Millionenteure Meldestelle „REspect!“ im Faktencheck

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Zwischen 2017 und 2024 hat das Land Baden-Württemberg insgesamt 1,3 Millionen Euro in den Aufbau und Betrieb der Meldestelle „REspect!“ investiert. Was als Initiative gegen Hassrede in sozialen Medien begann, entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem Apparat, der mit wachsender Machtfülle und unklarer Kontrolle tief in die Meinungsfreiheit eingreift.

Laut einer Anfrage im Landtag stieg die Landesförderung von anfänglich 33.300 Euro im Jahr 2017 auf 334.500 Euro im Jahr 2024 – eine Steigerung um über 900 Prozent. Finanziert wurde das Projekt über das sogenannte Demokratiezentrum Baden-Württemberg. Ab 2025 übernahm dann das Bundesfamilienministerium die Förderung, womit die Institution endgültig in den bundesweiten Überwachungsapparat integriert wurde.

Explosion der Meldungen – Bürokratischer Selbstzweck statt klarer Wirkung

Auch die Aktivitäten der Meldestelle nahmen dramatisch zu: Von 666 gemeldeten Fällen im Jahr 2017 stieg die Zahl der erfassten Vorgänge auf 3.844 im Jahr 2020 und schließlich auf 32.587 im Jahr 2024 – das entspricht einer Verfünfzigfachung innerhalb von sieben Jahren.

Nach eigenen Angaben meldete „REspect!“ im ersten Halbjahr 2025 bereits 11.297 Fälle an das Bundeskriminalamt (BKA) – durchschnittlich 62 Meldungen pro Tag. Im Durchschnitt 14,5 dieser Meldungen wurden täglich direkt an das BKA weitergeleitet. Besonders auffällig: Etwa zwei Drittel der Fälle bezogen sich auf § 86a StGB („Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“), 26 Prozent auf Volksverhetzung und rund 5 Prozent auf Beleidigungen politisch aktiver Personen.

Diese Verteilung zeigt, dass die Mehrheit der Meldungen eher formale Verstöße oder symbolische Darstellungen betraf – also keine konkreten Gewalttaten oder Bedrohungen. Damit stellt sich die Frage, ob hier tatsächlich Demokratie geschützt wird oder ein Klima der Angst vor unbedachten Äußerungen entsteht.

Von der Zivilgesellschaft zum „Trusted Flagger“

Besonders kritisch bewerten Beobachter die neue Rolle der Meldestelle als sogenannter „Trusted Flagger“. Diese Zertifizierung durch die Bundesnetzagentur verleiht der Einrichtung das Recht, soziale Netzwerke direkt über „potenziell strafbare Inhalte“ zu informieren – deren Meldungen müssen von den Plattformen bevorzugt geprüft und bearbeitet werden. De facto wird damit eine zivilgesellschaftliche Organisation zu einer institutionellen Vorzensurstelle mit behördlicher Autorität erhoben.

Im Beirat der Meldestelle sitzen unter anderem Vertreter der „Task Force gegen Hass und Hetze“ des Landeskriminalamts. Eine solche enge Verzahnung von Polizei, Ministerium und externen Akteuren wirft Fragen hinsichtlich rechtsstaatlicher Grenzen und unabhängiger Kontrolle auf.

Teure Symbolpolitik mit Überwachungsrisiko

Ein Kostenanstieg von mehr als 900 Prozent, eine Verfünfzigfachung der Meldungen und eine zunehmende Einbindung in staatliche Strukturen zeigen: „REspect!“ steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der aus vermeintlichem Demokratieschutz ein Überwachungssystem der digitalen Meinung wird.

Mit Blick auf 1,3 Millionen Euro Steuergelder und zehntausende erfasste Bürgeräußerungen bleibt die entscheidende Frage: Schützt der Staat hier tatsächlich Demokratie – oder kontrolliert er zunehmend die Bürger, die diese Demokratie ausmachen?

Finanzen

Über Sylvia Pantel 32 Artikel
Sylvia Maria Pantel (1. Januar 1961 in Düsseldorf) ist eine deutsche Politikerin, die der Werteunion angehört und zuvor Mitglied der CDU war. Von 2013 bis 2021 vertrat sie die CDU im Deutschen Bundestag während der 18. und 19. Legislaturperiode. Bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 gewann Pantel den Wahlkreis Düsseldorf II und zog jeweils direkt ins Parlament ein. 2021 verfehlte sie jedoch sowohl das Direktmandat als auch den Wiedereinzug über die Landesliste der CDU Nordrhein-Westfalen, auf der sie Platz 40 innehatte. In der 19. Legislaturperiode war sie ordentliches Mitglied des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Darüber hinaus arbeitete sie als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, im Ausschuss für Inneres und Heimat sowie im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Pantel engagierte sich viele Jahre als Kreisvorsitzende der Frauen-Union Düsseldorf und führte zudem den CDU-Ortsverband Düsseldorf-Rath. Sie gehörte dem Kreisvorstand des CDU-Kreisverbandes Düsseldorf an und war von 2013 bis 2021 Mitglied im Bundesvorstand der Frauen-Union. Außerdem ist sie Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, dem Arbeitnehmerflügel der CDU. In einem Interview mit der Rheinischen Post bekundete sie ihr Interesse an einer weiteren Bundestagskandidatur. Am 28. März 2024 erklärte Pantel ihren Austritt aus der CDU und trat anschließend der Werteunion bei. Zuvor hatte sie alle Parteiämter niedergelegt und einen Wechsel zur Werteunion unter der Führung von Hans-Georg Maaßen nicht ausgeschlossen. Heute ist Pantel Landesvorsitzende der Werteunion Nordrhein-Westfalen sowie stellvertretende Bundesvorsitzende. Für die Bundestagswahl 2025 kandidierte sie als Direktkandidatin im Düsseldorfer Süden.