Daubner singt, TikTok jubelt – Das sind die Jugendwörter 2026

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„Crashout“, „Ragebait“, „Schere“ oder einfach „67“: Zehn Begriffe stehen zur Wahl. Susanne Daubner macht aus der Sprachaktion erneut einen der seltenen Tagesschau-Momente mit Kultstatus.

Die Wahl zum Jugendwort des Jahres 2026 ist eröffnet, und erneut spricht halb Deutschland nicht nur über die Begriffe, sondern über die Frau, die sie vorliest. Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner präsentierte die zehn Kandidaten mit jener Mischung aus Nachrichtenernst und feiner Selbstironie, die ihre Videos längst zum Internetereignis gemacht hat. Als sie „Du bist gut genug“ anstimmte, war der nächste virale Moment perfekt. Die Tagesschau erklärt die Kandidaten; der SWR sprach mit Daubner über ihre besondere Rolle.

Zur Wahl stehen „67“, „Crashout“, „Digga“, „Du bist gut genug“, „Gute Käse“, „Macker“, „Peak“, „Ragebait“, „Schere“ und „Süper“. Bis zum 20. August können Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren abstimmen. Danach folgt die Auswahl der drei Finalisten, am 10. Oktober soll der Sieger feststehen.

Wörter aus TikTok, Gaming und Musik

Die Liste zeigt, wie schnell sich Sprache heute zwischen Plattformen bewegt. „Ragebait“ bezeichnet Inhalte, die absichtlich Wut erzeugen, weil Empörung Reichweite bringt. „Crashout“ steht für ein heftiges emotionales Ausrasten. „Schere“ kommt aus der Gaming-Welt und funktioniert als Eingeständnis eines Fehlers. „Süper“ übernimmt das türkische Wort für „super“ und wurde durch ein virales Video populär. „Peak“ bezeichnet einen absoluten Höhepunkt.

Am rätselhaftesten ist „67“, englisch „six seven“ gesprochen. Der Ausdruck stammt aus amerikanischen TikTok-, Musik- und Basketballzusammenhängen und besitzt gerade keine feste Bedeutung. Er kann als Insider, Reaktion oder absurde Einfügung funktionieren. Diese Bedeutungsleere ist kein Mangel, sondern Teil des Witzes. Sprache schafft hier Gemeinschaft, weil Außenstehende nicht genau wissen, was gemeint ist.

Warum Susanne Daubner dazugehört

Daubners Videos funktionieren, weil zwei Sprachwelten aufeinanderprallen. Die Tagesschau steht für formale Aussprache, institutionelle Autorität und kontrollierte Nachrichtensprache. Jugendwörter entstehen dagegen in schnellen, informellen und oft bewusst falschen Verwendungen. Wenn Daubner Begriffe wie „Gute Käse“ oder „Crashout“ mit professioneller Präzision ausspricht, wird der Abstand sichtbar, ohne dass sie sich über die Jugendlichen lustig macht.

Damit hat sich eine Tradition entwickelt, die der Langenscheidt-Wahl mehr Aufmerksamkeit bringt als jede klassische Pressekonferenz. Daubner ist zur Vermittlerin geworden, obwohl sie nicht behauptet, die Begriffe selbstverständlich zu beherrschen. Gerade ihr sichtbares Fremdeln macht sie glaubwürdig. Erwachsene dürfen etwas nicht kennen, ohne es sofort abzuwerten. Jugendliche können über die ungewohnte Aussprache lachen, ohne dass ihre Sprache lächerlich gemacht wird.

Wettbewerb oder Marketing?

Das Jugendwort wird seit 2008 gewählt. Kritiker sehen darin eine Verlagskampagne, die flüchtige Netzbegriffe künstlich aufwertet. Dieser Einwand ist nicht falsch. Eine einzelne Siegerformel kann niemals die Vielfalt der Sprache von Millionen Jugendlichen abbilden. Region, Herkunft, Freundeskreis, Musikgeschmack und Plattformen erzeugen sehr unterschiedliche Wörter. Manche Kandidaten sind bereits wieder auf dem Rückzug, wenn die Abstimmung beginnt.

Trotzdem liefert die Liste einen interessanten Ausschnitt. Sie zeigt, wie selbstverständlich Englisch, Türkisch, Gaming-Sprache, Memes und Popmusik ineinandergreifen. Jugendsprache ist kein abgeschlossenes System. Sie nimmt auf, verdreht und verwirft. Ihr Wert liegt nicht darin, dass jedes Wort bleibt. Sie macht sichtbar, wie Sprache im Gebrauch entsteht.

Welcher Begriff gewinnt, ist deshalb fast nebensächlich. Schon jetzt hat Susanne Daubners gesungenes „Du bist gut genug“ die Wahl geprägt. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Ein Wettbewerb über junge Sprache wird von einer 65-jährigen Nachrichtensprecherin zum Ereignis gemacht. Generationen treffen sich nicht im Wörterbuch, sondern in einem Clip, über den beide Seiten lachen können.