücksspielstaatsvertrag legalisiert wurde, und die ursprünglichen Gründe – Verbraucherschutz und Steuereinnahmen – sind bereits in Vergessenheit geraten. Branchenverbände versuchen, durch Lobbyarbeit eine Lockerung der Bestimmungen zu erreichen, um Spieler vom Spielen auf unlizenzierten Offshore-Seiten abzuhalten. Daher überprüft gegenwärtig die Regierung den Rahmen des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GluStV 2021) mit dem Ziel, die Einzahlungslimits und andere Kriterien so anzupassen, um Kunden zurück auf den lizenzierten Markt zu locken und den rapiden Rückgang der Steuereinnahmen im Bereich des iGamings zu stoppen. Dieser Schritt lässt bereits erahnen, dass die Regierung eher das Wachstum der Branche unterstützt, als den erlittenen Schaden bei vielen Spielern zu mindern.

Das Geschäftsmodell unter der regulatorischen Oberfläche

Weitere Studien der WHO belegen, dass über die Hälfte der weltweiten Glücksspieleinnahmen von Spielern stammen, die ein Problem mit ihrem eigenen Spielverhalten haben. Das aktuelle Steuereinnahmemodell aus dem Glücksspiel wird somit hauptsächlich von genau jenen Menschen getragen, die das Gesetz eigentlich schützen soll.

Hinzu kommt, dass Menschen mit niedrigem Einkommen im Vergleich zu Besserverdienenden einen größeren Teil ihres Einkommens für Glücksspiel ausgeben. Noch schlimmer: Studien belegen, dass problematisches Glücksspiel unter diesen Geringverdienern besonders verbreitet ist. Das bedeutet, dass die Milliarden an Einnahmen, die in die Staatskassen fließen, hauptsächlich von denen stammen, die sich das Glücksspiel – und andere Dinge des Lebens – kaum oder überhaupt nicht leisten können.

Repräsentative Umfragen in Deutschland aus den letzten 20 Jahren zeigen, dass es trotz zunehmender Regulierungen und steigender Glücksspieleinnahmen keine signifikante Reduzierung der glücksspielbezogenen Probleme gegeben hat. Es überrascht daher nicht, dass Burkhard Bilenert, ehemaliger Drogenbeauftragter des Bundes, sagte: „Glücksspiel macht selten glücklich. Kaum jemand ist sich des hohen Suchtrisikos von vornherein bewusst, selbst in der Politik nicht.“

Im Gegensatz dazu kritisierte der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes, Mathias Dahms, die strukturellen Mängel der Glücksspielbranche. Wenig überraschend gilt seine Sorge dabei weniger der Suchtproblematik als vielmehr dem Abfluss der Einnahmen in den Schwarzmarkt.

Gefährdete soziale Gruppen als Einnahmequelle

Darüber hinaus zeigt ein kurzer Blick auf die zugrundeliegenden Zahlen zur Verteilung der Glücksspielsucht, dass die hohe Anzahl problematischer Glücksspieler in einkommensschwachen Vierteln kein Zufall ist. Glücksspielanbieter und -werbeagenturen zielen gezielt auf Bewohner mit Migrationshintergrund, die in den allermeisten Fällen in benachteiligten Gebieten zu Hause sind.

Obwohl unterschiedliche Regulierungen versucht haben, speziell die Werbung für das Glücksspiel, aber auch für Sportwetten, einzuschränken, sind Einzelpersonen nur unzureichend in der Lage, sich vor dem allgegenwärtigen Marketing der Glücksspielbranche zu schützen. Zudem reichen die Opt-out-Mechanismen nicht aus, um als Verbraucherschutz zu gelten, insbesondere für Menschen in finanziell angespannten Verhältnissen.

Neue politische Maßnahmen, die mit Steuereinnahmen und Arbeitsplatzschaffung verknüpft sind, finden breiten Anklang in großen Bevölkerungsschichten. Die Legalisierung von Casinos bildet da keine Ausnahme. Auch wenn diese Zahlen stimmen, ist die dahinterstehende politische Logik leicht nachvollziehbar. Der Großteil der Glücksspieleinnahmen fließt unverhältnismäßig stark aus Entitäten, die die finanziellen Verluste durch problematisches Glücksspiel am wenigsten verkraften können. Was als wirtschaftliche Entwicklung präsentiert wird, entpuppt sich somit als Wertschöpfung, die nur auf Kosten der Verbraucher und nach oben umverteilt werden.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie der regulierte Glücksspielmarkt funktioniert und welche Verantwortlichkeit lizenzierte Betreiber gewährleisten, bieten Online Casino Bewertungsplattformen einen hervorragenden Ausgangspunkt. Dort haben Sie die Möglichkeit, zu beurteilen, welche Anforderungen lizenzierte Casinos erfüllen müssen und wo noch Lücken im System bestehen.

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