Tina Brenneisen: „Das Licht, das Schatten leert“

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Tina Brenneisen: „Das Licht, das Schatten leert“, Edition Moderne, Zürich 2019, ISBN: 978-3-03731-192-9, 29 Euro

Tina Brenneisen lebt und arbeitet als Comiczeichnerin und Karikaturistin in Berlin. Mit diesem Comic, der vielfach ausgezeichnet wurde, arbeitet sie den Verlust des eigenen Sohnes auf. 

Das Werk beginnt mit der Fahrt der beiden Hauptpersonen Tini und ihrem Lebenspartner Fritzemann zum Krankenhaus, in freudiger Erwartung der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Dort kommt das Baby nach einem Kaiserschnitt jedoch tot zur Welt. Besonders bedrückend ist das Bild, wo die Eltern ihr totes Kind auf den Arm nehmen. 

Die Trauma- und Trauerbewältigung steht danach im Mittelpunkt des Comics. Sie versuchen zwar, einen einigermaßen funktionierenden Alltag herzustellen, aber die erste Zeit begleitet sie der Tod überall. Dabei trauern beide gemeinsam, mal für sich. Von außen gibt es zwar Hilfe, das Unglück zu bewältigen, dafür sind sie aber nicht empfänglich. Dritte spielen in der ersten Phase der Trauer keine Rolle. Der Schmerz scheint im eigenen Körper gefangen zu sein. Es werden gemeinsame Bewältigungsstrategien aufgezeigt, wie die verbal ausgedrückte Hoffnung auf baldige Linderung. Die Geschichte führt die Schmerzen, Verzweiflung und Einsamkeit der beiden drastisch vor Augen und beschönigt nichts. Mit der Zeit finden die beiden ihr Lachen wieder, das ist aber eher Galgenhumor. Die Trauer wird im Laufe der Geschichte immer weniger, trotzdem endet das Werk nicht wie ein Spielfilm in Hollywood mit einem Happy End, sondern in einer Phase der relativen emotionalen Stabilität der beiden. 

Die Message ist dabei, dass Trauerarbeit Zeit braucht und vielleicht nie ganz abgeschlossen ist. Verständnis und Trost kann dabei der Partner bieten, aber auch individuelle Trauer ist eine Möglichkeit bei der Bewältigung, wobei das Werk keinen Königsweg aufzeigen kann und will. Das Buch bringt dieses heikle Thema in das Licht der Öffentlichkeit und kann anderen Trauenden helfen. Diese öffentliche Form der Bewältigung und Darstellung der eigenen Emotionen hat etwas Beeindruckendes und zeugt von einem starken Charakter der Autorin.

Dieser Comic ist nicht wie so viele fiktiv. Tina Brenneisen verarbeitet als Hauptfigur Tini zusammen mit ihrem Partner den Verlust ihres Sohnes. Ein außergewöhnliches Genre, das nur in Ansätzen unterhaltsam und witzig daherkommt, sondern eher nachdenklich macht und individuelle Trauerarbeit beinhaltet, ohne dabei als Blaupausefür ande,trauerre Verlustszenarien verstanden werden zu wollen. Trauer bedeutet für sie nichts Abgeschlossenes, das wird bis zum Ende deutlich. 

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Michael Lausberg
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Dr. phil. Michael Lausberg, studierte Philosophie, Mittlere und Neuere Geschichte an den Universitäten Köln, Aachen und Amsterdam. Derzeit promoviert er sich mit dem Thema „Rechtsextremismus in Nordrhein-Westfalen 1946-1971“. Er schrieb u. a. Monographien zu Kurt Hahn, zu den Hugenotten, zu Bakunin und zu Kant. Zuletzt erschien „DDR 1946-1961“ im tecum-Verlag.