Recklinghausen, ein Keller, eine selbstgeschweißte Hantel – mehr brauchte es nicht, um eine der bemerkenswertesten Karrieren des deutschen Films ins Rollen zu bringen. Was sein Vater, gelernter Schlosser, damals aus purer Zuneigung anfertigte, wurde für Ralf Moeller zur Lebensaufgabe. Mit eiserner Disziplin und einem Willen, der keine Kompromisse kannte, arbeitete er sich vom Ruhrgebiet bis an die Spitze seines Sports – und von dort aus weiter, dorthin, wo es die wenigsten schaffen: nach Hollywood.
Eine Karriere, die zeigt: Wer hart genug arbeitet und den Mut hat, immer wieder neu zu beginnen, kann selbst von der Ruhrgebietsstraße bis auf die Leinwände der Welt gelangen.
Im Interview erzählt Ralf Moeller von genau diesem Weg – von den ersten Hantelübungen im elterlichen Keller bis zu seinen größten Momenten in Hollywood
Ute Fauster: Sie kommen ursprünglich aus Recklinghausen und waren zunächst Schwimmer und Bademeister. Wann haben Sie gemerkt, dass das Bodybuilding Ihr Leben verändern könnte?
Ralf Moeller: Das war ein langsamer Prozess. Mein Vater war Schlosser und schweißte mir meine erste Hantel . Daher habe ich auch heute noch eine enge Verbindung zum Handwerk und die Aktion Motivation Handwerk gestartet. Zunächst trainierte ich im Keller zu Hause und erst mit 17 im Fitnessstudio. Der athletische Körper von Bruce-Lee in seinen Filme hatte mich beeindruckt. Ich wollte selbst einen muskulösen, definierten Körper entwickeln. Doch bei meiner Größe war es um so schwieriger. Wie bei jedem Leistungssport muss man sehr ehrgeizig, diszipliniert und motiviert sein, um solche Ziele zu erreichen. Und man muss auch Rückschläge verkraften und immer an seinen Zielen dran bleiben.
UF: 1986 wurden Sie Mr. Universe – genau wie viele Jahre zuvor Arnold Schwarzenegger. Was hat dieser Titel damals für Sie bedeutet?
RM: Das war wirklich mein internationaler Durchbruch. Ich gehörte auf einen Schlag nicht nur in Deutschland zur Spitze sondern war weltweit ganz oben im Bodybuilding.Der Erfolg stärkte meinen Entschluss, international Karriere zu machen und den Schritt von Deutschland nach Hollywood zu wagen, denn ich hatte schon damals Schauspielambitionen.
UF: Aus dem großen Vorbild wurde über die Jahre ein enger Freund. Was macht Ihre Freundschaft mit Arnold Schwarzenegger bis heute so besonders?
RM: Ich habe Arnold 1982 bei der „Conan“-Premiere in Essen kennengelernt und daraus entwickelte sich eine wunderbare enge Freundschaft, die seit über 40 Jahren Bestand hat, denn uns verbinden viele gemeinsame Interessen vom Sport, über Filme schauen bis Zigarre Rauchen. Arnold war immer Vorbild und Unterstützer, aber machen musste ich es immer selber.
UF: Sie haben 1988 Ihre Schauspielkarriere begonnen. Was war für Sie schwieriger: der Sprung vom Bodybuilding zum Schauspiel oder der Sprung von Deutschland nach Hollywood?
RM: Definitiv der Sprung vom Bodybuilding zum Schauspiel, denn in jedem neuen Metier fängt man wieder ganz von vorne an. Zu meinen ersten Filmerfolgen zählte Roland Emmerichs erfolgreiches Kinoprojekt Universal Soldier mit Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren.
UF: Ihre wohl bekannteste Rolle ist Hagen in Ridley Scotts Gladiator. Was hat diese Rolle für Ihre persönliche Karriere verändert?
RM: Diese Rolle war definitiv ein absoluter Meilenstein in meiner Schauspielkarriere aber auch Rollen in The Scorpion King und in The Tourist neben Angelina Jolie und Johnny Depp. Außerdem spielte ich die Hauptfigur in The Viking Sagas und Conan the Barbarian in der TV-Serie Conan., die weltweit in 80 Ländern ausgestrahlt wurde. Als nächstes stehe ich für die Actionkomödie Kung Fury 2 mit Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender vor der Kamera.
UF: Wenn Sie an Ihre Zeit am Set von Gladiator zurückdenken: Welche Erinnerung an Russell Crowe, Joaquin Phoenix oder Ridley Scott ist Ihnen besonders gebliebenSie beschäftigen sich heute intensiv mit Fitness, Ernährung und gesundem Altern. Wie unterscheidet sich Ihr Training mit Mitte 60 von dem Training als junger Mr. Universe?
RM: Es war ein fantastisches Filmprojekt und natürlich ist man im Kontakt. Erst kürzlich habe ich zufällig Russell Crowe in München getroffen und wir haben über alte Zeiten geplaudert.
Fitness ist wichtig in jedem Alter und ist immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens d.h. kein Tag ohne Training. Gerade Krafttraining erhält unsere Muskelkorsett und wirkt dem Muskelabbau entgegen. Doch heute trainiere ich mit weniger Gewichten und mehr Wiederholungen,. Seitdem ich mich großteils vegan ernähre, sind meine Werte viel besser geworden und ich fühle mich noch fitter.
UF: Warum liegt Ihnen das Handwerk besonders am Herzen, und was motiviert Sie, sich dafür so engagiert einzusetzen?
Schon mein Vater war Schlosser und Schweißer und hat mir meine ersten Hanteln selbst geschweißt. Ich habe schon als Kind gelernt, dass man sich im Handwerk ein gutes Leben aufbauen kann, und heute sind die Chancen sogar noch viel größer als früher. Als ich von dem großem Nachwuchs- und Nachfolgemangel im Handwerk hörte, beschloß ich etwas für das Handwerk zu machen und startete mit Andreas Grewe vom Traditionsbetrieb Hans Schäfer Workwear die Aktion „Motivation Handwerk“. Mit Besuchen in Handwerksbetrieben und bei Handwerksevent geben wir dem Handwerk eine mediale Präsenz und rücken die Handwerksberufe ins Scheinwerferlicht. Eine Ausbildung im Handwerk ist kein Plan B. Ich sage immer: „Das Handwerk ist das neue Abitur, denn die Aufstiegschancen sind bestens, die Handwerksberufe sind kreativ, man bleibt in Bewegung….“
UF: Warum ist das Handwerk so wichtig für Deutschland?
Ohne das Handwerk wird in Deutschland ganz schnell überhaupt nichts mehr laufen. Wer baut unsere Häuser? Wer repariert die Heizung oder installiert die Solaranlage? Gerade bei Themen wie Wohnen, Energie und Infrastruktur brauchen wir Menschen, die die Dinge praktisch umsetzen. Wir haben in Deutschland die besten Handwerker der Welt, und ich finde, darauf sollten wir als Land wirklich stolz sein. Bei allen Problemen, die es gibt, darf man auch ruhig einmal sagen, was bei uns richtig gut funktioniert. Aber klar, auch das Handwerk hat seine Probleme, und mit „Motivation Handwerk“ versuchen wir, beim Nachwuchsmangel anzupacken.
UF: Was machen Sie heute privat am liebsten, wenn Sie einmal nicht drehen, trainieren oder beruflich unterwegs sind?
RM: Freunde treffen und reisen, es gibt noch so einiges zu Entdecken.
UF: Vielen Dank, Herr Moeller, für das interessante und inspirierende Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute sowie viel Erfolg und Freude bei Ihren kommenden Projekten.
Interview Ute Fauster / Tabula Rasa Magazin
