7,92 Millionen Kinder wurden 2025 in China geboren – so wenige wie noch nie seit Gründung der Volksrepublik. Gleichzeitig wächst die Zahl der Alten. Peking reagiert mit Zuschüssen, kostenlosen Leistungen rund um die Geburt und einer neuen Familienpolitik.
China hat jahrzehntelang versucht, Geburten zu begrenzen. Heute versucht die Regierung das Gegenteil.
2025 wurden nach offiziellen Daten nur noch 7,92 Millionen Kinder geboren. Ein Jahr zuvor waren es 9,54 Millionen gewesen. Das entspricht einem Rückgang um rund 17 Prozent. Die Geburtenrate sank auf 5,63 Geburten je 1000 Einwohner – der niedrigste Wert seit Beginn der entsprechenden Statistik nach Gründung der Volksrepublik 1949. Reuters berichtete über die offiziellen Daten.
Gleichzeitig starben 11,31 Millionen Menschen.
Chinas Bevölkerung schrumpfte deshalb 2025 um etwa 3,39 Millionen auf rund 1,405 Milliarden Menschen. Es war das vierte Jahr in Folge mit Bevölkerungsrückgang.
Erst Ein-Kind-Politik, jetzt Geburtenförderung
Von etwa 1980 bis 2015 prägte die Ein-Kind-Politik das Land. Ihre langfristigen Auswirkungen sind heute in den Altersstrukturen sichtbar.
Peking hat inzwischen zahlreiche Maßnahmen eingeführt, um Familien zu unterstützen. Seit 2026 sollen im Rahmen der staatlichen Krankenversicherung grundsätzlich die gedeckten Eigenkosten rund um Geburten einschließlich bestimmter Vorsorgeleistungen vollständig übernommen werden. Hinzu kommen Kinderbetreuungszuschüsse und weitere familienpolitische Hilfen. Reuters berichtete über die neuen Leistungen.
Im März kündigte die Regierung ausdrücklich den Aufbau einer „geburtenfreundlichen Gesellschaft“ an. Parallel sollen Renten-, Pflege- und Versorgungsstrukturen für ältere Menschen ausgebaut werden. Reuters berichtete über die Pläne. Der Grund dafür lässt sich in einer einzigen Zahl zusammenfassen.
400 Millionen über 60
Bis 2035 könnte die Zahl der über 60-Jährigen in China auf etwa 400 Millionen steigen. Das entspräche einem gewaltigen Anteil der Bevölkerung. Bereits 2025 waren rund 23 Prozent der Menschen im Land älter als 60. Das verändert fast alles: Arbeitsmarkt, Rentensystem, Pflege, Konsum, Immobilien und öffentliche Finanzen.
China hat deshalb bereits das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben. Gleichzeitig setzt die Regierung auf Automatisierung und Robotik, um einen Teil des Rückgangs an Arbeitskräften aufzufangen. Doch Maschinen bekommen keine Kinder und zahlen nicht automatisch Beiträge in ein Sozialsystem.
Die chinesische Entwicklung ist keineswegs nur ein asiatisches Thema. Deutschland, Italien, Japan, Südkorea und zahlreiche andere Staaten kennen ebenfalls niedrige Geburtenraten und alternde Bevölkerungen.
China erlebt diese Veränderung jedoch in außergewöhnlicher Geschwindigkeit und bei einer Bevölkerung von mehr als 1,4 Milliarden Menschen. Aus dem einstigen Problem zu vieler Geburten ist innerhalb weniger Jahrzehnte das Gegenteil geworden.
Die Regierung kann Geld verteilen, medizinische Kosten reduzieren und Kinderbetreuung fördern. Ob junge Menschen deshalb tatsächlich mehr Kinder bekommen, bleibt offen. Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen jedenfalls, wie schwer sich langfristige gesellschaftliche Entscheidungen politisch umkehren lassen.
