USA und China enteilen – Europa droht im KI-Wettlauf zum Zuschauer zu werden

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Europa reguliert Künstliche Intelligenz, doch die leistungsfähigsten Modelle entstehen vor allem anderswo. Neue Zahlen zeigen, wie groß der Abstand zu den Vereinigten Staaten und China inzwischen geworden ist. Peking nutzt genau diese Schwäche und wirbt in Europa für chinesische KI.

59, 35, 2.

Drei Zahlen erzählen einen erheblichen Teil der Geschichte des globalen KI-Wettlaufs.

Nach dem Stanford AI Index 2026, den die South China Morning Post auswertet, entstanden 2025 insgesamt 59 als „notable“ eingestufte KI-Modelle in den Vereinigten Staaten. China brachte es auf 35. Europa kam auf zwei.

Natürlich lässt sich technologische Leistungsfähigkeit nicht allein durch die Zahl großer Modelle messen. Doch der Abstand passt zu einem größeren Bild.

Zwei Mächte setzen sich ab

Der chinesische Global AI Innovation Index 2026 untersuchte 46 Staaten. Die USA erreichten 78,44 Punkte, China 60,49. Großbritannien lag mit 39,99 Punkten auf Platz drei. Deutschland und Frankreich folgten auf den Plätzen sechs und sieben.

Das macht die Frage nach Europas Rolle zunehmend dringlich. Die SCMP beschreibt einen möglichen Wettbewerb zwischen einer von den USA dominierten und einer chinesischen technologischen Sphäre – mit Europa auf der Suche nach einer eigenständigen Position.

Peking wirbt inzwischen ausdrücklich mit seinen KI-Modellen in Europa. Open-Source-Angebote aus China werden als preisgünstige Alternative zu amerikanischen Systemen präsentiert. Damit bekommt die europäische Debatte über digitale Souveränität eine neue Wendung.

Denn die Abhängigkeit kann in zwei Richtungen wachsen.

Washington und Peking bauen ihre Netzwerke

Die Technologiepolitik beider Großmächte reicht inzwischen weit über einzelne Unternehmen hinaus.

Washington hat sein Pax-Silica-Netzwerk, das Lieferketten für strategische Technologien wie Halbleiter und KI absichern soll, im Juni um zehn Partner erweitert. Nach SCMP-Angaben gehörten dem Rahmen danach 24 Partner an.

Wenig später unterzeichneten 29 Staaten in Shanghai eine Vereinbarung zur Gründung einer von China angestoßenen World AI Cooperation Organisation, die insbesondere Staaten des globalen Südens ansprechen soll.

Künstliche Intelligenz wird damit Teil einer geopolitischen Infrastruktur.

Singapur investiert beispielsweise mehr als eine Milliarde Singapur-Dollar in öffentliche KI-Forschung bis 2030. Reuters zufolge will der Stadtstaat damit Forschung, Anwendung und Ausbildung gezielt stärken.

Europa verfügt seinerseits über hervorragende Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen und einen großen Binnenmarkt. Die Zahlen zeigen aber, dass daraus nicht automatisch eine führende Stellung bei generativen KI-Modellen folgt.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob Europa amerikanische oder chinesische Technologie „mag“. Sie lautet, wie viel eigene technologische Handlungsfähigkeit der Kontinent in einer Schlüsselindustrie behalten kann.

Denn wer die wichtigsten Plattformen, Chips und Modelle nicht selbst entwickelt, muss früher oder später entscheiden, von wem er sie bezieht.