Antikriegsstreiks in 113 Häfen weltweit: Arbeiter verweigern den Transport von Waffen in Kriegsgebiete

Eine der größten koordinierten Aktionen internationaler Hafenarbeitergewerkschaften

Internationale Hafenarbeiter protestierten am 30. Oktober 2026 gegen die Nutzung ziviler Häfen für militärische Transporte. Symbolbild: Containerschiff im Hamburger Hafen. Foto: Pixabay / Niklas9416.

Am 30. Oktober 2026 beteiligten sich Hafenarbeiter und Seeleute an einer koordinierten Protestaktion in 113 Häfen in 22 Ländern. Mehr als 25 Gewerkschaften unterstützten diese Bewegung. Ihre zentrale Forderung war eindeutig: Zivile Häfen dürfen nicht als Umschlagplätze für Waffen, Munition und militärische Ausrüstung in Kriegsgebiete genutzt werden. Die auf fünf Kontinenten organisierte Aktion gehört zu den bedeutendsten internationalen Arbeitskämpfen gegen die Beteiligung ziviler Infrastruktur an der Kriegsführung.

Neben der Ablehnung des Krieges und der militärischen Nutzung ziviler Infrastruktur forderten die Beschäftigten höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und eine medizinische Versorgung an Bord von Schiffen, die Kriegsgebiete passieren. Die Verbindung zwischen Antikriegspolitik und sozialen Forderungen ist von zentraler Bedeutung: Eine dauerhafte gesellschaftliche Bewegung entsteht dort, wo politische Solidarität mit den konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verbunden wird.

In den offiziellen Darstellungen von Krieg und Weltwirtschaft stehen gewöhnlich Regierungen, Streitkräfte und politische Führungspersonen im Mittelpunkt. Dabei wäre der Transport von Waren, Energie und militärischer Ausrüstung ohne die Arbeit Tausender Beschäftigter nicht möglich. Die globalen Lieferketten funktionieren nur durch das Zusammenwirken von Hafenarbeitern, Fahrern, Schiffsbesatzungen und Beschäftigten in der Logistik.

Kapital und Staat verfügen über Schiffe und Hafeninfrastruktur, sind für deren Betrieb jedoch auf die Arbeitskraft der Beschäftigten angewiesen. Genau darin liegt eine grundlegende Machtposition der Arbeiter: Sie befinden sich an strategischen Punkten der Warenströme und können durch gemeinsames Handeln den wirtschaftlichen Ablauf unmittelbar beeinflussen. Der koordinierte Streik in 113 Häfen hat diese Macht sichtbar gemacht und gezeigt, welches politische und wirtschaftliche Gewicht internationale Arbeitersolidarität entfalten kann.

Die Bedeutung des Streiks liegt darin, dass er den Protest gegen den Krieg über eine politische Stellungnahme hinaus in praktisches Handeln übersetzt. Militärische Infrastruktur funktioniert nicht unabhängig von menschlicher Arbeit. Herstellung, Verladung und Transport von Rüstungsgütern sind auf die Beschäftigten angewiesen. Indem diese ihre Arbeit verweigern, stellen sie nicht nur den normalen Ablauf der Lieferketten infrage, sondern auch ihre eigene Beteiligung an der materiellen Unterstützung von Kriegen. Der Streik macht deutlich: Die wirtschaftlichen Grundlagen der Kriegsführung beruhen ebenfalls auf menschlicher Arbeit – und die Beschäftigten besitzen die kollektive Kraft, sich ihrer Instrumentalisierung zu widersetzen.

Im griechischen Hafen Piräus beteiligten sich rund 3.000 Hafenarbeiter und Seeleute an der Aktion. Der Güterumschlag wurde beeinträchtigt; auch der Fährverkehr zu den Inseln war von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Seeleute berichteten von den Verlusten und psychischen Belastungen, die der Krieg für sie und ihre Familien mit sich bringt. Die Hafengewerkschaft verwies zudem auf steigende Preise für Treibstoff und lebensnotwendige Güter. Der Krieg ist damit keine Angelegenheit, die weit vom Alltag entfernt liegt: Er gefährdet die Sicherheit der Besatzungen und verschärft zugleich die Lebenshaltungskosten. Der Slogan „Wir arbeiten nicht für den Krieg“ bringt diese gemeinsame Erfahrung auf den Punkt.

Diese soziale Dimension ist entscheidend. Krieg lässt sich nicht allein mit Begriffen wie „nationale Sicherheit“ oder „nationale Interessen“ erklären. Während Regierungen von militärischen Notwendigkeiten und Unternehmen von Verträgen und Gewinnen sprechen, stehen die Beschäftigten vor unmittelbaren Fragen: Sollen sie unter unsicheren Bedingungen arbeiten? Sollen sie Ladungen transportieren, die zur Zerstörung und zum Tod von Menschen beitragen? Warum tragen Arbeiter und breite Bevölkerungsschichten die sozialen und wirtschaftlichen Kosten des Krieges, während die Entscheidungen in den Händen von Regierungen und Kapitaleigentümern liegen?

Ein wesentliches Merkmal des Streiks war die Verbindung der Antikriegsforderungen mit sozialen und gewerkschaftlichen Anliegen. Höhere Löhne, sichere Beschäftigung, bessere Arbeitsschutzbedingungen und medizinische Versorgung auf Schiffen, die Kriegsgebiete durchqueren, wurden gemeinsam mit der Ablehnung von Waffentransporten gefordert. Damit wird deutlich, dass Solidarität mit den Menschen in Kriegsgebieten und der Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen keine getrennten Anliegen sind. Beide richten sich gegen gesellschaftliche Verhältnisse, in denen Entscheidungen im Interesse von Macht und Kapital getroffen werden, während die Folgen von den arbeitenden Menschen getragen werden.

In Frankreich hatte die Hafen- und Dockarbeitergewerkschaft CGT zu Streiks in wichtigen Häfen aufgerufen, darunter Le Havre, Marseille, Dünkirchen und Rouen. In einigen Regionen verband sich der Protest mit der Ablehnung des staatlichen Haushaltsplans und der Verteidigung sozialer Leistungen. Damit erhielt die Bewegung über die unmittelbare Antikriegsforderung hinaus eine breitere soziale und politische Dimension.

Die Organisatoren erklärten, dass die Aktion 52.000 Container und Ladungen im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar betreffen könne. Diese Größenordnung verdeutlicht das wirtschaftliche Gewicht der internationalen Hafeninfrastruktur und die strategische Bedeutung der Beschäftigten, die sie am Laufen halten.

Der Streik wirft zugleich eine grundsätzliche Frage nach der gesellschaftlichen Kontrolle wirtschaftlicher Infrastruktur auf. Ein Hafen, über den alltägliche Waren transportiert werden, kann ebenso für den Umschlag militärischer Ausrüstung genutzt werden. Die Grenze zwischen ziviler Wirtschaft und militärischen Aktivitäten ist deshalb eng mit den Interessen derjenigen verbunden, die über die Infrastruktur verfügen und ihre Nutzung bestimmen. Wenn Beschäftigte fragen: „Für wen arbeitet dieser Hafen?“, geht es zugleich um Eigentum und gesellschaftliche Kontrolle: Soll die Nutzung eines Hafens ausschließlich den Unternehmensinteressen und staatlichen Entscheidungen untergeordnet sein, oder müssen auch diejenigen, die ihn betreiben, und die betroffenen Gemeinschaften über seine Verwendung mitentscheiden können?

Die Organisatoren brachten die internationale Dimension dieser Auseinandersetzung mit einer prägnanten Aussage zum Ausdruck: Eine Lieferung, die in einem Hafen zurückgewiesen wird, gelangt zum nächsten; wird sie in allen Häfen abgelehnt, kommt sie zum Stillstand. Darin liegt eine zentrale strategische Erkenntnis. Internationale Solidarität muss über symbolische Gleichzeitigkeit hinausgehen und sich in einer dauerhaften Koordination entlang der globalen Transportketten ausdrücken. Die gemeinsame Aktion der Hafenarbeiter hat gezeigt, dass eine solche internationale Zusammenarbeit nicht nur eine politische Forderung, sondern eine reale gesellschaftliche Handlungsmöglichkeit ist.

Die Verantwortung für die Kriegspolitik liegt bei den staatlichen Institutionen und Unternehmen, die über Produktion, Verkauf und Transport von Waffen entscheiden und daraus wirtschaftliche und politische Vorteile ziehen. Die Bedeutung des Arbeiterstreiks besteht darin, diese Verbindung zwischen Arbeit, Profit und Krieg sichtbar zu machen und die Beschäftigten als eigenständige gesellschaftliche Kraft in den politischen Konflikt einzubringen.

Die historische Bedeutung des Streiks vom 30. Oktober 2026 erschöpft sich nicht in der Beteiligung von 113 Häfen. Entscheidend ist, dass die Arbeiter ihre gemeinsame Position über nationale Grenzen hinweg zum Ausdruck gebracht und damit die Möglichkeiten internationaler Arbeitersolidarität demonstriert haben. Die Aktion stellt zugleich die Frage nach der weiteren Entwicklung dieser Zusammenarbeit: Wie kann aus einer international koordinierten Protestbewegung eine dauerhafte Organisationsstruktur entstehen, die den Beschäftigten ermöglicht, gemeinsam über ihre Rolle in den globalen Produktions- und Transportketten zu entscheiden?

Diese Frage gewinnt unter den Bedingungen des heutigen Kapitalismus zusätzlich an Bedeutung. Produktions- und Verteilungsstrukturen sind weltweit eng miteinander verflochten. Produktionsketten, Transportwege, Rohstoffversorgung und Warenvertrieb überschreiten nationale Grenzen. Wirtschaftliche Entscheidungen an einem Ort beeinflussen die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen Menschen in anderen Regionen. Während das Kapital längst global organisiert ist, bleiben gewerkschaftliche Strukturen und Arbeitskämpfe vielfach auf nationale Grenzen beschränkt.

Die Ausbreitung digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz, die Veränderungen der Beschäftigungsstrukturen und die zunehmende Konzentration des Kapitals machen neue Formen der Kommunikation und Koordination unter den Beschäftigten erforderlich. Es geht nicht mehr allein um die Verteidigung von Löhnen und Arbeitsbedingungen in einzelnen Ländern, sondern um die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen die Kontrolle über Produktionsmittel und wirtschaftliche Ressourcen bei einer kleinen Gruppe von Kapitaleigentümern konzentriert ist, während die sozialen und wirtschaftlichen Folgen ihrer Entscheidungen von der breiten Bevölkerung getragen werden.

Unter diesen Bedingungen gewinnt die Forderung nach einer internationalen Arbeiterorganisation an Bedeutung. Sie muss auf unabhängigen Gewerkschaften, demokratischer Beteiligung und praktischer Zusammenarbeit beruhen. Ihre Aufgabe besteht darin, Arbeitskämpfe in verschiedenen Ländern miteinander zu verbinden, die Solidarität zwischen den Beschäftigten in Produktion und Transport auszubauen und gemeinsame Aktionen auf internationaler Ebene zu ermöglichen.

Der Hafenstreik hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Beschäftigten über nationale Grenzen hinweg gemeinsam handeln und ihre gesellschaftliche Macht sichtbar machen können. Die Weiterentwicklung dieser Kraft erfordert eine kontinuierliche Organisierung, internationale Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Es geht nicht allein um die Ablehnung eines Krieges oder die Verhinderung einzelner Waffenlieferungen, sondern um den Aufbau einer internationalen Arbeiterbewegung, die in der Lage ist, die Arbeitsbedingungen, die Produktionsverhältnisse und die gesellschaftliche Verwendung wirtschaftlicher Ressourcen demokratisch mitzugestalten.

Quellen

  1. Jake Johnson: „With ‘Largest Coordinated Port Action Ever,’ Dockworkers in 22 Countries Strike Against Gaza Genocide“, Common Dreams, 30. Oktober 2026.
  2. „Dockworkers in 22 Countries and 113 Ports Strike Against Military Use of Port Terminals“, DataPortuaria, 30. Oktober 2026.
  3. Jake Johnson: „With ‘Largest Coordinated Port Action Ever,’ Dockworkers in 22 Countries Strike Against Gaza Genocide“, The Real News Network, 30. Oktober 2026.
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Hossein Zalzadeh ist Ingenieur, Publizist und politisch Engagierter – ein Mann, der Baustellen in Beton ebenso kennt wie die Bruchstellen von Gesellschaften. Zalzadeh kam Anfang zwanzig zum Studium nach Deutschland, nachdem er zuvor in Teheran als Lehrer und stellvertretender Schulleiter in einer Grundschule tätig gewesen war. Er studierte Bauwesen, Sanierung und Arbeitssicherheit im Bereich Architektur sowie Tropical Water Management an mehreren technischen Hochschulen. An bedeutenden Projekten – darunter der Frankfurter Messeturm – war er maßgeblich beteiligt. Seine beruflichen Stationen führten ihn als Ingenieur auch in verschiedene afrikanische Länder, wo er die großen sozialen Gegensätze und die Armut unserer Welt ebenso kennenlernte wie ihre stillen Uhrmacher – Menschen, die im Verborgenen an einer besseren Zukunft arbeiten. Bereits während des Studiums engagierte er sich hochschulpolitisch – im AStA, im Studierendenparlament sowie auf Bundesebene in der Vereinten Deutschen Studentenschaft (VDS) – und schrieb für studentische Magazine. In diesem Rahmen führte er Gespräche mit Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Herta Däubler-Gmelin über die Lage ausländischer Studierender. Seit vielen Jahren kämpft er publizistisch gegen das iranische Regime. Geprägt ist sein Schreiben vom Schicksal seines Bruders – Jurist, Schriftsteller und Journalist –, der vom Regime ermordet wurde. Derzeit schreibt er an seinem Buch Kampf um die Menschlichkeit und Gerechtigkeit – ein Plädoyer für Freiheit, Würde und den Mut, der Unmenschlichkeit zu widersprechen.