Warum können wir uns an kein früheres Leben erinnern?

Sonnenuntergang am Mittelmeer, Foto: Stefan Groß

Für die meisten Menschen gibt es darauf eine klare Antwort, die sehr logisch klingt. Sie lautet: „Weil wir keines hatten“. Dass dies jedoch ein fataler Trugschluss ist, der die Entwicklung der Religionen begünstigte, kann aufgrund unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte belegt werden. Heute wissen wir im Gegensatz zu früher ganz genau, was unser Gehirn kann und was nicht und wir wissen ferner aufgrund der aktuellen Entwicklungen der Informationstechnologie ebenso genau, wie Informationen gespeichert und verarbeitet werden. Da jede einzelne unserer Körperzellen grundsätzlich immer aus einer lebenden Zelle entstanden ist, hat sie in den Vorgängerzellen schon immer gelebt und sich über Jahrmillionen evolutionär ständig weiterentwickelt. Mit den aus ihnen gebildeten Keimzellen wird der menschliche Körper bei jeder Geburt nahezu identisch erneuert.

Also, wenn unsere Zellen schon immer gelebt haben und uns immer neu entstehen lassen, warum können wir uns dann an kein früheres Leben erinnern? Dies soll im Folgenden erklärt werden.

Zusammenfassung

Die für den Aufbau und die Funktion unseres Körpers notwendigen Informationen hat die Natur im Laufe der evolutionären Entwicklung im Zellkern der einzelnen Zellen, aus denen wir bestehen, angesammelt und auf der DNS, einem speziellen Makromolekül, molekular abgespeichert. Sie unterscheiden sich von Mensch zu Mensch kaum, da wir alle ähnlich aussehen und nahezu gleich funktionieren. Diese Informationen werden von Generation zu Generation mit hoher Perfektion nahezu unverändert weitergegen und gehen deshalb nie verloren.

Völlig andere Informationen, nämlich die für jeden einzelnen Menschen notwendigen Informationen über das, was er geistig und körperlich kann, was in seinem Umfeld geschieht und wie er reagieren muss, damit er sein Leben sinnvoll gestalten kann, sammelt jeder Mensch für sich selbst mithilfe seiner Sinnesorgane in persönlichen Lernprozessen im Laufe seines jeweils begrenzten Lebens. Sie stellen seine individuellen Erfahrungen, Erinnerungen und sein Wissen dar. Diese Informationen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch ganz gewaltig. Sie werden in den Neuronen des Gehirns abgespeichert und gehen beim Tod des Menschen mit dem Absterben der Neuronen unwiederbringlich verloren, deshalb werden sie auch nicht an unsere Nachkommen vererbt. Ein Kind besteht zwar aus den Zellen der Eltern und kann das Aussehen und die Krankheiten der Eltern erben, aber es wird sich nie an ihre Erlebnisse erinnern können. Da wir über unsere Nachkommen ständig reproduziert werden, gilt auch umgekehrt für uns, dass wir in gleicher Weise auch schon in der Vergangenheit in unseren Vorfahren gelebt haben. Doch leider sind wir nicht in der Lage, uns jemals daran zu erinnern.

 

  1. Einführung

Obwohl Pflanzen, Tiere und Menschen vergänglich sind, gibt es sie immer noch, und sie werden gewiss noch mindestens so lange existieren, wie sie bisher existiert hatten. Dies liegt daran, dass die Natur evolutionär Fähigkeiten und Mechanismen entwickelt hat, nach denen sie die aus instabilen und daher unbeständigen organischen Verbindungen aufgebauten Lebewesen ständig reproduziert. „Leben stirbt nicht“, könnte man sagen, da die Natur ständig neues Leben nach ein und denselben Bauplänen, also mit ein und denselben abgespeicherten Informationen schafft. Voraussetzung dafür ist, dass die dafür notwendige ungeheure Menge an Informationen für die jeweils einzelnen verschiedenen Lebewesen absolut fehlerfrei kopiert und abgespeichert werden kann. Das Geheimnis, wo und wie diese riesige, aus mehreren Milliarden Einzelinformationen bestehende Datenmenge ständig vervielfältigt und abgespeichert werden kann und wie dies genau funktioniert, konnte durch intensive Forschung erst in den letzten Jahrzehnten gelüftet werden.

Was wir heute mit den modernen Informationstechnologien zustande bringen, wie wir Informationen speichern und sie nutzen, hat die Natur schon immer viel besser und effizienter in allen Lebewesen auf molekularer Basis beherrscht. Sie speichert auf dem DNS-Molekül in den Chromosomen der einzelnen Zellkerne viel mehr Informationen ab, als wir technisch jemals zustande bringen werden. Da alle Zellen der Lebewesen durch Zellteilung entstehen, besitzt jede einzelne von ihnen die notwendigen Informationen für ihren Aufbau und ihre Funktionsweise in den Genen der Zellkerne. Mit der steten perfekten Weitergabe der Erbinformation bei der Zellteilung ist es möglich, die Lebewesen der Natur ständig zu reproduzieren und sie dabei immer wieder von Grund auf zu erneuern. Dies beschert allen Lebewesen ein sich immer wiederholendes neues Leben. Dies gilt natürlich auch für das am weitesten entwickelte Lebewesen, den Menschen, der darüber hinaus mithilfe seiner Sprache auch noch über alles und vor allem auch über sich selbst nachdenken kann. Doch wenn der Mensch sich ständig reproduziert und so gut denken kann, warum weiß er dann nichts von einem früheren Leben?

Die Antwort auf diese Frage kann durch die unterschiedliche Art der Informationen, die unterschiedlichen Informationsträger und die unterschiedlichen Mechanismen der Informationsverarbeitung begründet werden.

Genetisch abgespeicherte Informationen betreffen das über Jahrmillionen angesammelte Wissen über alle Einzelheiten des Aufbaus der Lebewesen und ihrer Funktionsweise. Alle Details dazu sind molekular codiert, also in einer eigenen speziellen Sprache, auf der DNS enthalten. Die im Gehirn abgespeicherten neuronalen Informationen betreffen das Wissen und die Erfahrungen, die dem Körper über seine Sinnesorgane im Laufe seines einzelnen Lebens zufließen und ihm Informationen über sein Umfeld und sein Wohlbefinden zugänglich machen. Es sind also völlig verschiedene Informationen, die einerseits im Gehirn und andererseits in den Genen abgespeichert werden und auch ohne unser Zutun, also vollautomatisch, mit unterschiedlichen Mechanismen verarbeitet werden.

So wie wir sagen: „Der für unser Denken und unsere Erinnerungen zuständige Geist arbeitet in unserem Gehirn“, so können wir auch sagen: „Der für den Aufbau und die Struktur unseres Körpers zuständige Geist arbeitet in unseren Zellen“. Und weil die Informationen und die Informationsverarbeitung im Gehirn und in den Körperzellen keine Gemeinsamkeiten besitzen, kann weder unser denkender Geist, der im Gehirn arbeitet, auf die genetische Information zugreifen, noch unser genetischer Geist, der in den Zellen arbeitet, auf unsere Erlebnisse und unser Wissen zugreifen.

 

  1. Körper und Geist

Unser Geist, mit dem wir denken und der unsere Erinnerungen in sich trägt, war schon immer etwas Besonderes, da er unsichtbar und auf geheimnisvolle Art und Weise in uns arbeitet und unseren Körper beherrscht. Seinen Namen hat er von den ebenso unsichtbaren Geistern, an die die Menschen früher noch glaubten. Es war deshalb leicht, den Menschen einzureden, dass er wie sie aus einer anderen Welt stammt und damit übernatürlichen Ursprungs sei. Den menschlichen Körper hingegen konnte man schon immer spüren und man wusste auch ganz genau, wie man mit ihm umgehen konnte. Er besteht aus Materie, die man anfassen konnte und deren kleinste stabile Teile, wie wir heute wissen, Atome sind.

Was unser Körper ist, war damit schon immer bekannt. Was allerdings unser Geist ist, mit dem wir denken, rechnen, planen und fantasieren, ist hingegen den meisten Menschen bis heute noch nicht klar. Kein Wunder, weil es sogar die Geisteswissenschaften bis heute nicht verstanden haben, dazu eindeutig Stellung zu beziehen. Stattdessen diskutieren sie die Jahrhunderte alten längst überholten Gedanken von Descartes vom Körper-Geist-Dualismus und vermischen die Begriffe Geist, Psyche und Seele nahezu nach Belieben. Jeder Philosoph und jeder Theologe hat dazu seine eigenen Vorstellungen und scheut naturwissenschaftliche Überlegungen wie der Teufel das Weihwasser. Dabei ist es heute im Zeitalter der Information und Kommunikation, in dem fast jeder mit Computern, Smartphones usw. umgeht, eigentlich für jeden, der guten Willens ist, ganz einfach zu verstehen, was ein Geist ist.

Ein Geist ist keine Substanz und besteht also auch nicht aus Materie wie unser Körper, sondern er ist ein Mechanismus, der etwas macht. Er ist damit ein Akteur, der in einem System Kräfte wirken lässt und damit für Bewegungen, also Aktionen verantwortlich ist. Unser denkender Geist ist einer, der mit Bild-und Sprachinformationen in unserem Gehirn arbeitet. Diese werden ihm ständig als Signale über die Sinnesorgane zugespielt und von ihm je nach Bedeutung intern in der Zentrale seines Nervensystems, im Gehirn, wie in einer Bibliothek abgespeichert. Natürlich arbeitet er im Körper des Menschen in einem sehr speziellen biologischen System mit den zugehörigen biochemischen und biophysikalischen Gesetzmäßigkeiten, so wie jeder mechanische oder elektrische Mechanismus in einem speziell konstruierten System arbeitet. In technischen Geräten, beispielsweise in Computern oder Smartphones, ist ein völlig anderer Geist und damit ein völlig anderer Mechanismus aktiv, der in ihnen mit den zugehörigen rein physikalischen Gesetzmäßigkeiten arbeitet. In allen Fällen werden dabei spezielle Informationen, in speziellen unterschiedlichen Sprachen und mithilfe spezieller Informationsträger in einem speziell konstruierten System mit den jeweils zugehörigen speziellen Mechanismen verarbeitet.

Der Geist, der Informationen verarbeitet, ist deshalb immer ein sehr spezieller Mechanismus, der in einem speziellen System spezielle Informationen verarbeitet. Auch unser Körper stellt wie eine Maschine ein derartiges System dar, in dem ein spezieller Mechanismus Arbeit leistet. Dazu benötigen beide einen Geist, der mit den nötigen Informationen das Geschehen steuert und für die entsprechenden Aktionen sorgt. Alles was mit Informationen arbeitet, sie zur Steuerung benutzt, sie abspeichert oder reaktiviert, leistet geistige Arbeit, so wie unser denkender Geist in unserem Gehirn oder der technische Geist in einem Computer geistige Arbeit leisten.

 

  1. Der Geist – ein Mechanismus, der mit Informationen arbeitet

Ein Mechanismus sorgt grundsätzlich für Kräfte und löst damit eine spezielle Aktion aus, die für einen nach bestimmten Regeln erfolgenden und deshalb gesteuerten Ablauf eines Geschehens verantwortlich ist. Er ist damit der für ein spezielles Geschehen verantwortliche Akteur. Aktionen werden grundsätzlich durch Kräfte verursacht, die nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten auf Basis der Fundamentalkräfte in technischen, chemischen oder biologischen Systemen ablaufen. Ein Mechanismus beschreibt damit die Entstehung von Kräften und das damit verbundene Zusammenwirken von materiellen Teilen oder Teilchen in technischen, chemischen oder biologischen Systemen.

Aktionen, die Informationen verarbeiten, erfolgen wie körperliche Aktionen durch Bewegen von Teilchen, beispielsweise Elektronen in der Elektronik oder Ionen in der Bionik. Informationen werden immer von Informationsträgern getragen oder auf ihnen abgespeichert. In unserem Gehirn sind es die Neuronen, auf denen die Informationen abgespeichert werden, und in den Körperzellen sind es die DNS-Stränge. Informationen sind materielos. Sie brauchen aber immer einen Träger, wie eine Schrift, deren Buchstabenfolge die Information enthält und die in Stein gehauen, auf Papier geschrieben, in Metall eingeätzt oder elektronisch abgespeichert werden kann usw.

Jeder physikalische, chemische oder biologische Mechanismus, der mit Informationen arbeitet, ist damit eine spezielle Form eines Geistes. Ein Geist ist ein Mechanismus, der mit Informationen arbeitet, die selbst nicht materiell sind, sondern nur Eigenschaften, Strukturen und Muster auf Materie darstellen, die eine optische Information, ein Bild, oder eine akustische Information, einen Satz, bilden. Er ist ein Mechanismus, der in einem Gerät oder einem Lebewesen aktiv sein und physikalisch, chemisch oder biologisch arbeiten kann. In jedem Fall geht er mit sehr unterschiedlichen Arten von Informationen um, die ihm zugespielt werden, bzw. die er sich selbst abgespeichert hat.

Unser denkender Geist arbeitet in unserem Gehirn, also in einer bestimmten biologischen Konstruktion, das die Zentrale eines Nervensystems darstellt, nach biophysikalischen Prinzipien. Unser denkender Geist ist damit ein spezieller biophysikalischer Mechanismus, der mit Informationen etwas bewirkt.

Die meisten Informationen enthalten Bilder, die im wesentlichem zur Orientierung dienen. Deshalb kommen einfache Lebewesen auch ohne Sprache gut zurecht. Evolutionär stellt die Entwicklung der Sinnesorgane und vor allem der Augen ein großer Schritt zur Aufnahme der Information dar, die dann die Entwicklung des Stammhirns zur Informationsverarbeitung notwendig machte. Der zweite wichtige Schritt war die Entwicklung des Kehlkopfs und der Ohren, die die Sprache zur Kommunikation zwischen den Menschen ermöglichte und weitere Gehirnareale ausbaute.

Das Besondere an allen Formen des Geistes ist, dass sie für ihre Arbeit Energie benötigen und die Informationen immer vollautomatisch verarbeiten, so wie auch jeder Computer technische Informationen vollautomatisch verarbeitet, so wie auch der genetische Geist in den Körperzellen der Lebewesen molekular auf der DNS abgespeicherte chemische Informationen vollautomatisch verarbeitet und so wie auch unser unterbewusst arbeitende Geist seine Bild- und Sprachinformationen vollautomatisch verarbeitet und je nach Bedeutung abspeichert.

 

  1. Genetische Informationen und neuronale Informationen

Seit dem Homo sapiens sorgen unsere Erbinformationen dafür, dass unser Körper von Generation zu Generation immer wieder dieselben Konstruktionsmerkmale aufweist und auch immer wieder auf dieselbe Art und Weise funktioniert. Sie haben sich seit Jahrtausenden nicht mehr merkbar verändert. Dies beweist, wie perfekt sie als genetische Informationen molekular auf den DNS-Strängen der Chromosomen in den Zellkernen abgespeichert und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wie wir heute wissen, hat sich die ganze Vielfalt des Lebens evolutionär über etwa 10 Milliarden Jahre aus einer Urzelle entwickelt. Über welche Entwicklungsphasen hinweg der Mensch entstand, ist beispielsweise an der Entwicklung des Embryos im Mutterleib erkennbar.

Wie kommt es, dass Informationen über Jahrmilliarden hinweg perfekt gespeichert werden können? Die Antwort gibt darauf die Molekularbiologie. Leben wird über lebende Zellen stets lebend über Generationen hinweg weitergegeben. Es ist also nicht so, wie die meisten Menschen glauben, dass unser Leben erst bei der Geburt oder in der Eizelle entsteht, sondern Leben ist von Anfang an schon vor und bei der Bildung der Eizelle vorhanden, da Zellen immer lebend aus Vorgängerzellen entstehen. Aus den lebenden Zellen der Mutter bilden sich die lebenden Eizellen, deren Informationen durch Informationen der lebenden männlichen Samenzelle geringfügig modifiziert werden. Diese Modifikationen betreffen in der Regel nur unbedeutende Äußerlichkeiten. Fakt ist, dass die Kinder zwar nicht exakt wie die Eltern in ihrer Kindheit aussehen, aber sie funktionieren wie sie. Kein Mensch kann davon ausgehen, dass er in einem früheren Leben genauso aussah oder in einem späteren Leben genauso aussehen würde wie jetzt. Er kann aber davon ausgehen, dass seine Organe und sein Gehirn genauso funktionieren, wie sie es jetzt tun.

Der Körper und alles, was er beinhaltet, also auch Sinnesorgane, Nerven und das Gehirn entstehen damit immer wieder auf der Basis von uralten genetischen Informationen, die sich seit dem Homo sapiens kaum noch verändert haben. Der genetische Geist ist der Mechanismus, der in den einzelnen Körperzellen ohne unser Zutun vollautomatisch arbeitet und mit ihnen den menschlichen Körper erzeugt. Er arbeitet immer mit denselben zig Milliarden Einzelinformationen, die bereits der Homo sapiens hatte. Da sich die Zellen unseres Körpers durch Zellteilung reproduzieren und unser Leben nie unterbrochen wurde, sondern immer lebend von Generation zu Generation weitergegeben wurde, existierte auch unser genetischer Geist, der unbemerkt von uns in unseren Körperzellen mit den genetischen Daten vollautomatisch arbeitet, schon immer seit der Urzelle und ohne jede Unterbrechung.

Bei dem menschlichen Geist, der für unser Bewusstsein verantwortlich ist, ist es völlig anders. Er existiert nicht in den Körperzellen, daher entsteht er in jedem Baby zusammen mit dem Gehirn von Grund auf neu und er arbeitet auch nicht mit uralten vererbten Informationen wie der genetische Geist in den Körperzellen, sondern mit den Informationen, die ihm nach der Geburt mit den bereits im Mutterleib neu entstandenen Sinnesorganen zugespielt werden. Erst nach der Geburt entsteht über Jahre hinweg das Bewusstsein des Menschen durch die Arbeit seines Geistes, der über die Sinnesorgane seines Körpers nach und nach alle notwendigen Informationen über sich selbst und sein Umfeld sammelt und verarbeitet.

Wenn wir sterben, dann sterben alle unsere Zellen, aber die Informationen über unsere Struktur und wie wir funktionieren, gehen nicht verloren, da sie über das Erbgut schon vor unserem Tod an spätere Generationen weitergegeben werden. Genetische Informationen gehen deshalb nie verloren. Unsere Erinnerungen, Erfahrungen und unser Wissen kann aber nicht vererbt werden, denn es ist in unserem Gehirn in den Neuronen abgespeichert und wenn diese Zellen sterben, dann gehen sie unwiederbringlich verloren. Dies ist schon bei dementen Personen zu beobachten, die sich nach und nach an nichts mehr erinnern können. Unser Wissen, unsere Erinnerungen und unsere Erfahrungen gehen nur dann nicht verloren, wenn sie dokumentiert und vervielfältigt werden.

 

  1. Fazit

Sowohl unser Geist auch das Wissen, die Erinnerungen und Erfahrungen, mit denen er arbeitet, entstehen erst mit unserem Gehirn und den Informationen, die wir über unsere Sinnesorgane erhalten und er stirbt auch mit dem Menschen, da dann auch sein Gehirn nicht mehr funktioniert. Unser geistiges Leben hat also im Gegensatz zu unserem körperlichen Leben nach jeder Geburt einen absoluten Neuanfang und nach jedem Tod ein endgültiges Ende.

Weil Erinnerungen auf Sinnesinformationen basieren, die völlig andere Informationen sind als genetische Informationen und auch völlig anders verarbeitet werden, können sie nur in den Neuronen des Gehirns und nicht in den Genen des Zellkerns abgespeichert werden. Mit den seit Jahrtausenden nahezu unveränderten genetischen Informationen, die für unsere körperliche Struktur und seine Funktionen zuständig sind, entstehen wir von Generation zu Generation rein körperlich immer wieder neu. Sie sind auch für den Aufbau unseres Gehirns und seine Funktion verantwortlich, aber nicht für die Informationen, mit denen unser denkender Geist arbeitet, die er sich erst im Laufe seines eigenen Menschenlebens selbst über seine Sinnesorgane erarbeitet hat. Diese Informationen bilden mit seinem Wissen, seinen Erinnerungen und Erfahrungen die Grundlage seines Bewusstseins. Da sie nicht in den Genen abgespeichert werden können, gehen sie beim Tod des Menschen unwiederbringlich verloren. Da sie nicht wie die genetischen Informationen von Generation zu Generation weitergegeben werden können, gibt es auch keine Erberinnerungen und wir können uns deshalb, obwohl wir immer dieselben Menschen sind, auch an kein Leben vor unserer Geburt erinnern.

Da Informationen immer einen Träger brauchen, beispielsweise die Neuronen im Gehirn oder die Gene in den Körperzellen, gibt es auch keine Seelenwanderung. Informationen ohne Informationsträger gibt es nicht. Erinnerungen gibt es nicht ohne das zugehörige lebende Gehirn, in dem sie abgespeichert sind. Wenn der Träger der Information in einem Computer zerstört wird oder wie im Fall der Lebewesen stirbt, dann geht mit ihm auch die Information unwiederbringlich verloren.

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Dr. Hans Laurenz Sixl, Jahrgang 1941, arbeitete als Professor für Physik an den Universitäten Stuttgart und Frankfurt und als Visiting Professor in Durham (UK) und Tokyo (J). Von 1986 bis 2001 war er Forschungsdirektor in der Chemischen Industrie und Vorstandsmitglied der deutschen Physikalischen Gesellschaft. Seine Arbeitsgebiete waren Spektroskopie und Materialforschung. Er hat die Molekularen Elektronik in Deutschland begründet und lehrte an der Universität Frankfurt.

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