Auf dem sicheren Weg ins Nichts: Die CDU und ihre panische Angst vor Dialog und Kritik

Grenze Bundesrepublik, Foto: Stefan Groß

Ist es Panik? Ist es Angst? Ist es Arroganz? Oder ist es mentale Verblendung? Der aktuelle Umgang mancher Merkelianer in der CDU mit der WerteUnion lässt jedenfalls aufhorchen und Schlimmes befürchten. Das – wo auch immer ausgegebene – Narrativ folgt einem längst bekannten Muster: Wer uns, den bislang Mächtigen in der Partei, nicht kritik- und willenlos folgt, wer es gar wagt, begründete Kritik zu üben, muss als böse und unfähig abgestempelt werden. 

Mehr noch: Weil nichts so sehr zu helfen scheint wie die Verleumdung und Diskreditierung, muss nun auch jene wachsende Gruppe der Unionstreuen, die dem vorgegebenen Sprech- und Denkdiktat nicht hirnlos zu folgen bereit ist, gänzlich unmöglich gemacht werden. Und weil das ja auch sonst in der politischen und medial unkritischen Landschaft ganz gut zu funktionieren scheint, gilt aller Eifer der Nomenklatur dem Versuch, auch die WerteUnion ins rechte Eck zu drängen. Da schleudert man Begriffe wie „rechtsaußen“, „rechtspopulistisch“ und „rechtsreaktionär“ in die vermeintlich als Debatte getarnte Vernichtungsmaschinerie. Und dabei scheint es denen, die aufgrund ihrer profillosen Anpassung an Links und Linksaußen die eigenen Wahlergebnisse systematisch ins Bodenlose steuern, völlig egal zu sein, dass man auch noch die wirklich Treuen eines CDU-Inhalts verprellt. Hauptsache, man bleibt seinem eigenen Irrweg treu. 

Manche sind wohl schon so weit weg von der Wirklichkeit entfernt und haben nicht einmal Sichtkontakt zum Boden – genannt Volk -, dass ihnen der Untergang lieber zu sein scheint als jeder Mut zur Korrektur. Sie segeln ins Nichts und freuen sich offenbar, wenn nach ihnen die Sintflut kommt. Absurd. Abstoßend. Anmaßend.

Wie verblendet und ferngesteuert muss man eigentlich sein, wenn man als Stellvertretender Vorsitzender der CDU einen zugesagten Redetermin bei der Jahrestagung der WerteUnion via Medien kurzfristig absagt und jenen Selbstzerstörung unterstellt, die von der erkennbaren und offensichtlichen Selbstzerstörung der Union nicht begeistert sind – und diese vermeiden wollen? 

Wie sehr muss man als Schwiegersohn eines merkeltreuen Unionskarrieristen mental gefangen sein, wenn man vor Selbstgerechtigkeit kaum laufen kann und patzig gehorsam genau das verweigert, was man an anderer Stelle stets medienwirksam fordert: den Dialog? Es hat etwas Offenbarendes und Tragikomisches zugleich, wenn am selben Tag ein CDU-Ministerpräsident verkündet, die Zeit der Ausgrenzung müsse vorbei sein – freilich ausschließlich im Blick auf die SED-Erben -, um den in der WerteUnion Engagierten medienwirksam Dialogverweigerung und Ausgrenzung zu präsentieren? Oder anders gefragt: Wie groß und mächtig muss die blanke Angst vor Argumenten sein, wenn man sie noch nicht einmal hören will und geradezu verbieten möchte? Dialogphobie im Tarnmantel angeblicher Dialogbereitschaft?

Die – auch auf medial begleitetem Druck, soviel zur Souveränität der CDU-Spitze! – Absage des Stuttgarter CDU-Granden enthält eine erschreckende Botschaft und kommt einem Offenbarungseid gleich: Die CDU ist unter Merkel – und hier darf man die bislang noch ziemlich profilentleerte Chef-Nachfolgerin, die möglicherweise als Merkel-light ein Partei-Griff ins leere Regal war, getrost als unbelastet vermerken – tatsächlich zu einer völlig entkernten Partei geworden. Sie ist auf dem Weg ins Nichts, das aber mit arrogant selbstgerechtem Schritt und Tritt.

Aber vielleicht merken das diejenigen gar nicht, die sich dem System der linken Raute willenlos ergeben haben, sich geistig sedieren ließen und mit Posten betäubt wurden. Kein Wunder, dass in einer überzeugungsbefreiten Wirklichkeit der Anpassung an rot und grün lackierte Antidemokraten und Antichristen überzeugte Christdemokraten in der WerteUnion einfach nur stören. Wer auf der Schnellstraße zum Untergang tempoberauscht in bequemer Limousine seine Fahrt genießt, den ärgern nun mal Hinweise, dass so eine Fahrlässigkeit tödlich enden kann.

Panik? Angst? Arroganz? Verblendung? Manchmal ist es alles zusammen. Und: Wo Argumente und Kritik verboten werden, kann man nicht ewig davon ablenken, dass an die Stelle der Demokratie längst eine Diktatur des Hasses und der Verleumdung gerutscht wurde. Nichts aber zeigt die Notwendigkeit der WerteUnion deutlicher als das verächtliche Verhalten derer, die der Diskussion durch Verunglimpfung ausweichen. Und so ganz nebenbei wird auch die Frage beantwortet, ob ein Konrad Adenauer heute auch nur den Anschein einer Chance in der Christlich-Demokratischen Union hätte. Offenbar suchen derzeitige CDU-Funktionäre die garantierte Unfähigkeit zur Freiheit. WerteUnion. Nie war sie so wertvoll wie heute.

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Über Martin Lohmann 28 Artikel
Martin Lohmann studierte Geschichte, Katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften in Bonn. Er war Redakteur der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur", Ressortleiter "Christ und Welt", stellv. Chefredakteur des "Rheinischen Merkur", Chefredakteur der Rhein-Zeitung und Moderator der Livesendung "Münchner Runde" von 1996-2002.