Sie sehen aus wie Soldaten – doch nach dem Erdbeben kommen die Plünderer

Erdbeben, Quelle: Angelo_Giordano, Pixabay License Frei zu verwenden unter der Pixabay-Lizenz Kein Bildnachweis nötig

Nach dem schweren Erdbeben in Kumamoto melden Bewohner einen besonders perfiden Trick. Männer sollen in Uniformen auftreten, die jenen der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte ähneln, und versuchen, in verlassene Häuser einzudringen. Die Behörden bestätigen entsprechende Hinweise.

Am 28. Juli erschütterte ein schweres Erdbeben Japans südwestliche Präfektur Kumamoto.

Die Magnitude wurde von der japanischen Seite zunächst mit 7,1 angegeben. Gebäude stürzten ein, Straßen wurden beschädigt, die Strom- und Wasserversorgung brach teilweise zusammen. In einem großen Einkaufszentrum kam es nach dem Beben zu einer Explosion. Die Zahl der Todesopfer stieg in den folgenden Tagen deutlich an. Reuters berichtete über das Beben und seine Folgen. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Jetzt bekommt die Katastrophe eine zweite, ungewöhnliche Dimension.

Falsche Soldaten zwischen zerstörten Häusern

Die South China Morning Post berichtet am 18. August über Männer in militärischer Kleidung, die Uniformen der japanischen Ground Self-Defense Force ähneln sollen. Sie sollen in evakuierten Gebieten versucht haben, in verlassene Häuser und Geschäfte einzudringen.

Wichtig ist dabei die genaue Formulierung: Die genaue Zahl der Fälle steht noch nicht fest.

Eine Sprecherin der Präfekturregierung bestätigte der SCMP, dass Behörden Berichte über „fake SDF personnel“ erhalten hätten und Polizei sowie Präfekturverwaltung darüber informiert seien. Sie konnte zunächst weder die Anzahl noch sämtliche betroffenen Orte nennen.

Es wäre deshalb falsch, aus den bislang bestätigten Meldungen bereits eine organisierte großflächige Bande falscher Soldaten abzuleiten.

Dass es nach dem Beben Kriminalität gibt, ist allerdings zusätzlich belegt.

Polizei schickt mehr als 300 Beamte

Jiji Press berichtete bereits am 10. August, die Polizei habe wegen Betrugsversuchen und verdächtiger Personen in den Katastrophengebieten eine Sondertruppe von mehr als 300 Polizeibeamten eingesetzt und zusätzliche Überwachungskameras installiert. Nippon.com/Jiji Press veröffentlichte die Meldung.

Eine ältere Bewohnerin habe bei der Rückkehr zu ihrem beschädigten Haus festgestellt, dass Fensterrahmen entfernt worden waren. In einem anderen Fall wurde nach Angaben von Jiji Press eine Klimaanlagen-Außeneinheit von einem Haus gestohlen, während der Besitzer außerhalb seines Hauses Schutz gesucht hatte.

Gleichzeitig arbeiten echte Soldaten in großer Zahl in der Region.

Japans Verteidigungsministerium erklärte am 7. August, rund 5100 Angehörige der Selbstverteidigungsstreitkräfte seien zu diesem Zeitpunkt weiterhin mit Hilfsmaßnahmen beschäftigt gewesen. Sie transportierten unter anderem Hilfsgüter und unterstützten Bewohner beim Schutz beschädigter Häuser vor einem herannahenden Taifun.

Genau das macht den mutmaßlichen Uniformtrick besonders problematisch.

Menschen in einer Katastrophenregion müssen darauf vertrauen können, dass jemand in Uniform tatsächlich Hilfe bringt. Wenn Kriminelle dieses Vertrauen ausnutzen, entsteht neben dem materiellen Schaden ein Sicherheitsproblem.

Kumamoto kämpft außerdem mit Falschinformationen in sozialen Medien. Nach dem Beben verbreiteten sich falsche Hilferufe und manipulierte beziehungsweise KI-generierte Bilder. The Japan Times berichtete über diese Falschinformationen.

Damit treffen nach einer Naturkatastrophe drei Gefahren aufeinander: zerstörte Infrastruktur, Kriminalität und Desinformation.

Das eigentliche Fundament des Katastrophenschutzes ist deshalb nicht nur Beton, Technik oder eine funktionierende Armee. Es ist Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen versuchen jene auszunutzen, die in einer Uniform auftauchen, die ihnen nicht gehört.