In Rheinland-Pfalz ist die erste in Deutschland erworbene West-Nil-Infektion dieses Jahres bestätigt worden. Die betroffene Person war nicht im Ausland. Grund zur Panik besteht nicht – Mückenschutz ist im Hochsommer dennoch sinnvoll.
Der erste heimische West-Nil-Fall des Jahres ist im Rhein-Pfalz-Kreis nachgewiesen worden. „Heimisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass die betroffene Person dort geboren wurde, sondern dass die Ansteckung in Deutschland erfolgt ist. Sie war zuvor nicht im Ausland und hat sich höchstwahrscheinlich durch den Stich einer infizierten Mücke angesteckt. Das meldete unter anderem das RedaktionsNetzwerk Deutschland unter Berufung auf die Kreisverwaltung.
Das Robert Koch-Institut führt für 2026 bislang einen autochthonen Fall. Solche Übertragungen sind in Deutschland nicht mehr völlig neu. Seit 2019 werden in warmen Sommern immer wieder Infektionen registriert, vor allem in östlichen Landesteilen. Das RKI nennt für 2025 vier im Inland erworbene Fälle. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil viele Infektionen unbemerkt bleiben.
Das Virus zirkuliert vor allem zwischen Vögeln und Stechmücken. Menschen und Pferde können durch einen Mückenstich infiziert werden, geben den Erreger aber gewöhnlich nicht in ausreichender Menge weiter, um neue Mücken anzustecken. Die betroffene Person im Rhein-Pfalz-Kreis gilt deshalb nicht als ansteckend.
Die meisten Infizierten merken nichts
Rund 80 Prozent der Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Bei etwa jedem fünften Infizierten können Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder ein Hautausschlag auftreten. Schwere Verläufe mit Beteiligung des Nervensystems sind selten und betreffen nach den RKI-Angaben ungefähr ein Prozent der Infizierten. Das Risiko steigt vor allem bei älteren Menschen und bei Personen mit Vorerkrankungen.
Eine Impfung für Menschen gibt es bislang nicht. Auch eine spezielle antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung; behandelt werden die Beschwerden. Wer nach zahlreichen Mückenstichen hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteife, Verwirrtheit oder neurologische Auffälligkeiten entwickelt, sollte medizinische Hilfe suchen. Solche Symptome können viele Ursachen haben, müssen aber abgeklärt werden.
Warme Sommer begünstigen die Übertragung
Hohe Temperaturen beschleunigen die Vermehrung des Virus in der Mücke. Dadurch kann die Zeit bis zur Übertragungsfähigkeit kürzer werden. Eine Studie der Charité kam im Juni zu dem Ergebnis, dass das West-Nil-Virus in Berlin inzwischen lokal etabliert ist und besonders in den Sommermonaten ein Infektionsrisiko besteht. Das bedeutet nicht, dass jeder Mückenstich gefährlich ist. Es zeigt aber, dass der Erreger in Deutschland überwintern und erneut auftreten kann.
Der wirksamste Schutz ist unspektakulär: lange, helle Kleidung, zugelassene Insektenschutzmittel und Moskitonetze. Auf Balkonen und in Gärten sollten offene Wasserbehälter regelmäßig geleert werden. Regentonnen lassen sich abdecken, Untersetzer und Gießkannen sollten nicht tagelang voll stehen. Schon kleine Wassermengen reichen manchen Mückenarten als Brutplatz.
Ein einzelner Fall ist noch kein Ausbruch. Er erinnert jedoch daran, dass Krankheiten, die früher vor allem mit Reisen in südliche Regionen verbunden wurden, inzwischen auch in Deutschland vorkommen können. Für die meisten Menschen bleibt das persönliche Risiko niedrig. Wer Mückenstiche vermeidet, schützt sich zugleich vor West-Nil-Virus und einer Reihe anderer lästiger oder möglicher Infektionen.
