Sieben Prozent weniger Getreide, Raps bricht ein – der trockene Sommer landet auf den Höfen

Weizen Sonne sonnenschein, Quelle: Bru-nO, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Hitze und Trockenheit haben die deutsche Ernte deutlich getroffen. Der Bauernverband erwartet 41,9 Millionen Tonnen Getreide, sieben Prozent weniger als 2025. Noch härter fällt der Rückgang beim Winterraps aus. Viele Betriebe suchen bereits nach Wegen, ihre Landwirtschaft an trockenere Jahre anzupassen.

Auf den Feldern zeigt sich Klimawandel nicht als abstrakte Kurve, sondern als Ertrag. Wenn Regen in entscheidenden Wachstumsphasen fehlt und Hitze Pflanzen früh abreifen lässt, sinkt die Menge, oft auch die Qualität.

Die Tagesschau berichtet über die aktuelle Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes. Danach wurden 2026 voraussichtlich 41,9 Millionen Tonnen Getreide eingefahren. Im Vorjahr waren es 45,2 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von sieben Prozent.

Noch deutlicher fällt der Ertrag pro Hektar: Er sank um neun Prozent. Nach Angaben des Bauernverbandes sind die Körner teilweise kleiner und qualitativ schwächer. Besonders betroffen waren Regionen im Süden und Westen Deutschlands.

Winterraps trifft es besonders hart

Beim Winterraps meldet der Verband einen Ertragsrückgang von rund 20 Prozent. Trockenheit und Hitze schwächten die Pflanzen. Gleichzeitig konnten Schädlinge wie Erdfloh oder Schotenmücke stärkere Schäden verursachen. Der Bauernverband beklagt, dass wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten teilweise fehlten.

Verbandspräsident Joachim Rukwied verweist auf die Abfolge des Wetters: zu trockene Bedingungen im Frühjahr, anschließend Hitze und eine längere Trockenperiode. Für Pflanzen ist nicht nur die gesamte Niederschlagsmenge entscheidend, sondern der Zeitpunkt. Regen nach der entscheidenden Entwicklungsphase kann verlorenen Ertrag nicht einfach zurückholen.

Die wirtschaftliche Belastung trifft Betriebe unterschiedlich. Wer auf leichten Böden wirtschaftet, leidet schneller unter fehlender Bodenfeuchte. Auch regional gab es erhebliche Unterschiede. Deshalb ist eine bundesweite Durchschnittszahl für einzelne Höfe nur begrenzt aussagekräftig.

Landwirte bauen ihre Betriebe um

Der Bauernverband fordert politische Hilfen. Dazu gehören eine frühere Auszahlung europäischer Direktzahlungen sowie eine Aufstockung von Unterstützungen. Rukwied verlangt außerdem Entlastungen beim Agrardiesel. Ob und in welchem Umfang solche Forderungen umgesetzt werden, ist eine politische Entscheidung.

Parallel versuchen Betriebe, sich selbst anzupassen. Die Tagesschau stellt Landwirte vor, die mit Agroforstsystemen arbeiten, also Baumreihen in Ackerflächen integrieren, oder trockenheitsverträglichere Kulturen anbauen. Solche Verfahren sollen Wind bremsen, Wasser im Boden halten und Risiken verteilen.

Auch Direktvermarktung kann helfen, wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Ernten zu verringern. Sie ersetzt allerdings keine stabile Produktion. Wenn mehrere Kulturen gleichzeitig unter extremem Wetter leiden, steigen Kosten und Risiken unabhängig vom Vertriebsweg.

Für Verbraucher bedeutet eine schwache deutsche Ernte nicht automatisch sofort stark steigende Lebensmittelpreise. Getreide- und Ölsaatenmärkte sind international, Preise hängen auch von Weltmarktangebot, Energie, Verarbeitung und Handel ab. Für die Landwirtschaft selbst ist die Bilanz unmittelbarer: Weniger Ertrag bedeutet bei vergleichbaren Kosten weniger verkaufbare Ware.

Die Ernte 2026 ist damit nicht nur eine Jahresbilanz. Sie zeigt, welche Anpassungsfragen sich verstärken, wenn heiße und trockene Perioden häufiger auftreten: andere Sorten, andere Fruchtfolgen, Wassermanagement, Bodenschutz und möglicherweise neue Kulturen. Für viele Höfe wird die Fähigkeit, mit Wetterextremen umzugehen, immer stärker zur wirtschaftlichen Überlebensfrage.