Menschenhandel in Europa: nur 3% der Gesamtkosten werden für fachliche Opferhilfe ausgegeben

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Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die gesamten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kosten im Zusammenhang mit dem Frauenhandel nahezu dreimal so hoch sind wie bei Männern

Eine neue Studie, die von Wissenschaftlern des Violence and Society Centre der City, University of London, durchgeführt und von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde, befasst sich mit dem Menschenhandel in Europa.

Im Jahr 2016 wurden in der EU 11.832 Opfer des Menschenhandels registriert. Die Wissenschaftler haben die Gesamtkosten des Menschenhandels auf 312.756 Euro pro Opfer im Laufe dessen Lebens geschätzt. Dies entspricht mehr als 3,7 Milliarden Euro in der gesamten EU.

Die Wissenschaftler haben die Kosten, die während der gesamten Laufbahn des Opfers anfallen, bewertet, einschließlich der Koordination der Bekämpfung des Menschenhandels, der Strafverfolgung, der spezialisierten Dienste, der Gesundheits- und Sozialfürsorgedienste, des entgangenen wirtschaftlichen Beitrags und der verminderten Lebensqualität.

Die Kosten, die mit der verminderten Lebensqualität der Opfer verbunden sind, wurden berechnet, indem die psychischen und körperlichen Folgen des Menschenhandels bewertet wurden.

Spezialisierte Hilfe für Opfer reicht nicht aus

Die Studie zeigt, dass nur 3% der Gesamtkosten für die fachliche Unterstützung der Opfer von Menschenhandel (9.614 Euro pro Opfer) und nur 1% für die Prävention (2.059 Euro pro Opfer) aufgewendet werden.

Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchung zeigt, dass die Opfer von Menschenhandel in der Europäischen Union häufiger Frauen sind, was 69% aller Opfer ausmacht. Rund 90% der Opfer des Frauenhandels haben sexuelle Gewalt erlitten, im Vergleich zu 46% der Männer.

Die Gesamtkosten im Zusammenhang mit den Opfern des Frauenhandels belaufen sich auf 2,8 Milliarden Euro, fast dreimal so hoch wie die Kosten für Männer, die sich auf knapp 1 Milliarde Euro belaufen. Dieser Unterschied erklärt sich durch die höheren Kosten der sexuellen Ausbeutung, unter denen Frauen unverhältnismäßig stark leiden.

Die Messung der Kosten des Menschenhandels bietet eine zusätzliche Perspektive für das Verständnis des durch Menschenhandel verursachten Schadens„, sagte Professor Sylvia Walby, Direktorin des Violence and Society Centre der City, University of London.

Die Monetarisierung der Laufbahn des Opfers kann dazu beitragen, die Entscheidungsfindung darüber, wie öffentliche Mittel am besten verwendet werden, zu verbessern. Wir stellen fest, dass die Ausgaben für spezialisierte Unterstützungsdienste im Verhältnis zu den Kosten des Schadens für die Gesellschaft gering sind„, fuhr sie fort.

Die langfristigen Kosten für Opfer sexueller Ausbeutung sind höher

Die Studie verbessert die Methoden zur Berechnung der Kosten des Menschenhandels, indem sie den langfristigen Schaden für die Überlebenden mit einbezieht.

Im Jahr 2018 veröffentlichte das britische Innenministerium eine Schätzung der Kosten der „modernen Sklaverei“ im Vereinigten Königreich, in der die Inanspruchnahme von Dienstleistungen, die entgangene Wirtschaftsleistung und die immateriellen Kosten während der Zeit des Menschenhandels, einschließlich einer Amortisationszeit von bis zu fünf Jahren, analysiert wurden.

Die Schätzung des Innenministeriums legt nahe, dass zwischen den Kosten, die der Gesellschaft durch Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft entstehen, und den Kosten, die der Gesellschaft durch Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung entstehen, kaum Unterschiede vorliegen.

Diese Analysemethode mit einer Obergrenze von fünf Jahren „konzentriert sich mehr auf die gegenwärtigen Kosten als auf die zukünftigen Kosten„, erklärt Professor Sylvia Walby.

Das Violence and Society Centre stellte jedoch unter Einbeziehung einer Analyse der längerfristigen gesundheitlichen Auswirkungen fest, dass die Kosten im Zusammenhang mit dem Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung mit 353.893 Euro pro Opfer höher waren als die Kosten im Zusammenhang mit dem Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft mit 219.382 Euro pro Opfer.

Aus der Studie geht hervor, dass 56 Prozent der registrierten Opfer des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung gehandelt wurden – die Mehrheit davon waren Frauen.

Dadurch, dass die langfristigen Folgen für die psychische und physische Gesundheit nicht berücksichtigt werden, werden die Kosten der Dienstleistungen von den politischen Entscheidungsträgern unterschätzt. Dasselbe gilt für Gesundheitsschäden, die speziell mit sexueller Gewalt zusammenhängen„, sagt Professor Sylvia Walby.

Die Studie Study on the Cost of Trafficking in Human Beings“ wurde von der Europäischen Kommission veröffentlicht.

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Ida Junker – Agentur: PPOOL

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