187.744 Firmen machten dicht – jetzt erreicht die Jobflaute auch den Dienstleistungssektor

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Erstmals seit der Corona-Krise sinkt die Beschäftigung im deutschen Dienstleistungssektor. Gleichzeitig wurden 2025 so viele Unternehmensschließungen registriert wie seit fast 20 Jahren nicht. Nur ein kleiner Teil davon waren klassische Insolvenzen – oft fehlt schlicht ein Nachfolger.

Die deutsche Wirtschaftskrise war lange vor allem in der Industrie sichtbar: schwache Produktion, Stellenabbau, Werksschließungen. Nun zeigen neue Daten, dass auch der große Dienstleistungssektor nicht mehr immun ist.

Nach Angaben der Tagesschau sank die Zahl der Beschäftigten in den Dienstleistungsbereichen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,1 Prozent. Es ist der erste Rückgang seit der Corona-Krise. In Handel, Verkehr und Gastgewerbe lag das Minus sogar bei 1,1 Prozent.

Gegen den Trend wuchs der öffentliche Dienst einschließlich Erziehung und Gesundheit um 1,5 Prozent. Insgesamt waren im zweiten Quartal rund 45,7 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Industrie verliert noch stärker

Außerhalb der Dienstleistungen ist der Rückgang deutlicher. Am Bau sank die Beschäftigung um 0,7 Prozent, in Land- und Forstwirtschaft um 1,5 Prozent. Die Industrie verzeichnete ein Minus von zwei Prozent. Damit setzt sich dort ein Abwärtstrend fort, der bereits seit längerer Zeit sichtbar ist.

Zu diesem Bild passen die Unternehmensschließungen. 2025 gaben nach einer gemeinsamen Analyse von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 187.744 Unternehmen auf. Das waren knapp zehn Prozent mehr als 2024 und so viele wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht.

Bemerkenswert ist, dass nur 13 Prozent dieser Schließungen auf ein Insolvenzverfahren zurückgingen. Das klassische Bild vom zahlungsunfähigen Unternehmen erklärt also nur einen kleinen Teil der Entwicklung.

Wenn der Nachfolger fehlt

Fast ein Drittel der freiwilligen Schließungen hängt inzwischen damit zusammen, dass Inhaber in Ruhestand gehen und niemand den Betrieb übernimmt. Das trifft besonders kleinere Unternehmen, Praxen und Gaststätten. Ein Betrieb kann wirtschaftlich funktionieren und trotzdem verschwinden, wenn kein Nachfolger Kapital, Risiko und Verantwortung übernehmen will.

Im Gastgewerbe schlossen 2025 etwa 15.000 Betriebe, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gesundheitswesen wurden knapp 11.000 Schließungen registriert. Darunter waren rund 5.500 Arztpraxen – 23 Prozent mehr als 2024. Gerade bei Praxen spielt der Ruhestand der Inhaber eine wichtige Rolle.

Die Entwicklung hat deshalb zwei Gesichter. Einerseits kämpfen Unternehmen mit hohen Kosten, Bürokratie, geopolitischen Risiken und schwacher Nachfrage. Andererseits wirkt die Demografie. Die Generation vieler Gründer und Selbstständiger erreicht das Rentenalter, während Nachfolger fehlen.

Für Städte und ländliche Räume kann eine freiwillige Betriebsschließung genauso spürbar sein wie eine Insolvenz. Wenn eine Gaststätte, ein Handwerksbetrieb oder eine Arztpraxis verschwindet, geht lokale Versorgung verloren. Beschäftigte müssen neue Stellen finden, Kunden weitere Wege zurücklegen.

187.744 Schließungen bedeuten nicht, dass Deutschland um dieselbe Zahl an Unternehmen ärmer geworden ist; gleichzeitig werden neue Firmen gegründet. Doch der Höchststand seit fast 20 Jahren zeigt, wie viel Bewegung nach unten im Unternehmensbestand entstanden ist. Dass nun auch die Dienstleistungsbeschäftigung sinkt, macht aus einzelnen Branchenproblemen ein breiteres wirtschaftliches Signal.