Ohne Seitenhiebe ging`s nicht ab … bei der Eröffnung des 7. Münchner Literaturfestes (bis 27. November)

Literaturfest München 2016, Foto: Hans Gärtner

Dieses Pferd muss von hinten aufgezäumt werden. Denn da erst zündete der Kracher des wortreichen, umständlich moderierten und durch Lesungen in die Länge gezogenen Eröffnungsabends des 7. Münchner Herbst-Literaturfests. Dieser Kracher war der gerade 65 Jahre alt gewordene, vielfach ausgezeichnete Autor Hanns-Josef Ortheil.

„Was ich liebe und was nicht“ heißt Ortheils neues Buch. Daraus gab er, jovial, vollmundig, gut gelaunt und spitz formulierend ein paar Kostproben. Sie bezogen sich, wie könnte es bei einem Germanisten anders sein, auf eine Literaturgattung, die jeder kennt und – außer Krimis – vielleicht noch ganz gerne liest: den Liebesroman. Was Ortheil an ihm mag und was nicht. Wie seine „Ich mag…“ und „Ich mag nicht…“-Liste konkret aussieht. Und welche „Utopien“ er sich, „einfach formuliert“, vorstellt.

Ohne Seitenhiebe – unzweideutig auf namentlich genannte Kolleg(innen) wie Martin Walser, Elke Heidenreich, Peter Handke – ging es dabei nicht ab. Zum Amüsement des im Gasteig versammelten Publikums, unter dem wenige Literaten und Autoren gesichtet wurden. Auf Elke Schmitter, die Spiegel-Autorin und Lyrikerin, zielte Ortheil freilich nicht mit spitzen Wort-Pfeilen; richtete Schmitter doch den Eröffnungsabend aus, an dem das Literaturfestmotto „Ein Wort gibt das andere“ anklang, zu wenig einleuchtend auf den Gegenstand eingehend, um den es bis zum Festival-Ende (27. November) gehen soll: die Sprache.

In Andreas Ammers Kurzfilmen kam`s raus: Literaturfestivals sind nicht jedermanns Sache. Raoul Schrott, der kritisch auf Bayerns „Walhalla“-Etablissement blickte, ist kein Freund solcher Veranstaltungen. Christoph Ransmayr kann sich mit ihnen nicht anfreunden, er findet sie nur schwer erträglich. Ans Ende setzte Hanns-Josef Ortheil eine Film-Szene seines Sohnes, in der er „das Gefängnishafte der Situation eines Schreibenden“ mit sich selbst als Hauptdarsteller veranschaulichte: Festsitzen vor leerem weißenm Tisch in kargem Raum.

Das siebte Münchner Literaturfest verteilt sich auf Gasteig (57. Münchner Bücherschau, „Forum: Autoren“) und Literaturhaus, wo dessen neue Leiterin Tanja Graf für Begegnungen mit weltberühmten Autor(inn)en sorgt, am 23. November dem legendären Autor Jack London huldigen lässt und zum Abschluss einen Markt unabhängiger Verlage aufzieht. Info-Quelle: www.literaturfest-muenchen.de.

 

Foto (Hans Gärtner)

Autor Hanns-Josef Ortheil (2. v. li.) als Star unter den Initial-Zündern des 7. Münchner Literaturfestes

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Hans Gärtner
Über Hans Gärtner 343 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.

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