Ein Besuch in Bad Birnbach, dem ländlichen Bad

Ganz nah an der Natur

Bild von Hans Heindl auf Pixabay

Auf die Frage, was „ländlich“ ist hat jeder eine eigene Antwort. Im niederbayrischen Bad Birnbach, das sich „das ländliche Bad“ nennt, definiert man es so: „Ländlich heißt für uns überschaubar, nahe an der Natur und trotzdem modern und innovativ, es bedeutet aber auch, seine Wurzeln zu kennen.“ Kommt man in die Gegend, etwa über die A3 von Norden, um schließlich in Vilshofen an der Donau die Autobahn zu verlassen, dann bietet sich dem Besucher ein pittoreskes, wenngleich auch unspektakuläres Landschaftsbild: Die Alpenkette ist weit. Bei dem Nebelwetter heute sieht man sie gar nicht.

Was man aber sieht: wohlig geformte Hügel, dazwischen kleine Dörfer und Kleinstädtchen wie Vilshofen. Von hier ist es noch eine halbe Stunde auf der Landstraße – so lernen wir die Gegend langsam kennen. Schließlich erreichen wir den Kurort Bad Birnbach, der schon lange im Schatten der größeren Bäder Bad Füssing und Bad Griesbach steht. Doch genau deshalb kommen die Stammgäste so gerne ins „ländliche Bad“, wo seit einiger Zeit der erste autonom fahrende Elektro-Bus das Flair grüner Hochtechnologie versprüht.

Hier, im nur knapp 6000 Einwohner zählenden, leicht erhöht liegenden Bad Birnbach lockt die Rottal Terme mit über 2.400 m² Heilwasserfläche. Mehr als dreißig warme Thermalwasserbecken mit 26 bis 40 °C und 13 Saunen und Dampfbäder laden zum Besuch ein – genau das richtige jetzt im nasskalten Februar. Doch nicht nur Kur, sondern auch viel Natur gibt es hier: Das Tal der Rott mit seinem 100 Kilometer langen, sich schlängelnden Flusslauf und seinem Rottauensee liegt sehr idyllisch – und grenzt an ebenso idyllische Gegenden, nämlich an das Innviertel in Oberösterreich, das Vilstal sowie das Untere Inntal.

In diesem niederbayerischen Hügelland, einer ausgeprägten Agrar- und Naturlandschaft, geht es nicht hoch hinaus. Mehr als 500 Meter hoch ist hier kein Berg. Die Dorfstruktur ist erstaunlich traditionell geblieben. Viele Rottaler Vierseithöfe, oftmals Pferdehöfe mit den typischen Rottaler Warmblütern, kann man hier entdecken – bäuerliche Burgen, eine wehrhafte Bauernarchitektur. Wer hier hinein will, der muss das Hoftor passieren. Heute freilich stehen diese Tore zumeist offen. Wer sich einlesen will in diese alte bäuerlich Welt, der liest Anna Wimschneiders Roman „Herbstmilch“: die Lebensgeschichte der Bäuerin aus Pfarrkirchen, die 1988 mit Dana Vávrová und Werner Stocker verfilmt wurde.

Bleibt man eine Weile hier, will man die Gegend erkunden: Ausflüge ins nahe Pfarrkirchen mit der ältesten Trabrennbahn Bayerns und der Wallfahrtskirche Gartlberg bieten sich an, das schon in Oberbayern liegende Burghausen an der Salzach mit seiner eindrucksvollen Burg über der Altstadt – die längste Burganlage der Welt. Weiterhin sehenswert sind das Kloster St. Salvator in Bad Griesbach, die Siebenschläferkirche in Rotthof, die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Langwinkl, die Barockstadt Passau sowieso – ein großartiger Höhepunkt süddeutscher Architekturgeschichte.

Drei Flüsse aus drei Himmelsrichtungen fließen in Passau zusammen – aus dem Westen die Donau, dem Süden der Inn und dem Norden die Ilz. Das macht die Stadt im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien schon in ihrer Lage zu etwas ganz Besonderem. Und wenn man in ihr steht, in diesem niederbayrischen Barock-Juwel, das so italienisch anmutet wie keine andere deutsche Stadt, dann hat man sich gleich ein bisschen verliebt. Ganz einheitlich mutet die Architektur der Altstadt an: Vieles hier wurde von italienischen Baumeistern in den Jahren nach dem großen Brand von 1662 neu errichtet.

Doch zurück ins Rottal. Hier kann man auf dem Rottalradweg oder dem Vilstalradweg radelnd aktiv werden. Die erste Station ist Bad Birnbach selbst: Vor allem seit der Entwicklung Birnbachs zum Kurbad und der Eröffnung der Rottal Terme im Jahr 1976 kommen Gäste hierher – in den letzten Jahren auch Golf-Touristen, denn 2007 wurde der Golfpark Bella Vista eingeweiht. In jedem Fall lohnenswert ist die urige, niederbayrische Gastronomie der Gegend – so wie das derzeit allerdings (noch) geschlossene Gasthaus Wasner im alten Ortskern, der Hofmark, dessen Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht.

Doch nicht nur Bad Birnbach lädt zum Schlemmen ein. Auch im ganz kleinen Bayerbach, nur wenige Kilometer entfernt und direkt an der Rott gelegen, kann man im Gasthof zur Mühle, im Landgasthof Winbeck oder im Huckenhamer Stadl kulinarisch heimisch werden. Vor allem bekannt ist Bayerbach aber für seinen großen, terrassenförmig angelegten Campingplatz, dem ein Hotel, Ferienhäuser, ein gepflegtes Termalbad, eine Praxis für Physiotherapie, eine Wellness-Landschaft und sogar mehrere kleine Badeseen angeschlossen sind. Von hier aus hat man einen weiten Blick auf Bad Birnbach, Bad Griesbach und das Rottal. Das ländliche Bad – es hat uns mehr als gefallen. Es hat uns entzückt. Wir kommen ganz bestimmt bald wieder.

Über Marc Peschke 3 Artikel
Marc Peschke, 1970 geboren, Kunsthistoriker, Texter, Kulturjournalist und Künstler, lebt in Wertheim am Main, Wiesbaden und Hamburg. Er hat in Mainz Kunstgeschichte, Komparatistik und Ethnologie studiert. Seitdem schreibt der gebürtige Offenbacher unter anderem über Bildende Kunst, Fotografie, Fotokunst und Popmusik. Gelegentlich arbeitet er auch als freier Kurator, war Mitinhaber und Mitbegründer der Fotokunst-Galerie KUNSTADAPTER in Wiesbaden und Frankfurt am Main – sowie der Kultur-Bar WAKKER in Wiesbaden. In Wertheim am Main ist er Kurator des exklusiven Kunstraum ATELIER SCHWAB. Seit 2008 zahlreiche eigene Ausstellungen im In- und Ausland. Marc Peschkes künstlerische Arbeiten entstehen zumeist auf seinen zahlreichen Reisen und sind in verschiedenen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten. Seit 2020 ist Marc Peschke unter dem Namen MASCHERA auch wieder als Musiker aktiv. Im Jahr 2022 wird er kuratorisch die Wiesbadener Fototage unterstützen. www.marcpeschke.de