Noch im Frühjahr waren Verarbeitungskartoffeln kaum etwas wert. Jetzt hat Trockenheit die Ernteaussichten verschlechtert, und in den Niederlanden schoss der obere Marktpreis binnen einer Woche von zwei auf 15 Euro je 100 Kilogramm.
Eine Portion Pommes wird nicht über Nacht siebenmal teurer. Trotzdem lohnt ein Blick auf den Kartoffelmarkt, denn dort hat sich die Lage innerhalb weniger Wochen vollständig gedreht. Nach dem Überangebot des vergangenen Jahres waren frei gehandelte Verarbeitungskartoffeln im Frühjahr teilweise nahezu wertlos. Nun suchen Händler und Hersteller wieder Ware, während Hitze und Trockenheit die Ertragserwartungen drücken.
In den Niederlanden stieg die obere Notierung für frei gehandelte Pommes-Kartoffeln innerhalb einer Woche von zwei auf 15 Euro je 100 Kilogramm. Die Berliner Zeitung verweist dabei auf die Preisplattform PotatoNL. Für Kartoffeln, die besonders für frische Pommes geeignet sind, wurden sogar bis zu 18 Euro genannt. Die große Spanne zeigt allerdings, dass Qualität, Sorte und Verwendungszweck den Preis stark beeinflussen.
Der starke Anstieg betrifft zunächst den freien Markt. Große Pommes-Hersteller sichern einen erheblichen Teil ihres Bedarfs über länger laufende Verträge. Deshalb landet ein Sprung beim Rohstoff nicht eins zu eins und nicht sofort auf der Speisekarte oder im Tiefkühlregal. Trotzdem ist die Entwicklung ein Warnsignal, weil kurzfristig benötigte Zusatzmengen deutlich teurer werden können.
Dürre bremst das Wachstum der Knollen
Kartoffeln brauchen während der Knollenbildung ausreichend Wasser. Bleibt der Regen aus und hält die Hitze an, wachsen sie langsamer und bleiben kleiner. Für die Pommes-Produktion sind größere, längliche Knollen besonders gefragt. Bewässerung kann helfen, verursacht aber zusätzliche Kosten und steht nicht überall unbegrenzt zur Verfügung. Das Fachportal top agrar berichtet deshalb von deutlich verschlechterten Ertragsaussichten in den Niederlanden.
Auch in Deutschland zieht die Nachfrage nach Verarbeitungskartoffeln an. Für vertragsfreie Ware wurden zuletzt je nach Sorte und Größe fünf bis acht Euro je 100 Kilogramm genannt. Das ist noch weit von einem flächendeckenden Versorgungsengpass entfernt. Es zeigt aber, wie rasch ein Markt kippen kann, wenn große Lagerbestände abgebaut sind und die neue Ernte hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Die Haupternte entscheidet über den Preis im Winter
Ob Verbraucher tatsächlich mehr für Pommes zahlen müssen, hängt vor allem von der Haupternte ab. Fällt in den kommenden Wochen ausreichend Regen, kann sich die Lage zumindest regional entspannen. Bleibt es trocken, dürften Verarbeiter für zusätzliche Ware tiefer in die Tasche greifen. Der FOCUS weist darauf hin, dass die anhaltende Trockenheit das Wachstum in mehreren europäischen Anbauregionen bereits gebremst hat.
Der Kartoffelpreis ist allerdings nur ein Teil der fertigen Portion. Öl, Energie, Transport, Löhne, Verpackung und Handelsspanne wiegen häufig schwerer. Deshalb wäre die Behauptung falsch, aus dem Sprung von zwei auf 15 Euro folge automatisch eine entsprechend teurere Tüte Pommes. Möglich sind eher kleinere Preiserhöhungen, weniger Rabattaktionen oder knappere Verfügbarkeit bestimmter Produkte.
Für den Moment bleibt der Markt nervös. Nach dem Preissturz des Frühjahrs haben Produzenten nun das gegenteilige Problem: Gute, ausreichend große Kartoffeln werden wieder gesucht. Ob daraus an der Imbissbude ein neuer Preis auf der Tafel wird, entscheidet sich nicht heute – sondern auf den Feldern der kommenden Wochen.
