Ein geplatzter Reifen brachte in der Nacht einen Schwertransport auf der A2 bei Kamen ins Schlingern. Der Lastwagen kippte um, der geladene Kran fiel auf die Gegenfahrbahn. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, Diesel und Hydrauliköl liefen aus.
Kurz vor ein Uhr in der Nacht kam der Verkehr auf einer der wichtigsten Ost-West-Achsen Nordrhein-Westfalens zum Erliegen. Ein Schwertransport, der auf der A2 in Richtung Hannover unterwegs war, erlitt bei Kamen einen Reifenplatzer. WDR und BILD berichten übereinstimmend, dass das Fahrzeug daraufhin ins Schlingern geriet und umkippte.
Der Transport hatte einen großen Kran geladen. Als der Lastwagen auf beziehungsweise an der Mittelleitplanke zum Liegen kam, kippte die Ladung teilweise über die Schutzanlage auf die Fahrbahn der Gegenrichtung. Damit waren nicht nur einzelne Spuren blockiert: Der Unfall legte den Abschnitt in beide Richtungen lahm.
BILD nennt als Unfallzeit 0.45 Uhr, der WDR spricht von gegen ein Uhr. Beide Angaben beschreiben denselben nächtlichen Einsatz zwischen Kamen/Bergkamen und Lünen-Süd. Fahrer und Beifahrer wurden leicht verletzt und zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht. Nach BILD-Angaben handelt es sich um einen 35-jährigen polnischen Fahrer und seinen 14 Jahre alten Sohn.
Erst musste die Feuerwehr das Umweltproblem lösen
Die Bergung konnte nicht sofort beginnen. Aus dem umgestürzten Schwertransporter liefen Diesel und Hydrauliköl aus. Für die Feuerwehr war zunächst entscheidend, zu verhindern, dass die Betriebsstoffe in den Boden oder in das nahe Gewässer Seseke gelangen.
Nach Angaben des WDR waren rund 30 Einsatzkräfte etwa drei Stunden damit beschäftigt, Öl und Diesel mit Bindemittel aufzunehmen. In der Seseke wurde zusätzlich eine Ölsperre eingerichtet. Erst danach konnte die eigentliche Bergung von Zugmaschine und Kran vorbereitet werden.
Diese Reihenfolge erklärt, weshalb ein Unfall ohne Schwerverletzte dennoch einen gesamten Autobahnabschnitt über viele Stunden blockieren kann. Ein schwerer Kran lässt sich nicht wie ein normaler Pkw oder Lkw abschleppen. Zunächst müssen Ladung und Fahrzeug gesichert, ausgelaufene Stoffe gebunden und anschließend Spezialgerät für die Bergung herangeführt werden.
Die Lage war zusätzlich kompliziert, weil der Kran die Gegenfahrbahn blockierte. Eine einfache Freigabe einzelner Spuren war deshalb am Morgen nicht möglich. Die Polizei ging davon aus, dass Bergung und Reinigung den gesamten Tag beanspruchen würden.
Sperrung in beiden Richtungen
Der WDR nennt die betroffenen Abschnitte genau: In Richtung Dortmund blieb die A2 zwischen dem Kamener Kreuz und Lünen-Süd gesperrt. In der Gegenrichtung galt die Vollsperrung zwischen dem Kreuz Dortmund-Nordost und der Anschlussstelle Kamen/Bergkamen. Pendler sollten den Bereich großräumig umfahren.
BILD berichtete am Morgen ebenfalls, die Vollsperrung werde voraussichtlich bis zum späten Abend dauern. Der Berufsverkehr traf damit auf eine bereits in der Nacht entstandene Blockade. Gerade rund um das Kamener Kreuz, wo mehrere stark befahrene Autobahnen aufeinandertreffen, entstehen bei einer solchen Sperrung rasch Ausweichverkehre auf anderen Strecken.
Die Ursache des Unfalls war nach den ersten Angaben ungewöhnlich klar: ein geplatzter Reifen. Die Polizei hatte am Morgen keinen anderen Auslöser genannt. Das Fahrzeug geriet danach ins Schlingern und kippte. Ob der Reifen selbst später noch technisch untersucht wird und weshalb er platzte, war in den frühen Meldungen nicht angegeben.
Die beiden Insassen kamen vergleichsweise glimpflich davon. Der 35-Jährige und sein 14 Jahre alter Beifahrer wurden nach den übereinstimmenden Angaben nur leicht verletzt. Angesichts der Größe der Ladung und der Tatsache, dass der Kran über die Mittelleitplanke auf die Gegenfahrbahn fiel, hätte der Unfall erheblich schwerere Folgen haben können. Über weitere verletzte Verkehrsteilnehmer berichteten die Quellen am Morgen nicht.
Ein Unfall, der vor allem durch seine Folgen groß wird
Die Schlagzeilenwirkung des A2-Unfalls entsteht weniger aus einer hohen Opferzahl als aus seiner technischen und verkehrlichen Dimension. Ein Schwertransporter liegt quer, ein Kran blockiert die Gegenrichtung, Betriebsstoffe laufen aus, ein Fluss muss mit einer Ölsperre geschützt werden und die Autobahn bleibt stundenlang geschlossen.
Der Einsatz wechselte dabei in mehreren Phasen von der Unfallrettung zum Umweltschutz und schließlich zur Bergung. Zuerst wurden Fahrer und Beifahrer versorgt. Danach band die Feuerwehr Diesel und Hydrauliköl. Erst als diese Gefahr weitgehend unter Kontrolle war, übernahm die Polizei die weitere Koordination der Bergung.
Der WDR stützte seine Angaben auf die Feuerwehr Kamen, die Polizei Dortmund und den Feuerwehrsprecher Markus Große. BILD zitierte ebenfalls die Polizei Dortmund und zeigte Aufnahmen des umgekippten Transports. Die zentrale Faktenlage ist daher übereinstimmend: Reifenplatzer, umgestürzter Schwertransport, Kran auf der Gegenfahrbahn, zwei Leichtverletzte und eine Vollsperrung bis voraussichtlich in den Abend.
Wie schnell die Fahrbahn nach der Bergung wieder freigegeben werden kann, hängt zudem von der Reinigung und einer möglichen Überprüfung von Schäden an Mittelleitplanke und Straßenoberfläche ab. Am Vormittag war deshalb noch kein früheres Ende der Sperrung angekündigt.
WELT berichtete zusätzlich, dass für den Umweltschutz nicht nur die Fahrbahn gereinigt werden sollte. Auch belastete Grünstreifen müssten nach Angaben eines Polizeisprechers teilweise ausgebaggert werden. Das erklärt den hohen Zeitbedarf: Eine Freigabe ist erst möglich, wenn ausgetretener Kraftstoff nicht mehr weiter in Boden oder Gewässer gelangen kann.
Für die eigentliche Bergung wurde ein Spezialunternehmen eingesetzt. Bei einem gewöhnlichen Lkw-Unfall können schwere Bergefahrzeuge oft vergleichsweise schnell arbeiten. Hier mussten dagegen Zugmaschine und Baukran getrennt gesichert und gehoben werden, während die Mittelleitplanke und der betroffene Straßenraum ebenfalls beschädigt beziehungsweise blockiert waren.
Die Sperrung wirkte deshalb in beide Fahrtrichtungen unterschiedlich weit. Der WDR nannte in Richtung Dortmund den Abschnitt vom Kamener Kreuz bis Lünen-Süd, in der Gegenrichtung den Bereich vom Kreuz Dortmund-Nordost bis Kamen/Bergkamen. Wer im Ruhrgebiet unterwegs war, musste nicht nur mit dem unmittelbaren Stau vor der Unfallstelle rechnen, sondern mit zusätzlichen Belastungen auf den Ausweichrouten.
Auch die Zeitangaben der ersten Meldungen zeigen den Verlauf des Einsatzes: Unfall kurz vor ein Uhr, rund drei Stunden Umweltmaßnahmen der Feuerwehr, danach Beginn der spezialisierten Bergung, anschließend Reinigung und Prüfung der Strecke. Deshalb hielt die Polizei am Vormittag an der Prognose fest, die A2 könne in dem Bereich bis in den Abend gesperrt bleiben.
Für Autofahrer blieb damit vor allem eine praktische Nachricht: Der Bereich um Kamen ist am 18. August kein gewöhnliches Nadelöhr, sondern auf der A2 in beiden Richtungen gesperrt. Der spektakuläre Anblick eines umgekippten Krans ist nur die sichtbarste Folge eines Reifenplatzers, der in wenigen Sekunden einen stundenlangen Großeinsatz auslöste.
