Im vorliegenden Band wird die Geschichte der venezianischen Malerei des 18. Jahrhunderts geschildert, einer Epoche, in der die Serenissima zu den führenden Kunstlandschaften Europas zählt, mitunter sogar den Führungsanspruch erhebt.
Am Beginn steht eine Gruppe von Künstlern (Lazzarini, Bambini, Bellucci, Balestra und Molinari), die den Übergang vom Sei- zum Settecento markiert und sich dadurch auszeichnet, dass sie sich nach und nach von den „Tenebrosi“ distanziert und dadurch der folgenden Generation den Weg zum Luminarismus weist.
Dem folgt – zum Teil im Rückblick auf Paolo Veronese – Sebastiano Ricci, dessen Licht-Malerei im Spätbarock ihren Ausgang nimmt und bis zu den Anfängen des Rokoko reicht.
Riccis Stil beeinflusste andere venezianische Künstler wie Francesco Polazzo, Gaspare Diziani, Francesco Migliori, Gaetano Zompini und Francesco Fontebasso. Er machte viele Kopien der Werken von Paolo Veronese, sowohl einzelne Köpfe als auch ganze Kompositionen. Einige dieser Kopien wurden von George III gekauft. Riccis Kunst stellte ein neues Ideal dar, eines von klarer und reicher farbenfroher Schönheit, Maler wie Pellegrini, Pittoni und Amigoni öffnen sich seinem Einflussbereich. Nicht nur seine Werke in Venedig werden vorgestellt, sondern auch seine Arbeiten im Ausland wie England. Die Arbeiten in London mit seinem Neffen Marco werden ebenfalls vorgestellt und kurz auf die eigenen Werke seines Neffen Bezug genommen.
In Opposition dazu steht Piazzetta ganz im Zeichen einer Hell/Dunkel-Malerei, der sich auch Giulia Lama und Federico Bencovich verpflichtet fühlen. Piazzetta war verantwortlich für einen neuen Zugang zu Genremotiven, und nach seinem Tod wurden seine Kompositionen von anderen Malern bis Ende des 18. Jahrhunderts nachgeahmt.

Ein besonders umfangreiches Kapitel ist Tiepolo gewidmet, der im Rekurs auf Ricci und Veronese vor allem als Fresko-Maler internationale Anerkennung findet. Giovanni Battista Tiepolos Karriere führte ihn nach 1750 auch nach Deutschland und Spanien, wo er Deckenfresken in der Würzburger Residenz und im Königlichen Palast von Madrid hinterließ.
Letztere werden in einem eigenen Abschnitt noch vorgestellt, den Arbeiten der Würzburger Residenz ist kein eigener Abschnitt gewidmet.
Dieser Band ist eine gute Mischung zwischen textlicher Einordnung und vielen scharfen Abbildungen, die manchmal eine ganze Seite umfassen. Nicht nur die Biografie und die Werke der Künstler werden angesprochen, sondern auch Informationen zur Zeitgeschichte, Verbindungen zu anderen Künstlern und Auftraggebern und die jeweilige Rezeption. Die Venezianische Malerei wird immer auch mit dem Rest Europas verbunden, denn die Hauptprotagonisten waren auch woanders begehrt und nahmen dort Eindrücke mit.
Hier wird eine spezielle venezianische Malerei von hoher und höchster Qualität um 1700 in einem voluminösen Band vortrefflich dargeboten.
Günter Brucher: Geschichte der venezianischen Malerei. Band 8: Sebastiano Ricci, Giovanni Battista Piazzetta, Giambattista Tiepolo und Umkreis, Böhlau, Wien 2025, ISBN: 978-3-205-22167-8, 89 EURO (D)
