DFB-Elf: Wer ist Jürgen Klopp wirklich? Vom Mainzer Zweitliga-Profi zum Bundestrainer

fußball ball sport dynamik deutschland farben, Quelle: geralt, Pixabay License Freie kommerzielle Nutzung Kein Bildnachweis nötig

Jürgen Klopp ist dort angekommen, wo ihn viele schon seit Jahren sehen wollten. Der frühere Trainer von Mainz 05, Borussia Dortmund und des FC Liverpool übernimmt die deutsche Nationalmannschaft. Seine Laufbahn handelt von Aufstiegen und Meisterschaften, aber auch von Erschöpfung, einem umstrittenen Wechsel zu Red Bull und der Frage, ob sein größtes Talent tatsächlich auf dem Trainingsplatz liegt.

Am 24. Juli 2026 unterschrieb Jürgen Klopp am DFB-Campus in Frankfurt einen Vierjahresvertrag. Am 15. August tritt er die Nachfolge von Julian Nagelsmann an. Der Deutsche Fußball-Bund verpflichtete außerdem Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender als Co-Trainer. Klopps erstes Spiel ist für den 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande angesetzt. Der Vertrag umfasst die Europameisterschaft 2028 und die Weltmeisterschaft 2030.

Der neue Bundestrainer kommt nicht aus der üblichen Laufbahn eines ehemaligen Nationalspielers. Klopp bestritt kein Länderspiel und spielte nie in der Bundesliga. Als Profi blieb er elf Jahre lang beim selben Zweitligisten. Seine Trainerkarriere begann nicht nach einer sorgfältig geplanten Übergangszeit, sondern mitten im Abstiegskampf von Mainz 05.

Mainz 05: Spieler, Notlösung, Aufstiegstrainer

Jürgen Norbert Klopp wurde am 16. Juni 1967 in Stuttgart geboren und wuchs in Glatten im Schwarzwald auf. Über mehrere Amateurvereine kam er 1990 von Rot-Weiss Frankfurt zum 1. FSV Mainz 05. Für die Mainzer absolvierte er 325 Spiele in der Zweiten Bundesliga und erzielte 52 Tore. Die Bundesliga führt ihn bis heute als Rekordspieler des Vereins in dieser Spielklasse. Klopp begann im Angriff und rückte später in die Abwehr.

Im Februar 2001 steckte Mainz im Abstiegskampf. Manager Christian Heidel beförderte den verletzten Ersatzspieler zum Cheftrainer. Die Vereinschronik von Mainz 05 beschreibt diesen Fastnachtsdienstag als Beginn der sportlichen Neuzeit des Klubs. Klopp gewann sechs seiner ersten sieben Spiele und hielt die Mannschaft in der Liga.

Der Aufstieg gelang nicht sofort. Mainz scheiterte zweimal knapp, ehe der Verein 2004 erstmals in die Bundesliga einzog. Klopp hielt die Mannschaft in den beiden folgenden Spielzeiten in der Klasse. 2005 nahm Mainz über die Fair-Play-Wertung am UEFA-Pokal teil. Nach dem Abstieg 2007 blieb Klopp im Amt. Als der direkte Wiederaufstieg 2008 verpasst wurde, verließ er den Verein nach insgesamt 18 Jahren.

In Mainz entstand bereits die Arbeitsweise, die später mit seinem Namen verbunden wurde: klares Pressing, hohe Laufbereitschaft, schnelle Angriffe nach Ballgewinnen und ein enger Austausch mit den Spielern. Klopp trat öffentlich lebhaft auf, doch seine Mannschaften waren nicht improvisiert. Training und Spielvorbereitung folgten festen Abläufen.

Borussia Dortmund: zwei Meisterschaften und ein verlorenes Finale

Borussia Dortmund holte Klopp im Sommer 2008. Der Klub hatte sich wirtschaftlich von einer schweren Krise erholt, gehörte sportlich aber nicht zur deutschen Spitze. Klopp setzte auf junge Spieler. Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Nuri Şahin, Mario Götze, Sven Bender und später Robert Lewandowski wurden zu tragenden Kräften.

2011 gewann der BVB die deutsche Meisterschaft. Ein Jahr später folgten die Titelverteidigung und der DFB-Pokal. Dortmund besiegte Bayern München im Finale mit 5:2 und feierte das erste Double der Vereinsgeschichte. 2013 und 2014 kamen zwei Siege im DFL-Supercup hinzu. Die Bilanz der Klopp-Jahre enthält außerdem das Champions-League-Finale 2013 in London, das Dortmund gegen Bayern München mit 1:2 verlor.

Die Dortmunder spielten mit hohem Tempo und setzten den Gegner früh unter Druck. Diese Art Fußball verschaffte Klopp internationale Aufmerksamkeit. Sie verlangte den Spielern allerdings viel ab. In seiner letzten Saison rutschte der BVB zeitweise auf den letzten Tabellenplatz. Die Mannschaft stabilisierte sich, erreichte noch die Europa League und stand im Pokalfinale. Klopp ging im Sommer 2015 nach sieben Jahren.

Liverpool: die wichtigsten Titel seiner Karriere

Am 8. Oktober 2015 übernahm Klopp den FC Liverpool. Der Verein hatte eine große Geschichte, aber seit 1990 keine englische Meisterschaft gewonnen. Schon in seiner ersten Saison erreichte Liverpool die Endspiele im Ligapokal und in der Europa League. Beide gingen verloren. 2018 folgte eine weitere Finalniederlage in der Champions League gegen Real Madrid.

2019 gewann Liverpool die Champions League. Im Endspiel in Madrid besiegte die Mannschaft Tottenham Hotspur mit 2:0. Im selben Jahr folgten der UEFA-Supercup und die Klub-Weltmeisterschaft. 2020 wurde Liverpool englischer Meister und beendete damit die drei Jahrzehnte lange Wartezeit auf den nationalen Titel.

Später kamen der FA Cup, zwei Ligapokale und der Community Shield hinzu. Das offizielle Trainerprofil des FC Liverpool nennt 491 Pflichtspiele und sieben große Trophäen; der Community Shield wird dort getrennt geführt. Sein letztes Spiel am 19. Mai 2024 endete mit einem 2:0 gegen Wolverhampton. Es war der 305. Sieg seiner Liverpooler Amtszeit, wie der Verein in Klopps letzter Pressekonferenz festhielt.

Liverpool gab für Virgil van Dijk und Torhüter Alisson hohe Ablösesummen aus, finanzierte den Umbau des Kaders jedoch auch durch den Verkauf von Philippe Coutinho. Der Kern der späteren Meistermannschaft entstand über mehrere Transferperioden. Klopp arbeitete dabei eng mit dem sportlichen Bereich und seinem Trainerstab zusammen. Peter Krawietz gehörte schon in Mainz und Dortmund zu seinen Mitarbeitern, Pepijn Lijnders wurde in Liverpool zu einem seiner wichtigsten Assistenten.

Red Bull: der Wechsel, der sein Image veränderte

Nach seinem Abschied aus Liverpool wollte Klopp zunächst keine neue Mannschaft übernehmen. Zum 1. Januar 2025 begann er dennoch eine neue Aufgabe. Als „Head of Global Soccer“ erhielt er bei Red Bull eine strategische Funktion für das internationale Netzwerk der Fußballklubs. Nach der Darstellung von Red Bull sollte Klopp sportliche Konzepte begleiten, Trainer beraten und die Entwicklung von Talenten fördern. Für das tägliche Mannschaftstraining war er nicht zuständig.

Die Entscheidung stieß in Deutschland auf heftige Kritik. Bei einem Heimspiel gegen RB Leipzig zeigten Mainzer Anhänger Protestbanner gegen ihr früheres Idol. Auch in Dortmund wurde der Wechsel ablehnend aufgenommen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete ausführlich über die Reaktionen und Klopps Verteidigung seiner Entscheidung. Er erklärte, berufliche Schritte nicht von den erwartbaren Reaktionen abhängig machen zu können.

Das Engagement dauerte eineinhalb Jahre. Bei seiner Vorstellung als Bundestrainer dankte Klopp Red Bull für die Einigung, die den Wechsel zum DFB möglich machte. Damit endet eine Station, die sportlich nicht mit einem eigenen Titel verbunden war, aber das öffentliche Bild des Trainers verändert hat.

Was Jürgen Klopp gewonnen hat

Mit Mainz 05 schaffte Klopp 2004 den ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Mit Borussia Dortmund wurde er 2011 und 2012 Deutscher Meister, gewann 2012 den DFB-Pokal und 2013 sowie 2014 den DFL-Supercup. 2013 erreichte er das Finale der Champions League.

Mit Liverpool gewann Klopp 2019 die Champions League, den UEFA-Supercup und die Klub-Weltmeisterschaft. 2020 folgte die englische Meisterschaft. 2022 holte Liverpool den FA Cup und den Ligapokal, 2024 erneut den Ligapokal. Hinzu kam 2022 der Community Shield.

Die FIFA wählte Klopp 2019 und 2020 zum Welttrainer des Jahres. Er war der erste Trainer, der diese Auszeichnung in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erhielt. Die FIFA begründete die zweite Wahl mit Liverpools Meisterschaftssaison. Am 1. Oktober 2024 verlieh ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande. Auf der Seite des Bundespräsidenten werden neben seinen sportlichen Erfolgen sein soziales Engagement und sein Beitrag zu den deutsch-britischen Beziehungen genannt. 2025 erhielt Klopp außerdem einen ehrenhalber verliehenen britischen CBE für seine Verdienste um den Fußball und die Gemeinschaft in Liverpool, dokumentiert in der offiziellen britischen Ordensliste.

Warum der DFB auf Klopp setzt

Klopp kann Fußball verständlich erklären und hat in Mainz, Dortmund und Liverpool eine enge Verbindung zu Spielern und Anhängern aufgebaut. Im Hintergrund arbeitete er über Jahre mit einem festen Kreis von Assistenten. Peter Krawietz begleitete ihn bereits in Mainz und Dortmund, Pepijn Lijnders gehörte in Liverpool zu seinem engsten Stab. Beide folgen ihm zum DFB.

Seine Erfolge brauchten Zeit. Mainz stieg mehr als drei Jahre nach seiner Beförderung zum Cheftrainer auf. Dortmund gewann die erste Meisterschaft in Klopps dritter Saison. Liverpool holte 2019, fast vier Jahre nach seiner Verpflichtung, den ersten großen Titel. Als Bundestrainer wird Klopp seine Spieler nur während kurzer Lehrgänge sehen.

Genau darin liegt der Unterschied zu seinen bisherigen Aufgaben. Der DFB stellt ihm keinen Kader zur Verfügung, den er über mehrere Transferperioden umbauen kann. Er muss aus den verfügbaren deutschen Spielern auswählen und seine Vorstellungen in wenigen Trainingseinheiten vermitteln. Der Verband vertraut dabei auf seine Erfahrung und auf die Autorität, die er sich mit seinen Erfolgen erarbeitet hat.

Der Spitzname „Kloppo“ beschreibt vor allem seine öffentliche Wirkung. Seine Laufbahn verlief dagegen ausgesprochen geradlinig: lange Amtszeiten, vertraute Mitarbeiter und klar geregelte Zuständigkeiten. Den Wechsel zu Red Bull nahm er trotz absehbarer Proteste an. Zum DFB ging er erst, nachdem die Trennung vom Konzern geregelt war. Nun muss er zeigen, ob seine Arbeitsweise auch ohne den täglichen Zugriff eines Vereinstrainers trägt.