Modernes Gerät für virtuelle und erweiterte Realität kann helfen, Sehverlust zu simulieren

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GERÄTE MIT VIRTUELLER/ERWEITERTER REALITÄT KÖNNEN EINIGE DER
HAUPTSCHWIERIGKEITEN SIMULIEREN, DIE DURCH DAS GLAUKOM ENTSTEHEN, SO EINE NEUE STUDIE DER CITY, UNIVERSITY OF LONDON
.

Eine neue Studie, die im Rahmen der
Weltglaukom-Woche 2020 veröffentlicht wurde, zeigt, wie im Handel
erhältliche Head Mounted Displays (HMD) zur Simulation der
alltäglichen Herausforderungen von Menschen mit Glaukom eingesetzt
werden können.

Glaukom ist ein Überbegriff für eine Gruppe degenerativer
Augenerkrankungen, die den Sehnerv im hinteren Teil des Auges betreffen.
Es ist weltweit die Hauptursache für irreversible Erblindung und macht
schätzungsweise 11% der Fälle von schwerer Sehbehinderung in
Großbritannien aus1.

Die Studie des Crabb Lab [1] der City, University of London legt nahe,
dass die Technologie unter anderem dazu beitragen könnte, dass
politische Entscheidungsträger die Auswirkungen von Sehbehinderungen
auf Patienten besser einschätzen können, und dass Architekten bei der
Planung von zugänglichen Gebäuden unterstützt werden könnten.

Zweiundzwanzig Freiwillige ohne Glaukom nahmen an der Studie teil. Die
Teilnehmer trugen ein HMD, während sie verschiedene Aufgaben in
virtueller oder erweiterter Realität ausführten.

Bei der Virtual-Reality-Aufgabe wurden die Teilnehmer in eine Simulation
eines typischen, „überladenen“ Hauses versetzt. Durch Bewegen der Augen
und des Kopfes konnten sie sich darin umsehen, um ein irgendwo im Haus
verstecktes Mobiltelefon zu finden.

Bei der Augmented-Reality-Aufgabe navigierten die Teilnehmer durch ein
lebensechtes, menschengroßes „Maus-Labyrinth“, das sie durch Kameras im
vorderen Teil des HMD betrachteten.

Sensoren im HMD verfolgten die Position der Augen der Teilnehmer und
ermöglichten es der Software, einen verschwommenen Sehbereich, ein so
genanntes „Skotom“, zu erzeugen, der den gleichen Teil ihres
Gesichtsfeldes behinderte, wohin auch immer sie blickten.

Das Skotom wurde anhand medizinischer Daten eines echten
Glaukompatienten erstellt, und zwar entweder mit eingeschränkter Sicht
im oberen Teil des Gesichtsfeldes des Teilnehmers oder im unteren Teil.
In ‚Kontroll‘-Studien fehlte das Skotom.

Ähnlich wie bei echten Glaukompatienten waren die Teilnehmer langsamer
bei der Ausführung der Aufgaben, wenn die simulierte Beeinträchtigung
vorlag, und machten auch mehr Kopf- und Augenbewegungen. Sie fanden die
Aufgaben ebenfalls besonders schwierig, wenn der Sehverlust den unteren
Teil ihres Gesichtsfeldes behinderte. Die Ergebnisse zeigten auch, wie
manche Menschen mit einer identischen Beeinträchtigung besser umgehen
konnten als andere.

Die Software, die die Autoren zur Simulation der Sehbehinderung
entwickelt haben (OpenVisSim), wurde online zur freien Nutzung und
Entwicklung für andere zur Verfügung gestellt. Sie ist mit den meisten
kommerziell erhältlichen HMDs und Smartphones kompatibel und
unterstützt eine Reihe von visuellen Effekten, mit denen die
verschiedenen Symptome, die mit einer Reihe von Augenkrankheiten
verbunden sind, simuliert werden können.

Der Erstautor der Studie, Dr. Peter Jones [2], Dozent am Crabb Lab,
City, University of London, erklärte:

Es ist zwar unmöglich, genau nachzuvollziehen, wie es ist, ein Glaukom zu haben, aber unsere Ergebnisse legen nahe, dass digitale Simulatoren zumindest einige der Herausforderungen, denen sich Menschen mit grünem Star täglich stellen müssen, erlebbar machen können. Wir arbeiten jetzt mit Architekten zusammen, um zu untersuchen, ob sich Sehverlustsimulatoren einsetzen lassen, um besser zugängliche Gebäude und Transportsysteme zu entwerfen.“

Die Studie wird in der Online-Zeitschrift npj Digital Medicine
veröffentlicht.

Medienkontakt:
Ida Junker – Agentur: PPOOL