Utsuro Bune – Die Schöne aus dem Meer und ihr geheimnisvolles Schiff

Die Schöne aus dem Meer und ihr geheimnisvolles Schiff

Utsuro Bune. Bild: Thomas Ritter

Einer der ersten modernen UFO Kontakte soll sich 1803 in Japan zugetragen haben. Die Geschichte berichtet von “Utsuro-Bune”, einer mysteriösen Frau, die aus den Tiefen des Pazifiks in einem runden Schiff aufgetaucht sein soll. Untersuchungen der zeitgenössischen Malereien, die jenen Vorfall darstellen, zeigen ein kreisrundes Objekt, welches tatsächlich an eine „fliegende Untertasse“ erinnert.  Eine hellhäutige, rothaarige Frau befand sich im Innern des Schiffes. Sie trug weiche, leichte Kleidung unbekannter Herkunft und bewahrte eine geheimnisvolle, quadratische Schachtel. Ihre Sprache hatte noch niemals vorher jemand in Japan vernommen. Woher kam sie? Was war in der geheimnisvollen Schachtel? Niemand weiß es bis heute. Noch merkwürdiger ist an der Geschichte, daß die seltsame Frau und ihr Boot an den verschiedensten Orten in Japan auftauchten.  

UFO Enthusiasten behaupten, die schöne Fremde sei eine Außerirdische gewesen. Sie begründen ihre Überzeugung damit, daß im Ozean südlich von Japan das sogenannte „Drachen Dreieck“ (auch als Teufelssee bekannt) liegt – einer Meeresregion, die mindestens ebenso rätselhaft und gefährlich sein soll wie das Bermuda Dreieck in der Karibik. Eine große Anzahl Schiffe und mindestens 800 Menschen sind hier spurlos verschwunden.  Manche glauben, das Außerirdische auf dem Meeresgrund in beiden Regionen geheime Basen unterhalten. Utsuro Bune und ihr Schiff kämen demnach aus der Teufelssee. 

Die Quelle der Geschichte ist ein Dokument aus einem japanisches Buch des 19. Jahrhunderts mit dem Titel „Geschichten von Verschollenen“. Es enthält einen Bericht über ein 3 m hohes, kreisrundes Boot mit einem Durchmesser von 5 m, welches im Gebiet der heutigen Präfektur Ibaraki strandete. Das Boot war scheinbar aus Metall und hatte im oberen Drittel Fenster mit Scheiben aus Bergkristall oder Glas. Im Innern des Schiffes waren Schriftzeichen in einer den Japanern unbekannten Sprache angebracht.   

Die Legende berichtet, daß am 22. Februar 1803 Fischer aus Harayadori in der Provinz Hitachi (heute Präfektur Ibaraki) ein merkwürdiges Schiff in der Dünung driften sahen. Sie schleppten ihren Fund an Land und untersuchten ihn. Das Boot hatte eine Höhe von 129.9 Inches und einen Durchmesser von 212.6 Inches. Es erinnerte die Fischer nach ihren eigenen Worten an einen Kohako – die japanische Form eines Räucherofens. Der obere Teil des Schiffes bestand aus rotem geschnitzten Rosenholz, während der Unterwasserbereich mit Bronzeplatten verkleidet war. Sie sollten wohl Schutz gegen Parasiten und auch Berührungen des Grundes in küstennahen Gewässern bieten. 

Im oberen Bereich des Bootes befanden sich zahlreiche Fenster mit Scheiben aus Glas oder Bergkristall, die offenbar mit einer Art Harz eingeklebt wurden, und durch eiserne Schutzgitter gesichert waren. Diese Fenster waren komplett durchsichtig und boten den verblüfften Fischern Einblicke in das Innere des Bootes. Dessen Wände waren mit unbekannten Schriftzeichen bedeckt. 

Die Fischer fanden in dem Boot zwei Bettdecken, ein Gefäß mit 3,6 Litern (anderen Quellen zufolge 36 Liter) Wasser, etwas Kuchen und mürbes Fleisch. Dann entdeckten sie eine wunderschöne Frau, deren Alter sie auf etwa 18 bis 20 Jahre schätzten. Sie war ca. 1,60 m groß, hatte rotes Haar und ebensolche Augenbrauen. Das Haar war mit künstlichen weißen Strähnen verlängert, so, wie sie noch nie jemand zuvor gesehen hatte. Ihre Haut war ausnehmend blaß mit einem fahl violetten Ton. Sie trug lange, weiche und offenbar sehr wertvolle Kleider unbekannter Herkunft. Als sie zu den Fischern sprach, verstand niemand, was sie sagte. Ihr ging es ebenso, so daß die Fischer auch nicht herausfinden konnten, woher sie kam. Obwohl die mysteriöse unbekannte freundlich und umgänglich wirkte, wurde sie jedoch abweisend, sobald jemand jener quadratischen Schachtel zu nahekam, welche sie stets bei sich führte. Diese Schachtel war aus einem hellen Material gefertigt, und hatte eine Kantenlänge von 23.62 Inches. Die Frau erlaubte niemandem, diese Schachtel zu berühren, egal wie freundlich oder dringlich sie danach gefragt wurde.

Diese Geschichte trug sich zur Zeit des Shogunats zu (1603 – 1867), als das feudale Japan komplett isoliert vom Rest der Welt lebte, und sich bewußt insbesondere von westlichen Einflüssen abgrenzte. 

Kein Wunder ist daher, das die Gegenwart von jemandem, der aus der Ferne kam, die Menschen dazu bewog, dieses Ergebnis in Bildern und Schriften festzuhalten. 

Kasuo Tanaka, Professor an der Gifu Universität in Tokyo beschäftigt sich seit 1997 mit der Legende von Utsuro-bune. Er untersuchte speziell die Vermutung, daß es sich bei dem Vorfall um eine “Begegnung der 3. Art“, also den direkten Kontakt mit einer außerirdischen Intelligenz gehandelt haben könnte.  Für Tanaka ist die Besonderheit des Vorfalls insoweit erwiesen, als er bei dem Studium aller ihm zugänglichen Quellen auf keinerlei vergleichbares stieß. Ein Schiff oder Boot herkömmlicher Bauart hätte keine solch große Aufregung verursacht.

Ein alter Mann aus einem Küstendorf berichtete demzufolge: “Diese Frau mag eine Prinzessin aus einem fernen Land gewesen sein, die zu Hause gegen ihren Willen verheiratet wurde. Als sie nach der Eheschließung eine Affäre mit einem ihrer Untergebenen begann, verursachte dies einen beträchtlichen Skandal, und ihr Liebhaber wurde hingerichtet. Dieses Schicksal war auch der untreuen Prinzessin bestimmt, doch hatte sie vielleicht so viele Sympathien auf ihrer Seite, daß sie der Todesstrafe entkam, und stattdessen in dem Boot ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen wurde. Wenn diese Erklärung zutrifft, dann enthielt die geheimnisvolle Schachtel vielleicht den Kopf ihres Geliebten. Dies würde auch erklären, warum sie diese Schachtel derart behütete.  In der Vergangenheit wurde ein ähnliches Objekt mit einer Frau an Bord an einem Strand in der Nähe angeschwemmt. Dabei wurde ebenfalls eine Schachtel mit dem abgetrennten Haupt eines Mannes gefunden.“

Offensichtlich war den Fischern damals diese Erklärung auch bekannt, denn sie taten etwas, das wir heutigen als ungeheuerlich und grausam empfinden. Sie brachten die Frau zurück an Bord ihres Schiffes, schleppten es frei, und überließen es wieder Wind und Wellen. Das war ihr Schicksal, und die Fischer respektierten es.

Am 24. März 1803 strandete an der Küste von Harato-no-hama in der Provinz Hitachi ein weiteres mysteriöses Boot. Es erinnerte die Augenzeugen von seiner Form her an einen Reiskochtopf, und war in der Mitte mit einem metallenen Ring verstärkt. Das Boot war komplett schwarz gestrichen, und der Unterwasserrumpf mit Eisenplatten verstärkt, während es im oberen Teil vier kleine Fenster oder Bullaugen hatte, deren Scheiben mit Baumharz eingeklebt und durch eiserne Gitter geschützt waren.

Das Boot hatte eine Höhe 131,1 Inches und einen Durchmesser von 212,9 Inches. Eine Frau im Alter von etwa 20 Jahren wurde in seinem Inneren gefunden. Sie war etwa 1,60 m groß und von weißer Hautfarbe. Sie wird als wunderschön beschrieben und trug ihr langes Haar zum Zopf geflochten. Ihre Bekleidung und Sprache waren den Japanern vollkommen unbekannt. Auch sie bewahrte eine Schachtel mit unbekanntem Inhalt bei sich, die niemand berühren durfte.  Das Innere des Bootes war mit sehr weichen Stoffen und Teppichen ausgekleidet, die in Japan unbekannt waren. Brot, Fleisch, Wasser und weitere Vorräte befanden sich ebenso in dem Boot wie ein wunderschöner Becher mit unbekannten Ornamenten.

Es gibt Belege für weitere Sichtungen dieser unbekannten Boote in Japan. So entdeckte Professor Tanaka Hinweise die Orte Hirokata Zuihitsu und Oshu Kuzakki in den Jahren 2010 und 2012 bei der Untersuchung zweier seltener Federzeichnungen, welche diese Ereignisse zum Gegenstand haben. Dort wird als Ort einer weiteren Sichtung Minato Boshu angegeben. 

Die Quelle dieser Überlieferungen könnte in einer Legende über den Ursprung der Kawano Dynastie zu suchen sein. Im 7. Jahrhundert lebte ein Fischer namens Wakegoro auf der Insel Gogo. Er fand ein dreizehnjähriges Mädchen in einem Utsuro-bune im Meer treibend. Nach ihrer Rettung erzählte ihm die Kleine, sie sei die Tochter des chinesischen Kaisers, die vor ihrer Stiefmutter über das Meer flüchten mußte. Der Fischer taufte sie Wake-hime (Prinzessin Wake) und zog sie groß. Später heiratete sie einen Prinz aus der Provinz Iyo. Ihr gemeinsamer Sohn erhielt den Namen Ochimiko. Er wurde zum Begründer der Kawano Dynastie. Ein Teil dieser Geschichte berichtet auch, das Prinzessin Wake die ersten Seidenraupen von China nach Japan brachte. Sie wird noch heute in einem Shinto Schrein im Dorf Funakoshi auf der Gogo Insel verehrt. 

Die ersten historischen Untersuchungen des Utsuro-bune Vorfalls führte 1844 Kyokutei Bakin (1767–1848) durch. Er bezieht sich auf ein Buch mit dem Titel Roshia bunkenroku (Berichte über Dinge, die aus Rußland bekannt sind), welches von Kanamori Kinken verfaßt wurde. Das Buch beschreibt unter anderem traditionelle russische Bekleidungen und Haartrachten. Danach war es damals üblich, das Haar mittels Puder weiß zu färben. Ebenso werden russische Frauen aus rothaarig beschrieben. Traditionelle russische Gewänder passen zu der Kleidung, welche die Unbekannte an Bord des mysteriösen Bootes trug. Kyokutei schloß daraus, daß diese Frau möglicherweise aus Rußland stammte. Nach seinen Recherchen unterschieden sich die überlieferten Berichte nur minimal. Ihn interessierte darüber hinaus besonders die Schriften an Bord des Bootes, da er überzeugt war, ähnliches auf einem britischen Walfänger gesehen zu haben, der 1824 in der Hitachi Provinz strandete. Kyokutei war überzeugt, die unbekannte Schöne müsse eine russische oder britische Prinzessin gewesen sein. In seinen Untersuchungen brachte er auch seinen Unmut über die Zeichnungen zum Ausdruck, welche das Geschehen darstellen sollten, da sie sich nicht mit den Augenzeugenberichten deckten.

In den Jahren 1925 und 1962 nahm sich der Ethnologe und Historiker Yanagida Kunio des Vorfalls an. Nach seiner Meinung waren kreisförmige Boote nichts Ungewöhnliches in Japan. Lediglich die westlich anmutenden Details aus Glas und Metall würden dem Utsuro-bune ein exotisches Aussehen geben. Er fand ebenso heraus, daß sich die Berichte im Grunde alle glichen – jemand fand eine weiße unbekannte Schönheit in einem seltsamen Boot am Strand, und rettete sie entweder oder schickte sie aufs Meer zurück. 

Dabei beschreiben die ältesten Versionen der Utsuro-bune einfache, runde und offene Boote. Yanagida mutmaßt, daß Details wie bronzene Schutzplatten oder gläserne Fenster später hinzugefügt worden sein, um die Seegängigkeit eines solchen Gefährtes plausibler erscheinen zu lassen. 

Auch der bereits erwähnte Prof. Dr. Kazuo Tanaka hält die Utsuro-bune nicht für UFOs oder fremde Schiffe, sondern für einen Mix aus Folklore und Phantasie. Nach seiner Meinung spiegeln diese Beschreibungen lediglich die Befürchtungen der damaligen Bevölkerung vor negativen ausländischen Einflüssen wider. Daher sind in den Legenden die Boote auch zumeist wieder aufs Meer zurückgesandt worden. Historische Orte seien für das Geschehen ohnehin nicht auszumachen, die genannten Dörfer lediglich eine Fiktion, da in keiner zeitgenössischen Chronik oder sonstigen offiziellen Dokumenten des Shogunats nachzuweisen. 

Immerhin muß aber auch Prof. Tanaka anerkennen, daß die damaligen und heutigen Schreibweisen für Orte und Regionen sich erheblich unterscheiden. Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, die Utsuro-bune Vorfälle ins Reich der Fabeln zu verbannen. 

Sowohl Tanaka als Yanagida sind überzeugt, daß die Menschen der Edo Epoche großes Interesse an paranormalen Ereignissen wie Poltergeistern, fliegenden Lichtern und Monstern zeigten, so daß Berichte über exotische Boote zu diesem Zeitgeist passen, wie eben Geistererscheinungen ins viktorianische England.   

Der Begriff Utsuro bedeutet nach Tanaka „leer“ oder „verlassen“ und Bune einfach „Boot“. Zusammen steht tsuro-bune für ein leeres oder verlassenes Schiff. 

Dennoch sollte man die Utsuro-bune Vorfälle nicht vorschnell ins Reich der Märchen und der Folklore abschreiben. Die Beschreibungen und Zeichnungen der Boote und ihrer weiblichen Insassinnen sind einerseits zu präzise, zu umfassend und zu häufig, um nur der Phantasie furchtsamer Fischer entsprungen zu sein.   

Anderseits muß auch das Fehlen von offiziellen Notizen zu diesen Vorfällen nicht unbedingt dafür sprechen, daß sie sich nicht ereignet haben. Gemäß den Regularien des Shogunats waren nur Fremde der Obrigkeit anzuzeigen, die sich eigenmächtig vom Strand ins Landeinnere entfernten. Möglicherweise, um Ärger mit ihren Feudalherren zu vermeiden, schickten die Fischer die Utsuro-bune deshalb aufs offene Meer zurück. Es dürfte daher interessant sein, unter Zuhilfenahme moderner Strömungs- und Wetterberechnungen mittels Computeranimationen die mögliche Herkunft der merkwürdigen Boote zu ermitteln. 

Lange schien es, als gehörten die Utsuro-bune der Vergangenheit an. Doch seit 2015 werden in Japan wieder unbekannte Boote treibend vor den Küsten des Inselreiches aufgefunden. Wieder sind es zahlreiche Sichtungen. 

Doch diesmal handelt es sich nicht um Schiffe einer unbekannten Bauart, sondern um einfache Holzboote ohne moderne Navigationsinstrumente. Wo sie herkommen, ist umstritten, doch ihre Fracht ist schrecklich. Die japanische Küstenwache fand an Bord der unbekannten Boote menschliche Leichen in unterschiedlich fortgeschrittenem Stadium der Verwesung.

Quelle:

http://theunexplainedmysteries.com/Utsuro-Bune-UFO.html

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Über Thomas Ritter 59 Artikel
Thomas Ritter, 1968 in Freital geboren, ist Autor und freier Mitarbeiter verschiedener grenzwissenschaftlicher und historischer Magazine. Thomas Ritter hat zahlreiche Bücher und Anthologien veröffentlicht. Außerdem veranstaltet er seit mehr als zwanzig Jahren Reisen auf den Spuren unserer Vorfahren zu rätselhaften Orten sowie zu den Mysterien unserer Zeit. Mit seiner Firma „Thomas Ritter Reiseservice“ hat er sich auf Kleingruppenreisen in Asien, dem Orient, Europa und Mittelamerika spezialisiert. Mehr Informationen auf: https://www.thomas-ritter-reisen.de Nach einer Ausbildung zum Stahlwerker im Edelstahlwerk Freital, der Erlangung der Hochschulreife und abgeleistetem Wehrdienst, studierte er Rechtswissenschaften und Geschichte an der TU Dresden von 1991 bis 1998. Seit 1990 unternimmt Thomas Ritter Studienreisen auf den Spuren früher Kulturen durch Europa und Asien.