Warum Juli Zeh empört

Juli Zeh, Screenshot 3 Sat

Dass Schriftstellerinnen oder Schriftsteller über eine besondere politische Kompetenz verfügen, war schon zu Zeiten von Martin Walser und Günter Grass ein besonders in linken Kreisen verbreiteter Irrtum – obwohl es gerade Letzterem nicht an klugen Einsichten mangelte, im Zweifel sogar mehr als bei Juli Zeh.

Doch das wird nicht der Grund sein, warum Juli Zehs Interview in der taz in den sozialen Netzwerken über die Feiertage solche Empörung auslöste
(https://taz.de/Juli-Zeh-ueber-Nachbarn-die-AfD…/!6137251/).

Vielmehr stören sich die selbst ernannten, überaus entschlossenen Antifaschisten daran, dass die Schriftstellerin etwas tut, was sie selbst grundsätzlich ablehnen: Sie spricht mit ihren AfD-wählenden Nachbarinnen und Nachbarn. Sie hört ihnen zu und berichtet darüber, ohne sie zu brandmarken, und sucht nach Gründen für deren Verhalten.

So etwas lehnt diese empörte Kohorte von Anti-Rechts-Kämpfern entschieden ab. Die AfD-Wählenden sind ihnen keine Aufmerksamkeit wert – erst recht keinen Versuch, sie umzustimmen und für demokratische Parteien zu gewinnen. Lieber fokussieren sie ihre Kräfte darauf, mögliche Risse in Brandmauern bei ihrem seit Jahrzehnten vertrauten Feind, der Union, zu entdecken und andere wie Juli Zeh zu maßregeln, deren ablehnende Haltung zur AfD ihren hehren Maßstäben nicht entspricht.

Dass sie damit die deutsche Demokratie schwächen, verstehen sie nicht.

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