Der Völkermord an den Armeniern – Erdogan versucht’s weiter

Die Vision eines „rassisch reinen“ Südkaukasus

Am 24. April jährt sich der Beginn dieses Genozids von Moslems an den tiefgläubigen, christlichen Armeniern. Vor genau 106 Jahren begann der Völkermord, hier eines der raren Bilder aus Armenien, von 1916. Es ist grauenerregend – armenische Mädchen, von Soldaten des jungtürkischen Regimes gekreuzigt. Und der Völkermord soll weitergehen, wenn es nach dem Machthaber in der Türkei geht.

Das Armenien, das bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts existierte, ist ausgelöscht. Das Bild der armenischen Mädchen, gekreuzigt – es ist symbolisch, eine Originalquelle. So sah es, wer sehen wollte, vor etwas mehr als hundert Jahren überall in West- und Zentralarmenien, einem Gebiet, das heute vom türkischen Staat als „Nordost-Anatolien“ bezeichnet wird. Und diese Landnahme geht aktuell weiter. Im vergangenen November überfiel das türkische „Brudervolk“ der Aseris die Armenier im Südosten ihres seit anderthalb Jahrtausenden angestammten Siedlungsgebietes – in der Region Berg-Karabach, die im übrigen nur durch eine Verwaltungsverfügung innerhalb der einstigen Sowjetunion zu Aserbaidschan gehört, also vom Mutterland getrennt wurde. Nur mit großer Mühe konnte also ein erneutes Aufflammen des Völkermordes im Südosten des legitimen armenischen Siedlungsgebietes verhindert werden.

Die Reihe der Massaker gegen die Armenier und die anderen, uralten christlichen Kirchen im Osmanischen Reich ist lang. Der bislang schlimmste Übergriff auf die Armenier, der im minutiös geplanten Völkermord enden sollte, begann am 24. April 1915. In Konstantinopel, heute Istanbul genannt, wohnten zehntausende Armenier. Sie waren teils aus ihrer armenischen Heimat in die große Stadt geflohen, weil sie da nicht aufzufallen hofften. Doch nun wurden sie auch hier verhaftet und fast ausnahmslos ermordet. In Armenien selbst ging das Morden nur umso schlimmer weiter. Es ging um nichts weniger als die Vision von einer rassisch „reinen“ Türkei. Die Waffenbrüder aus dem Deutschen Kaiserreich halfen im übrigen willig beim Völkermord an ihren christlichen Brüdern.

Die Vorstellung ist heute dieselbe wie damals. Es soll eine religiös „gesäuberte“, hundertprozentig dem sunnitischen Islam anhängende Bevölkerung geben. Atatürk war offenbar nur die laizistische Ausnahme. Die Bundesregierung in Berlin lässt das im übrigen völlig kalt, genauso wie die Reichsregierung der Jahre 1915 bis 1917. Die Armenien-Resolution des Bundestages von 2. Juni 2016, in der erstmals in Deutschland offiziell das Wort „Völkermord“ verwendet wurde, wird faktisch nicht umgesetzt. Auf eine Anfrage der „Linken“ antwortete das Auswärtige Amt namens der Bundesregierung unter der Drucksachennummer 19/10340 am 20. Mai 2019 sehr vielsagend: „Die Bundesregierung versteht diese Sprache als politische und nicht als juristische Einordnung der Geschehnisse von 1915 und 1916.“ Was übersetzt nicht anderes als dies bedeutet: der Völkermord wird nach Kräften ignoriert.

Straflosigkeit für die Völkermörder

Im Schatten der Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges wurde die Bestrafung der Verantwortlichen nicht einmal versucht, bis 1921 die regionalen Pogrome, ging der Völkermord also örtlich weiter. In den Jahren 1922 und 1923 geschah dann Vertreibung der Pontos-Griechen aus dem mehrheitlich griechischen Smyrna, dem heutigen rein türkischen Izmir, und die völkermordartige „Säuberung“ von Adrianopel, dem heutigen Edirne – alles im Zuge der Gründung der heutigen Türkei. Das waren weitere schreckliche Menschheitsverbrechen, und vor allem ist die Vertreibung von bis zu zwei Millionen Griechen zu nennen, seit knapp 3.000 Jahren in Ionien – von den Türken „Westanatolien“ genannt – ansässig waren. Der Baubeginn für den „rassereinen“ Staat eines türkischen „Herrenvolkes“ war schon 1923. Und ein deutscher Diktator hat sich dieses Experiment zehn Jahre später sehr gut angeschaut.

Der Völkermord an den Armeniern blieb völkerrechtlich praktisch ungesühnt. Das haben Hitler und auch Stalin wohl bemerkt. Im Dritten Reich war die Auslöschung wesentlicher Teile Armeniens, war der türkische Völkermord sogar Vorbild und Blaupause für die Planung des Menschheitsverbrechens schlechthin, den Holocaust. Stalins Ausrottung der Kulaken, der „Holodomor“, fällt ebenfalls in diese furchtbare Kategorie. Doch die Grundlage für die Schaffung des Staates am Bosporus war zu allen Zeiten der Islam, auch wenn der Atatürk von 1923 an den Laizismus propagierte. Seit jüngster Zeit wandelt sich die Türkei folgerichtig zurück und wird strikt islamisch, ja, islamistisch. Und tritt als verdeckter Kriegspartei in einem Krieg des Brudervolkes, der Aseris, gegen die Armenier auf.

Der Schweizer Samuel Zurlinden, ein erfahrener Orientalist und Orientreisender war Augenzeuge des Holocausts an den Armeniern. Er beschreibt anschaulich, was im Vorgängerstaat der heutigen Türkei vor etwas mehr als 100 Jahren, 1915, passierte: „Donnerstag, den 1. Juli, wurden alle Straßen von Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett bewacht, und das Werk der Austreibung der Armenier aus ihren Häusern begann. Gruppen von Männern, Frauen und Kindern mit Lasten und Bündeln auf dem Rücken wurden in einer kleinen Querstraße in der Nähe des Konsulats gesammelt und, sobald etwa hundert zusammengekommen waren, wurden sie von Gendarmen mit aufgepflanztem Bajonett am amerikanischen Konsulat vorüber in Hitze und Staub auf der Straße nach Erzerum hingetrieben. Außerhalb der Stadt ließ man sie halten, bis etwa 2.000 beisammen waren; dann schickte man sie weiter. Drei solcher Gruppen, zusammen etwa 6.000, wurden während der ersten drei Tage verschickt und kleinere Gruppen aus Trapezunt und der Umgebung, die später deportiert wurden, beliefen sich auf weitere 4.000. Das Weinen und Klagen der Frauen und Kinder war herzzerreißend.“

Christenverfolgung damals – und heute?

„Der durch die Proklamierung des ‚Heiligen Krieges’ – des Dschihad, d. Red. – entfesselte Religionsfanatismus der Moslem hat in unsern Tagen eine Christenverfolgung hervorgebracht, welche alle ähnlichen Perioden der Weltgeschichte tief in den Schatten stellt“, so schreibt Zurlinden, und so erleben wir es heute. Und weiter: „Daß man vor allem das Christentum und die Christen treffen wollte, beweist schon die lange Liste von Namen armenischer Bischöfe und Metropoliten, welche eingekerkert, gefoltert, ausgewiesen, gehängt, lebendig verbrannt oder ertränkt wurden, zum Teil ehrwürdige Greise bis zu neunzig Jahren, die auch der größte Lügen-Virtuose der deutsch-türkischen Propaganda (…) nicht als einer Verschwörung fähig und schuldig erklären würde. Es beweist dies der Hohn der mohammedanischen Henkersknechte, welche Jesus lästerten und ihre röchelnden Opfer fragten, ob ihr Prophet ihnen nun helfen könne. Dafür sprechen auch die Schändungen der christlichen Kirchen, von denen die Kreuze heruntergerissen wurden, die man plünderte, verunreinigte oder als Markthallen und Läden zum Verkaufen der Effekten der getöteten Verbannten verwendete.“

„In manchen Städten und Dörfern wurden die christlichen Kirchen sofort in Moscheen umgewandelt (in Erzerum auch die katholische Kirche); in Gürün hörte noch während des Auszugs der Deportation die dem Tode geweihte Schar, wie die Mollahs von den Dächern der christlichen Kirchen zum Gebet der (muslimischen – d. Red.) Gläubigen riefen. In Erzingian machte man aus der armenisch-gregorianischen Kirche einen öffentlichen Abort. In Tarmeh, zwischen Samsun und Unjeh, wurde nach der Verwandlung der Kirche in eine Moschee dem armenischen Priester zum Spott ein Turban umgewickelt. Alsdann mußte er den Namas machen (das mohammedanische Gebet) und den muhammedanischen Gottesdienst halten. Die Frage, ob ein Armenier ‚schuldig’ oder ‚unschuldig’ ist, (…) existiert für das Bewusstsein eines Mohammedaners nicht, da es sich um Christen handelt.“

Wann kommt der nächste Angriff auf Armenien?

Das Armenien, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte, ist ausgelöscht – das heutige Armenien existiert. Es ist aber nur noch ein kleiner Teil dieser uralten Kulturnation, und der Völkermord von türkischer Hand hat von Grund auf das verändert, was „Armenien“ genannt wird, auch wenn Tradition und Glauben – beide übrigens weitaus älter als alle Traditionen des Türkentums – natürlich ungebrochen sind. Mehmet II. Fatih, der Eroberer des christlichen Konstantinopel, scheint das Vorbild heutiger Tage zu sein. Fatih bedeutet „der Eroberer“. Nach ihm sind zahlreiche DITIB-Moscheen in Deutschland benannt. Atatürk war, nicht zuletzt aus diesem Blickwinkel, nur ein laizistischer Schlenker in der muslimisch-osmanisch-türkischen Geschichte.

Ein neuer Sultan möchte nun, im 21. Jahrhundert, das erschaffen, was noch nie existierte: eine rassisch-religiös reine Türkei unter dem Banner des Propheten, der die Missionierung mit dem Schwert befohlen hat. Der heutige Sultan, der über das historische West-Armenien herrscht, heißt Recep Tayyib Erdogan. Er möchte auch „Fatih“ sein, er beanspruchte jüngst die Herrschaft über Jerusalem – ganz so wie seine Vorgänger als Sultan. Er bedroht zudem das christliche Griechenland. Und er wird den Völkermord an den Armeniern so lange fortsetzen, bis alle Christen im Südkaukasus vertrieben, bis alle jungen christlichen Frauen gekreuzigt sind. Wenn wir es zulassen.

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