Chris van Otterloo: Tanaka Ryohei. Radierungen Japans. Von der Linie zur Landschaft

Lausbergs Buchtipp

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Chris van Otterloo: Tanaka Ryohei. Radierungen Japans. Von der Linie zur Landschaft, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2024, ISBN: 978-3422802704, 48 EURO (D)

 

Der japanische Grafiker Tanaka Ryōhei (1933–2019) schuf im Laufe seines Lebens über 770 Radierungen. Seine Themen fand er im ländlichen Japan. Detaillierte, fast hyperrealistische Radierungen Tanakas zeigen die allmählich verschwindenden Bauernhäuser mit Strohdach, Scheunen und Häuser. Aber auch Bäume und Reisfelder sowie Tempeldächer und -gärten waren seine bevorzugten Motive. Japans Tradition in der Herstellung von Druckgrafik reicht weit zurück. Während Holzschnitte aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert im Mittelpunkt zahlreicher Ausstellungen und Veröffentlichungen standen, wurde der Druckgrafik und Radierung der Nachkriegszeit deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Publikation ist die erste deutschsprachige Monografie, die sich dem Leben und Werk Tanaka Ryōheis widmet und den Fokus auf diese bis heute weniger bekannten Aspekte der japanischen Druckgeschichte legt. Das Buch enthält eine ausführliche Einführung in die Technik des Radierens und präsentiert über 150 Werke des Künstlers, die uns einladen, in die Stille und Harmonie der Landschaft Japans einzutauchen.

Die Publikation beginnt mit einem knappen Überblick über das Leben des Künstlers. Danach folgt ein kurzer historischer Abriss, wo die Radierung in Japan im Kontext der Druckgrafikherstellung skizziert wird. Anschließend werden Materialien und Techniken vorgestellt, die der Künstler im Laufe seines Arbeitslebens verwendete.

Der Hauptteil des Buches bildet der Katalog, eine sorgfältig ausgewählte Zusammenstellung von Tanakas Radierungen. Diese werden in chronologischer Reihenfolge seines Schaffens abgedruckt. Sie werden von Beschreibungen begleitet, in denen die besonderen Merkmale jeder Arbeit erläutert wird. In der Regel ist pro Seite eine Radierung mit Beschreibung zu sehen.

Im Anhang gibt es eine kleine Chronologie, Literatur und Referenzen sowie Informationen zum Autor.

Dokumentiert wird nicht nur ein seltenes Genre der Kunstgeschichte, sondern auch die sich wandelnden Sitten im ländlichen Japan, die dortige Landschaft und Alltagskultur.

Mit Recht nehmen die Radierungen selbst im Katalog mehr Platz ein als die Beschreibungen. Positiv anzumerken ist, dass das Buch großformatig ist, so dass viel Detail der Radierungen zu sehen ist, dagegen ist die Schriftgröße etwas klein gewählt.

 

 

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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.