Abschiednehmen von der Publizistin und Kulturmanagerin Dr. Anna Zanco-Prestel am Mittwoch, 24. April um 15.00 Uhr bei AETAS, 80638 München, Baldurstr. 39.

Anna Zanco-Prestel

FACE to FACE, so war eine ihrer Ausstellungen über Richard Wagner und Giuseppe Verdi tituliert.
Diese Gegenüberstellung zieht sich wie ein Leitfaden durch das Leben und Werk von der sehr engagierten Kulturschaffenden, die ihre Heimat nicht nur in Italien und Bayern, sondern vor allem in den Wurzeln Europas gesehen hat. In Planung war gerade das Thema Mittelmeer, das sie als historischen Wirkungsort genialer deutscher Künstler und Wissenschaftler in einem Medienprojekt zusammen mit der Pasinger Fabrik herausstellen wollte.

Zwei Tage vor ihrem ganz plötzlichen Tod am 8. April 2019 waren wir noch gemeinsam im König Otto Museum in Ottobrunn und haben Bayern und die großen Persönlichkeiten rund um Italien „neu“ inszeniert. Anna Zanco-Prestel lebte für solch ein Netzwerk, in dem sie die Fäden für die gegenseitige Bereicherung von Kulturen unter Künstlern knüpfen konnte. Keine Risiken und Ausgaben scheute sie um diese zeitlosen Kraftquellen mit modernen Sichtweisen zu verknüpfen. Ein markantes Beispiel dafür: Franz Graf von Pocci, der als großer Denker, Literat und Zeichner das Spiegelbild seiner Zeit auch humorvoll umzusetzen verstand. Eher bekannt als „Kasperlgraf“, verewigt mit einer U-Bahn Station in München und einem filmischen Portrait, macht uns Pocci als Zeremonienmeister unter drei Königen auf Wissenswertes, Spannendes und noch nicht Erforschtes im Leben Italiens und Deutschlands aufmerksam. Mit ihrer sehr erfolgreichen Ausstellung im Italienischen Kulturinstitut sah sie Franz Graf von Pocci auf Reisen nicht zuletzt als Weltbürger.

So hatte Anna Zanco-Prestel mit Meisterhand große Werke bayerischer Persönlichkeiten wieder ins Bewußtsein heutiger Sehweisen gerückt. Den bayerischen Verdienstorden hätte Anna Zanco-Prestel schon längst verdient. Aber wie es manchmal im Leben so ist, werden überragende Leistungen manchmal erst posthum gewürdigt. Sie hatte es als Kulturmanagerin und Autorin vom Tabularasa Magazin sicher geschafft, auch den unbekannten Größen wie dem Dirigenten Hermann Levi eine Stimme zu geben. Und mit Faust und ihrer Ausstellung im Faust-Jahr 2018 hatte sie als Kuratorin München wirklich zum Leuchten gebracht. Sie war für so manche Künstler im In- und Ausland und Wissenschaftler eine Quelle für Inspirationen. Bei aller Bescheidenheit und Zurückhaltung hatte sie eine große Herzlichkeit, Wärme und Großzügigkeit und eine mitreissende Dynamik und Tatkraft im Geiste eines humanistischen Miteinanders. Diese kreative Spontanität sollte sich immer wieder a nuovo an ihrer unerschöpflichen Gedankenwelt mit funkelnden Impulsen entzünden lassen und als „best practice“ beispielhaft weiterleben. Mit Dank verneigt sich – last not least – das Redaktionsteam vom Tabularasa Magazin vor der in Venedig gebürtigen Dr. Anna Zanco-Prestel.

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Über Angelika Weber 29 Artikel
Angelika Weber, M.A., studierte Bayerische Geschichte, Anglistik, Theaterwissenschaft, Philosophie und Geschichte der Medizin. Sie arbeitet mit nationalen und internationalen TV – Anstalten zusammen. 1997 erhielt sie für ihre Film- und Dreharbeiten das Bundesverdienstkreuz.