Menschen, Tiere, Mythen – Im Innenhof des Münchner Künstlerhauses stehen jetzt Bronzen des Spaniers Pedro Requejo Novoa

Francisco de Quevedo - Bronze von P. Requejo Novoa

Aufsuchen muss man sie nicht erst, wie Maja Grassinger, Präsidentin des Münchner Künstlerhauses, empfiehlt, denn sie fallen einen unmittelbar an, wenn man durch den Innenhof dem Haupteingang des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz zustrebt: die Bronzen des aus Madrid stammenden  Bildhauers, Keramikers und Goldschmieds Pedro Requejo Novoa. Vor 12 Jahren standen schon mal Werke von ihm an dieser Stelle. „Es war Zeit, sie wieder nach München zu holen“, sagt Maja Grassinger. „Wir freuen uns sehr, eine aktuelle Auswahl von Figuren – vornehmlich Tiere sowie mythische Gestalten wie den Minotauros – zeigen zu können“. Der Spanier sei mit seinen Bronzen in ganz Europa zu Hause. Er bezeichne sie selbst als „lebendig“.

Maja Grassinger schreibt den Bronzen die Kraft zu, „facettenreiche Sichtweisen zu eröffnen“, auch wenn sie nicht, wie in den meisten Fällen, konkret, sondern abstrakt geformt sind. Dazu ist, will man sich nicht mit oberflächlicher Bekanntschaft begnügen, Geduld nötig. Man kann jede der inklusive der kleinen in zwei Vitrinen stehenden 30 Figuren des Innenhofes – abends von Feuerflammen aus Bronzetöpfen erleuchtet – „umschreiten und von vielen Seiten … erkunden“. Jede Figur ist eine Welt, eine Geschichte, für sich. Ausführliche Beschriftungen, die auf Bedeutung und Wert einer jeweiligen Gestalt dezidiert eingehen, egal ob es sich um Tiere (Wal, Fischotter, Stier, Esel), Menschen (Mutter Teresa, Päpste wie Johannes Paul II. oder Franziskus) oder mythische Figuren handelt, erschließen die Exponate. Sie zeugen vom Engagement des theologisch gebildeten und der katholischen Kirche aktiv angehörenden Künstlers.

Das „Curriculum vitae“ des diplomierten Bildhauers, der an der Kunstakademie San Fernando Madrid ausgebildet wurde, vermeidet Angaben zur Person. Umso länger ist die Liste des seit 22 Jahren erfolgreichen Schöpfers ebenso monumentaler wie filigraner Bronzen. Es überrascht, dass Requejo Novoa seine erste Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim hatte. Hier zeigte er die inzwischen berühmt gewordene Cola de Ballena, die Walfluke, die 1996 vom Inn an den Main nach Frankfurt  weiterwanderte und vier Jahre später für das Centro Comercial Bonaire Aldaia (Valencia) an Größe und Eindrücklichkeit getoppt wurde. Seit Juni 2013 schmückt eine Büste des Erbauers zweier Kliniken Franz X. Priller (1919 – 1992) den Rathausplatz von Bad Feilnbach, wozu die deutsche Frau des spanischen Bildhauers eine gute Beziehung hatte. An mehr als 60 Einzel- und Kollektivausstellungen in Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland hat sich Pedro Requejo Novoa bisher beteiligt – und es sieht so aus, als ob er diese respektable Zahl noch mühelos überschreiten wird.

Die von der Münchner Künstlerhaus-Stiftung aus Anlass der aktuellen Ausstellung – sie ist bis 29. März jederzeit frei zugänglich – herausgegebene Broschüre gibt mit vielen Abbildungen einen guten Überblick über das facettenreiche Schaffen Requejo Novoas. Zwei Gestalten behält der Besucher mit Sicherheit lange im Gedächtnis: die sitzende heroische Figur des „Don Quijote y sus Suenos“ (Don Quijote und seine Träume), entstanden 2008 für die Heimatstadt des Künstlers Alcala de Henares, und, dekorativ am Treppenaufgang in aufrechter, strenger Haltung mit unsichtbarem pädagogischen Zeigefinger mahnend – derzeit vom Schnee bühnenbildhaft in Szene gesetzt – eine grün patinierte lebensgroße Bronzefigur des bebrillten spanischen Satirikers, Gelehrten und Schelmenroman-Meisters Francisco de Quevedo (1580 – 1645).                                                                                                                                                                                             

Foto von Hans Gärtner:

Ob der stolze Spanier Francisco de Quevedo, der in Bronze gegossen am Fuß der Innenhoftreppe des Münchner Künstlerhauses steht, einen Schelmenromane hochhält?  

Hans Gärtner
Über Hans Gärtner 305 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.