Der Heilige Stein des Wawel

Geomantischer Kraftort oder Artefakt vorzeitlicher Technologie?

Krakow, Polen. Bild von Dariusz Staniszewski auf Pixabay

Der Schlosshügel in Krakau (polnisch Krakow) soll einer der sieben heiligen Orte der Welt sein, die von einer Aura heiliger Kraft umgeben sind. Sechs dieser magischen Orte können von jedermann besucht werden. Neben Krakau gehören auch die italienische Hauptstadt Rom, Jerusalem in Palästina, Mekka als heiligster Ort der Muslims und das altindische Varanasi dazu, welches die Engländer Benares nannten. Den siebten Ort kennen wir nur vom Namen her, da es sehr wenigen Menschen überhaupt vergönnt gewesen sein soll, jemals dahin vorzudringen. Der Name dieses Ortes ist Shambhala.

Die Quelle der Energie, welche diese Plätze beschirmt, ist in geheimnisvollen Steinen zu suchen. So berichtete der russische Forscher und Philosoph Nicholas Roerich in Bezug auf das legendenumwobene Shambhala, dass sich dort der „Stein des Rigden Jyepo“ befinde. Dabei soll es sich um einen merkwürdigen Stein von einem fernen Stern handeln, der am ehesten mit dem lapsit exillis – dem Grals-Stein aus Wolfram von Eschenbachs Parzival-Epos – verglichen werden kann oder mit dem Stein der Weisen westlicher Alchimie. Der größere Teil dieses Steines soll der Überlieferung zufolge in Shambhala verbleiben, während ein anderer Teil rund um die Erde zirkuliert und dabei seine magnetische (= geistige) Verbindung mit dem Hauptstein behält. Von diesem wird berichtet, daß er sich auf dem „Turm von Rigden-Jyepo“ befinden und von da aus zum Wohle der gesamten Menschheit strahlen soll. Professor George Roerich, der Sohn des Malers, vermutete, daß dieser Stein wahrscheinlich aus dem Siriussystem stammt. Ein Bruchstück des Steines wurde Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts nach Europa gesandt, um bei der Gründung der Völkerbundes zu helfen. Roerichs Expedition soll dann diesen Teil des Steines wieder nach Shambhala zurückgebracht haben. In der Tat beziehen sich einige Gemälde des Chintamani-Zyklus von Nicholas Roerich ganz offensichtlich auf diese geheime Mission.

Der Stein von Krakau nun wird als Tschakram bezeichnet. Er befindet sich im Wawelfelsen zwischen der Kathedrale und dem Schloß in der unterirdischen St. Gereon-Kapelle. Bei diesem Sakralbau handelt es sich um eine vorromanische Konstruktion, die allgemein auf das frühe Mittelalter datiert wird. Lokale Überlieferungen und Legenden legen jedoch den Schluß nahe, dass der unterirdische Raum weitaus älter sein dürfte. Den Ansatz dazu liefert eine hinduistische Legende. Sie berichtet davon, dass eine der drei Hauptgottheiten des Hinduismus den leeren Planeten durchwanderte, bevor Menschen auf der Erde lebten. Dieser Gott soll Shiva gewesen sein, der im Hinduismus als Zerstörer des Bösen gilt. Er hob der Legende nach sieben Steine von der Erde auf und hauchte ihnen seine göttliche Kraft ein. Danach schwang er sich in die Luft und warf sie aus großer Höhe auf die Erde herab. Wo diese Steine niederfielen, entstanden später prächtige Städte, die in der Weltgeschichte eine besondere Rolle spielen, und die von der Kraft, welche die Steine ausstrahlen, bis zum Ende dieses Weltzeitalters geschützt werden.

Tatsächlich wird Shiva noch heute im Hinduismus in der Form des Shiva Lingam verehrt, eines aufrecht stehenden zylindrischen Steines, der vor allem in Südindien meist aus schwarzem Granit gehauen wird. Nach Auffassung der Indologen handelt es sich bei dem Shiva Lingam um ein phallisches Fruchtbarkeitssymbol. Jedoch ist die Darstellung derart abstrahiert, dass sich auch andere Interpretationsmöglichkeiten eröffnen. So wird im Ufer-Tempel der südindischen Stadt Mahabalipuram Shiva figürlich in dem Lingam dargestellt. Dies bedeutet, dass mit dem Lingam auch ein Vimana gemeint sein kann, ein Fluggerät der altindischen Götter, an dessen einstiger Existenz nach den Arbeiten von Erich von Däniken, Lutz Gentes und Armin Risi nun auch in Europa kaum noch Zweifel herrschen dürften.

Der Tschakram auf dem Wawelhügel ist das Motiv zahlreicher Legenden. Eine erzählt davon, wie die Kraft jenes Steins bewirkte, dass Krakau zu einem mächtigen Gemeinwesen, zum Stolz und über Jahrhunderte hinweg auch zur Hauptstadt des polnischen Staates wurde. Dazu trug vor allem ein Erlebnis Fürst Kasimirs des Erneuerers (Herrschaft 1039 – 1058)bei. Er war der Enkel des polnischen Staatsgründers Boleslaw Chrobry (des Tapferen) und Sohn von König Miezko II. Als junger Mann kam er gemeinsam mit seinem Vater nach Krakau, das damals nur eine von vielen polnischen Städten war. Die Lage des königlichen Schlosses auf dem Wawel und die Legenden um den Berg faszinierten den Thronfolger. So entschloss er sich zu einer intensiven Erkundung des Hügels und seiner zahlreichen Höhlen. Dabei stieß er auch auf den Eingang zu einer Grotte, die sich zu einer langen Galerie erweiterte, welche in das Innere des Wawels führte. Nach kurzer Zeit erreichte der Fürst einen ausgedehnten unterirdischen Raum, der ihn an ein künstlich geschaffenes Gemach erinnerte. Ein sanfter, warmer Glanz erleuchtete dieses Gewölbe. Das Leuchten ging von einem großen Stein aus, der sich im Zentrum des Raumes befand. Kasimir trat näher und untersuchte den monolithischen Block. Als er dabei mit der Hand die glatte Oberfläche des Steins berührte, hörte er eine geheimnisvolle Stimme, die ihm offenbarte, dass dieser Tag und dieser Augenblick in seinem Buch des Schicksals geschrieben standen. Die Stimme gebot ihm darüber hinaus auch, seinen Königshof auf dem Wawel zu errichten, wenn die Zeit dafür gekommen sei, und Krakau zu seiner Hauptstadt zu wählen.

Das Erlebnis in dem unterirdischen Raum sollte Kasimirs Entscheidungen tatsächlich wesentlich beeinflussen. Es ist überliefert, dass der Fürst sich in seinem späteren Leben besonders in schwierigen Situationen an das erleuchtete Gewölbe und den sprechenden Stein unter dem Wawel erinnerte. Die dort vernommene Prophezeiung ließ ihn in den Machtkämpfen nach dem Tod seines Vaters Gefangenschaft und Verbannung ertragen. Als sein Schicksal sich wieder zum Besseren wendete, und er mit Hilfe seines Schutzherrn, des deutschen Kaisers Heinrichs III., wieder nach Polen zurückkehrte, bestimmte er eben Krakau zur Hauptstadt seines Reiches und den Wawel zum Sitz des Königlichen Hofes. Die Prophezeiung des Tschakrams war in Erfüllung gegangen.

Handelt es sich bei der Überlieferung von Fürst Kasimirs merkwürdigen Erlebnissen in den geheimnisvollen Gewölben unter dem Wawel nur um die romantische Erfindung patriotischer Polen, ersonnen vielleicht zu Zeiten der leidvollen Teilungen ihrer Heimat? Sicherlich nicht. Die Legende um den mysteriösen Tschakram hat einen realen Hintergrund. Seit mehreren Jahrhunderten schon bestätigen Sondengänger und sensitive Persönlichkeiten, dass der Wawel ein stark positiv erhöhtes Energieniveau aufweist. Bei diesem aus Kalkstein bestehendem Berg handelt es sich somit um einen klassischen Kraftort. Diese Tatsache wurde bereits in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch Messungen und Experimente bestätigt, welche die physikalische Fakultät der traditionsreichen Universität Krakau durchführte. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen erfuhren ihrerseits Bestätigung durch Versuche, die amerikanische und kanadische Wissenschaftler in den neunziger Jahren gemeinsam mit ihren polnischen Kollegen unternahmen. Dabei wurde auf dem Wawel eine signifikante Verstärkung und Modulierung des erdeignen Magnetfeldes festgestellt, die sich offenbar positiv auf den menschlichen Organismus und dessen psychisches Befinden auswirkt. 

Die Wissenschaftler kamen ebenfalls zu dem Schluß, dass es sich bei dem in der unterirdischen St. Geron-Kapelle gezeigten Stein nicht um den eigentlichen Tschakram handelt. Der Monolith in der Kapelle besteht aus Sandstein, und wurde dort höchstwahrscheinlich in einer symbolischen Funktion eingebaut. Das eigentliche Kraftzentrum befindet sich demnach zwar auf dem Areal der Kapelle, jedoch deutlich tiefer als das Niveau dieses Raumes. Der leuchtende und sprechende Tschakram steht in einem Gewölbe unter der St. Gereon Kapelle, welches wohl seit Kasimirs Zeiten nicht mehr zugänglich ist. Vielleicht hat der Fürst selbst den Verschluß des Einganges befohlen, damit niemand anderes in den Besitz des geheimnisvollen Steins gelangen konnte.

Allerdings gehörte der Besuch der unterirdischen St. Geron-Kapelle und das Berühren des dort aufgestellten Sandsteines lange Zeit zu den beliebtesten Ritualen der Krakauer, die bei Gebeten oder stiller Meditation hier von den positiven Schwingungen des Kraftortes profitierten. Von Seiten der katholischen Kirche stand man diesen inoffiziellen Wallfahrten nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber. Die Haltung des sehr konservativen Krakauer Klerus führte zur Schließung der St. Gerons-Kapelle vor einigen Jahren. Dennoch setzten die Einwohner der Stadt ebenso wie zahlreiche New Age Anhänger die Besuche des Wawel fort. Statt des Steines in dem unterirdischen Raum berührten sie nun die Außenwand des Gebäudes, in dem sich die Kapelle befand. Dies sahen die Konservatoren des Wawelschlosses allerdings höchst ungern, da das Ritual eine beachtliche Verschmutzung der Wand verursachte. Im Jahr 2001 wurde daher die betreffende Gebäudeseite gründlich renoviert, und nun auch behördlicherseits den inoffiziellen Wallfahrten ein Ende gesetzt. Seither wachen die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes über die Einhaltung des Verbotes.

Worum könnte es sich nun bei dem geheimnisvollen Tschakram handeln? Betrachten wir den Begriff selbst, so ergibt sich zunächst, dass das Wort keinesfalls aus dem Polnischen oder einer anderen slawischen Sprache stammt. Auch Herleitungen aus anderen europäischen Sprachen scheitern. „Tschakram“ wird als völlig eigenständiger Begriff gebraucht, mit dem die Bedeutung eines „Heiligen Steins“ assoziiert wird. Hier ergeben sich, wie eingangs dargestellt, durchaus Parallelen zum „Stein der Weisen“, wie er aus der Alchimie bekannt ist, oder auch zum Gralsstein „lapsit exillis“ des Wolfram von Escheinbach. In Anbetracht der merkwürdigen Eigenschaften des Steins, insbesondere aber auch bei Berücksichtigung des außergewöhnlich stark erhöhten Energieniveaus des Wawel bietet sich meines Erachtens eine andere Herleitung an. Die hinduistische Religion und die daraus entstandene buddhistische Philosophie kennen beide den Begriff „Chakra“. Darunter wird ein Energiezentrum verstanden, von dem der menschliche Körper insgesamt sieben, nach anderen Lehren neun besitzen soll. Den Weg zur Erleuchtung – also zur Erkenntnis des eigenen Seins und damit auch zur Gotteserkenntnis – verbinden sowohl Hindus als auch Buddhisten mit dem Öffnen und Reinigen der körpereigenen Chakras. Nach diesen Lehren besitzt auch die Erde insgesamt sieben bzw. neun Chakras, welche wir uns ebenfalls als Energiezentren vorstellen können. „Tschakram“ könnte daher eine Verballhornung des Begriffes „Chakra“ sein.

Durch die Beschäftigung mit den Lehren des chinesischen Feng Shui und des indischen Vasathi oder Vashtu sowie durch die Erinnerung an die eigenen geomantischen Traditionen und die von einigen Vertretern der Schulwissenschaft entwickelte Gaia-Theorie setzt sich nunmehr auch allmählich in Europa wieder die Erkenntnis durch, dass es sich bei unserem blauen Planeten keineswegs nur um eine unbelebte Ansammlung von Mineralien und Erzen, sondern im Gegenteil um einen komplexen lebendigen Organismus handelt, der durchaus mit der menschlichen Zivilisation zu interagieren imstande ist. Einige Vertreter der Gaja-These billigen dem Organismus Erde ein entwickeltes Bewusstsein zu. Demnach kann es an den Energiepunkten oder Chakras der Erde möglich sein, auf geistigem Wege mit dem Bewusstsein des Planeten Erde zu kommunizieren. Krakau ist eines dieser irdischen Energiezentren, der „Tschakram“ möglicherweise der Zugang zu einer Kommunikation mit Gaja.

Auch eine andere These soll hier diskutiert werden. An den Überlieferungen und Legenden um den Tschakram des Wawel mutet die Tatsache merkwürdig an, dass zur Erläuterung dieses Phänomens die Mythologie eines anderen Kulturkreises bemüht wird. Nicht der christliche Gott, kein Engel oder Teufel, sondern der hinduistische Shiva hat den Tschakram des Wawel entstehen lassen. Ich habe selbst in mehreren Arbeiten ebenso wie Lutz Gentes und Armin Risi in ihren Werken nachgewiesen, dass es sich bei den hinduistischen „Göttern“ des alten Indien keineswegs um mythologische Wesen handelte, sondern vielmehr um die Vertreter einer vorzeitlichen, möglicherweise außerirdischen Zivilisation. Erinnern wir uns im Zusammenhang mit der für den Fürsten Kasimir ausgesprochenen Prophezeiung außerdem daran, dass auf Anweisung der hinduistischen Gottheiten tatsächlich präzise Zukunftsvorhersagen aufgezeichnet worden sind. Diese Voraussagen sind in den indischen Palmblattbibliotheken niedergelegt, deren Existenz und präzise Prognosen inzwischen auch im Westen bekannt wurden. Demnach könnte der Tschakram des Wawel auch eine technische Hinterlassenschaft dieser präantiken Hochkultur sein, möglicherweise eine Art „Zeitkapsel“ die unschätzbare Informationen über die Herkunft der Menschheit und ihre immer noch weitgehend im Dunkel liegende Frühzeit enthält. Die weitere Suche nach dem von Fürst Kasimir einst aufgefundenen Zugang zu dem Gewölbe, in dem sich der Tschakram des Wawel befindet, lohnt also trotz aller zu erwartenden Hindernisse.

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Verwendete Literatur

Gentes. Lutz, Die Wirklichkeit der Götter, München 1998

Risi, Armin, Gott und die Götter, Zürich, 1999

Risi, Armin, Machtwechsel auf der Erde, Zürich, 2001

Roerich, Nicholas, Shambhala, The Resplendent, Talai-Pho-Brang, 1928

Ritter, Thomas, Die Geheimnisse indischer Palmblattbibliotheken, Lübeck, 2001

Storyteller Verlag, Das legendäre Krakau, Krakow, 1998

Waterstone, Richard, Living Wisdom India, London, 1995

Westwood, Jennifer, Shangri-La – Das geheime Utopia in Sagen – Mythen – Menschheitsrätsel, München, 1990

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Über Thomas Ritter 46 Artikel
Thomas Ritter, 1968 in Freital geboren, ist Autor und freier Mitarbeiter verschiedener grenzwissenschaftlicher und historischer Magazine. Thomas Ritter hat zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. Außerdem veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren Reisen auf den Spuren unserer Vorfahren zu rätselhaften Orten sowie zu den Mysterien unserer Zeit. Mit seiner Firma „Thomas Ritter Reiseservice“ hat er sich auf Kleingruppenreisen in Asien, dem Orient, Europa und Mittelamerika spezialisiert. Mehr Informationen auf: https://www.thomas-ritter-reisen.de Nach einer Ausbildung zum Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital, der Erlangung der Hochschulreife und abgeleistetem Wehrdienst, studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der TU Dresden von 1991 bis 1998. Seit 1990 unternimmt Thomas Ritter Studienreisen auf den Spuren früher Kulturen durch Europa und Asien.