Schlag auf Schlag: Holländer und Geierwally: Christian Stückls nächste kühne Theatersommer-Pläne für Oberammergau

Holländer – Geierwally – Heimatsound, Foto: Hans Gärtner

Nun lässt Christian Stückl, Intendant in München, Passionsspielleiter in Oberammergau, Richard Wagner bei sich einziehen. Und gleich darauf Wilhelmine von Hillern. „Nun“: das bedeutet freilich „erst“ Juni/Juli 2017. Aber schon jetzt steht das meiste, was Stückl an kühnen Theatersommer-Plänen für Oberammergau im Kopf hat, schwarz und weiß auf Presse-Papers und Werbeflyers. Wagners Frühwerk „Der fliegende Holländer“ folgt von Hillerns Roman-Dramatisierung „Die Geierwally“.

Ist ja irgendwie lustig: Im Todesjahr Richard Wagners 1883 führte es die Münchner Autorin Wilhelmine von Hillern für 28 Jahre in ihr geliebtes Oberammergau, wo sie, gestorben 1916 in Hohenaschau im Chiemgau, auf dem Pfarrfriedhof begraben liegt. 50 Jahre früher, 1843, wurde Wagners „Holländer“ in Dresden uraufgeführt – da war Wilhelmine gerade mal 7 Jahre jung. Die populären Bühnenstoffe, der eine romantisch vertont, der andere schön schaurig in Szene gesetzt, treffen zweifellos auf ein breites Publikumsinteresse. Beide Autoren hatten ein Faible für Oberammergau, wie Christian Stückl vor versammelter Presse konstatierte: Wagner war 1871 in Begleitung Franz Liszts dorthin gekommen und hatte`s hier „über jede Beschreibung schön“ gefunden, wie er in sein Tagebuch notiert hatte. Und die Adelige aus München arbeitete im Ammertal mit dem Italiener Alfredo Catalani an der Opernversion ihrer (bereits verfilmten) „Geierwally“.

Dieses Stück kommt am 13. Juli (mit 7 Folgeaufführungen) unter der Regie von Stückls „rechter Hand“ Abdullah Kenan Karaca – nicht im Passionstheater, sondern erstmals open air am Pflanzgarten an der Laberbergbahn heraus. Wer die Titelheldin spielen wird, ist noch geheim. Dagegen ist bereits klar, wer den „Holländer“ singt: der in Budapest geborene Bassbariton Gábor Bretz, den Stückl vorige Spielzeit als Escamillo an der Bayerischen Staatsoper erlebte und der – von New York bis Wien – in bedeutenden Rollen seines Fachs gastierte. Die Senta wurde der Lettin Liene Kinca, der Daland dem Rumänen Bálint Szabó anvertraut. Ainars Rubikis dirigiert (wie schon den „Nabucco“ in den beiden letzten Jahren) die Neue Philharmonie München. Premiere: 30. Juni 2017, fünf Folgeaufführungen.

Sowohl zweimal „Brandner Kaspar“ (demnächst spielt man die Erfolgsinszenierung am Münchner Volkstheater zum 300. Mal) als auch das zweitägige Festival „Heimatsound“ schießt Stückl in die beiden attraktiven großen Theatersommer-Ereignisse seiner Geburtsstadt als „Specials“ ein. Er denkt schon jetzt daran, das Jahr darauf mit den Ausschreibungen zum (nicht: zur, bitte!) „Passion 2020“ zu beginnen.

 

Foto (Hans Gärtner)

Holländer – Geierwally – Heimatsound: Oberammergau hat große Theatersommerpläne für 2017, der Presse vorgestellt von Frederik Mayet und Till Hoffmann.

 

 

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Hans Gärtner
Über Hans Gärtner 343 Artikel
Prof. Dr. Hans Gärtner, Heimat I: Böhmen (Reichenberg, 1939), Heimat II: Brandenburg (nach Vertreibung, `45 – `48), Heimat III: Südostbayern (nach Flucht, seit `48), Abi in Freising, Studium I (Lehrer, 5 J. Schuldienst), Wiss. Ass. (PH München), Studium II (Päd., Psych., Theo., German., LMU, Dr. phil. `70), PH-Dozent, Univ.-Prof. (seit `80) für Grundschul-Päd., Lehrstuhl Kath. Univ. Eichstätt (bis `97). Publikationen: Schul- u. Fachbücher (Leseerziehung), Kulturgeschichtliche Monographien, Essays, Kindertexte, Feuilletons.

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