Was ist der Islam? – Gott, Religion und Realität

Hotel Orient in Rom, Foto: Stefan Groß

Es ist das Eine, die Notwendigkeit eines Schöpfergottes für die Entstehung des Universums zu postulieren. Auch wenn (bisher) nicht bewiesen werden kann, dass das Universum ohne einen Schöpfergott entstanden ist, bedeutet es zum Anderen nicht, dass der Schöpfergott einer bestimmten Religion zuzuordnen ist. Betrachtet man die Realität auf unseren Planeten, so wird man Verständnis für einen Schöpfergott aufbringen, der von seinen Geschöpfen Abstand nehmen und seine Missgeburten vernichten will.

Die Aufgabe der Religionen ist es nicht, die Notwendigkeit Gottes zu beweisen. Jegliche Religion setzt Gott voraus! Wenn wir jedoch nach dem „gemeinsamen“ Schöpfergott innerhalb der „monotheistischen“ Religionen suchen, so werden wir schnell merken, dass es keinen gemeinsamen monotheistischen Schöpfergott gibt: Zu widersprüchlich ist ihr Vorgehen in den jeweiligen heiligen Schriften niedergeschrieben. Lassen wir die unbeantwortbare Frage beiseite, wie der Sohn des monotheistischen Gottes göttlich wird, so kristallisiert sich der gewaltige Unterschied zwischen dem Gott der Juden und der Christen auf der einen Seite und Allah auf der anderen Seite. Der jüdisch-christliche Gott erschafft das Universum und das Leben auf der Erde. Anschließend ruht er sich aus und überlässt die weitere Umwandlung der Erde und des Universums den Menschen und den vom Menschen erzeugten chemischen Verbindungen. Von da an mischt sich Gott selten in das irdische oder interplanetarische Geschäft ein. Die wenigen Ausnahmen finden ausnahmslos auf einem begrenzten kleinen Gebiet im Nahen Osten unweit des Mittelmeeres statt.

Ganz anders handelt Allah, der Gott der Muslime. Laut Mohammed, seinem letzten Propheten, arbeitet Allah unermüdlich und ohne Unterbrechung am Universum und (er)schafft unaufhörlich. Sein Wirkungskreis ist nicht auf Arabien und die Erde beschränkt.

Allah kennt die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft eines jeden Einzelnen, für die sich der jüdisch-christliche Gott erst am Tag des Jüngsten Gerichtes interessieren wird. Im Islam ist alles nach Allahs Willen vorbestimmt, nachzulesen in den zahlreichen Aussagen Allahs allerletzten Propheten Mohammed. Da drängt sich dem Ungläubigen die Frage auf, wozu der Muslim das Jüngste Gericht überhaupt noch braucht, da das Gerichtsurteil bereits lange vor der Geburt des Menschen feststeht. Der Grund hierfür ist die Hoffnung und auch die Unsicherheit, die Allah bei Mohammeds Anhängern entfachen will. Allah darf sein eigenes Gerichtsurteil auch ohne Begründung verwerfen, wenn es IHM gefällt.

Da die Zukunft bereits feststeht, kann der Gläubige sie nicht einmal durch gottgefällige Handlungen beeinflussen. Sollte der Gläubige dennoch gottgefällig handeln, so nur deshalb, weil Allah es so will! Der Gläubige trägt folglich keine Verantwortung für sein Handeln, was bis ins kleinste Detail von Allah vor Äonen festgelegt worden ist. Im Islam kommt es deshalb nicht auf die Handlung, sondern auf die Absicht an. Die Absicht, gut und vernünftig zu handeln, steht dem Gläubigen jedoch nur scheinbar zu, da Allah auch die Absichten all seiner Geschöpfe (Dämonen, Menschen, Tiere, Pflanzen, unbelebte Materie) kontrolliert. Katholiken werden diese Tatsachen unter „Mysterium des Glaubens“ ablegen.

Allah hat über Mohammed festgelegt, dass Muslime in der besten Gemeinschaft leben, die je auf Erden gestiftet worden ist. Dieser Satz erinnert an den real existierenden Sozialismus. Trotz bestmöglicher Gesellschaft ist der Drang auf Ausreise ungebrochen, derzeit vor allem aus Ländern, wo der Islam Staatsreligion ist. Aktuelle Geschehnisse im Gazastreifen bezeugen, dass arabische Muslime ihr Leben hergeben würden, damit ihre Nachkommen sicher im Judenstaat Israel leben dürfen.

Syrer, Iraker, Afghanen etc. verlassen ihre Heimat, weil sie islamisch/islamistisch ist. Das können korantreue Herrscher und Terroristen nicht akzeptieren, da ihrer Meinung nach solche Handlungen dem Koran widersprechen. Die Korantreuen erklären deshalb, dass die Muslime ihre Heimat verlassen, um im Ausland den Ungläubigen die Schönheit des Islams näher zu bringen. Böse ungläubige Zungen hingegen verbreiten, dass die Auswanderer mit Hilfe geeigneter Maßnahmen, wie Geburtenüberschuss, die politische Macht für den Islam erzwingen sollen. Die offizielle Erklärung der Korantreuen wird von manchen Indigenen ohne Überprüfung übernommen. Die Indigenen können die Erklärung der Islamisten schon allein deshalb nicht überprüfen, da sie als Ungläubige den Koran nicht verstehen. Genauso wenig wie die guten Menschen, die an eine friedliche Koexistenz von Demokratie und einem liberalen Euro-Islam festhalten, der sich nicht durchzusetzen vermag.

Denn Allah hat vor langer Zeit schon festgelegt, was der Gläubige zu tun und zu unterlassen hat. Eine Selbstbestimmung im wahren Glauben ist unislamisch. Es gibt im Islam keinen Zwang im wahren Glauben, da die Vorsorge Allahs freiwillig angenommen wird und keinen Zwang darstellt.

 

Aus Tilman Nagel: Was ist der Islam?

Grundzüge einer Weltregion

Verlag: Duncker & Humblot; 1. Auflage: 28. März 2018

695 Seiten; 39,90 €

 

Tilman Nagel, Studium der Orientalistik, Zentralasienkunde und Religionswissenschaft; Habilitation im Fach Islamwissenschaft; von 1981 bis 2007 o. Prof. der Arabistik und Islamwissenschaft in Göttingen; seit 1989 ordentliches Mitglied der historisch philologischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Von 1981 bis 2009 arbeitet Nagel in staatlichen Gremien, die sich mit der Integration der Muslime sowie mit der Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts befassen. Verfasser zahlreiches wissenschaftlicher Werke.

 

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Dr. Nathan Warszawski (geboren 1953) studierte Humanmedizin, Mathematik und Philosophie in Würzburg. Er arbeitet als Onkologe (Strahlentherapeut), gelegentlicher Schriftsteller und ehrenamtlicher jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft zu Aachen.